Lenkdrachen - die leichtgewichtige Wolkenstürmer
Über einer Wiese zieht ein deltaförmiges Objekt seine Kreise. Manchmal fliegt es derart rasant um weite Kurven, dass es fast den Boden berührt, bevor es wieder in Richtung Wolken prescht. Mit einem zweileinigen
Lenkdrachen gelingen solche Tricks, mit dem traditionellen „Einleiner" geht das so nicht.
Die leichtgewichtigen Himmelsstürmer mit nur einer Schnur neigen eher zu etwas unkontrolliertem Flugverhalten. Es sei denn, ein „Flieger" hat sich entschieden, es mal mit dem einleinigen „
Kampfdrachen" zu versuchen. Die Steuerung dieser martialisch benannten Fluggeräte funktioniert so: Lässt der „Pilot" Leine, beginnt der Drachen eigenwillig zu kreisen. Bei stramm gezogener Schnur fliegt der „Vogel" in gerader Linie in Richtung Steuermann. Schwierig in der Handhabung und eigentlich mehr für geübte Profis sind solche Kampfdrachen, aber trotzdem zunehmend beliebt. Nicht zuletzt deshalb, weil sie auf so genannten „
Line-touch Competitions" im gegnerischen Zweikampf zum Einsatz kommen.
Die Zweileiner erlauben eine präzisere Steuerung als ihre einschnürigen Kollegen und können mit einiger Übung zum „
trick-kiting" eingesetzt werden. Einstudierte Figuren beschreiben die bespannten Stabkonstruktionen am Himmel, können gar Loopings kreieren und auf der Stelle Pirouetten drehen. Das freilich nur nach einigen Trainingseinheiten. Profis beherrschen die meisten der 150 offiziellen Figuren.
Lenkdrachen mit vier Leinen ermöglichen noch raffiniertere Flugmanöver. Mit den beiden zusätzlichen Bremsleinen am Schwanzende kann der Stellwinkel der Tragfläche moderiert werden. So kann die Flugrichtung abrupt umgekehrt werden, was immer wieder ein für Zuschauer überraschender Moment ist.
Die Weiterentwicklung vom Zwei- zum Vierleiner scheint eine Faustregel nahezulegen: Zweileiner für Anfänger – Vierleiner für Fortgeschrittene. Aber gerade das wird in der Kiter-Scene so nicht vertreten. Im Gegenteil gibt es Vierleiner, die auch für den Einsteiger bestens geeignet sind. Dagegen gilt Eins ganz bestimmt: Nicht zu klein anfangen! Ein kleiner Lenkdrachen fliegt rasanter und ist viel schwieriger zu steuern. Mindestens anderthalb Meter Spannweite sollte „der Erste" schon haben.
Flugmatten sind zwei- oder vierleinige
Lenkdrachen ohne Stabgerüst. Optisch einem Gleitschirm sehr ähnlich, füllt der Wind die nach vorne offenen Kammern. Das „Skelett" aus Luftdruck kann aber ohne ausreichenden Leinenzug kollabieren. Daher sind Lenkmatten optimal für Rennen mit dem Land- oder Snowboard geeignet. Und zusammengefaltet können sie einfach transportiert und schnell ausgepackt und gestartet werden.
Jürgen Reschke