Frühsignale empfangen
Um sich gegen konjunkturelle Schwankungen oder auch Krisen wappnen zu können, müssen Umfeldinformationen mit Blick in den Zukunftstrichter interpretiert werden: d.h., Unternehmen brauchen ein radarähnliches rundum-Beobachtungssystem, welches Störgrößen frühzeitig signalisiert.
Frühwarnsignale des Marktes sind beispielsweise: Abnahme des Marktes aufgrund Substitutionstendenzen, Zersplitterung des Marktes, Vergrößerung des Marktes aufgrund neuer Abnehmer, Globalisierung u.a., stagnierende oder schrumpfende Mengennachfrage, abnehmende Preiselastizität, zunehmender Importdruck, verschlechterte Exportmöglichkeiten, absinkende Eintrittsbarrieren für Newcomer, steigende Marktaustrittsbarrieren aufgrund zunehmender Kapitalintensität, Trend zur Vereinheitlichung von Produkten; abnehmendes Differenzierungspotential, abnehmende Kundentreue bei Markenprodukten, mehr Wettbewerber und Überkapazitäten, Zunahme des Preiswettbewerbs, Konzentrationsprozesse bei Produzenten, Handel u.a., Nachfragekonzentration, z.B. durch Einkaufsorganisationen, Veränderung der Kundenstruktur, Wegfall von Handelsstufen, immer kleiner werdende Marktnischen werden von einer zunehmenden Zahl von Wettbewerbern besetzt.
Vgl. Becker, Jörg: Marketingcontrolling und Intellektuelles Kapital, ISBN 9783837071320.Je weniger Zeit verbleibt, desto geringer der Spielraum für Gegenmaßnahmen, d.h. es ist günstiger den zu erwartenden Wandel offensiv anzugehen anstatt unter Druck externer Störereignisse nur noch reagieren zu können. Der Zweck für den Einsatz von Frühwarntools: Trendwenden nicht erst dann bemerken, wenn diese entstanden sind.
Vgl. Becker, Jörg: Strategie-Check und Wissensbilanz, ISBN 9783837073058Beispielsweise die Zinsstruktur als Frühindikator der Wirtschaftsentwicklung:vor einem Wirtschaftsaufschwung ist die Zinsstruktur meist steil. Vor einem Abschwung ist sie typischerweise flach oder invers. Der Verlauf der Zinsstrukturkurve hängt eng mit den Erwartungen über den künftigen geldpolitischen Kurs der Zentralbank zusammen: wenn der Aufschwung an Fahrt gewonnen hat und ein Anstieg der Inflationsrate droht, betreiben Zentralbanken typischerweise eine restriktive Geldpolitik. In Abschwungphasen dagegen lockern sie die Geldpolitik. Eine normale bzw. steile Zinsstrukturkurve deutet somit an, dass die Marktteilnehmer eine Expansionsphase und damit verbundene restriktive Geldpolitik der Zentralbank antizipieren. Umgekehrt zeigt eine flache oder inverse Zinsstrukturkurve, dass eine Lockerung der geldpolitischen Zügel durch die Zentralbank wegen geringer oder negativer Wachstumsraten in der Zukunft erwartet wird. Zu Prognosezwecken wird die Steigerung der Zinsstrukturkurve üblicherweise durch die Differenz zwischen der Umlaufrendite von Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren und dem 3-Monats-Geldsatz angenähert. Der zeitliche Vorlauf, mit dem diese Zinsdifferenz künftige Expansionen und Kontraktionen der Wirtschaftsentwicklung anzeigt, wird meistens mit durchschnittlich etwa vier Quartalen ermittelt.
Vgl. Becker, Jörg: Management-Cockpit der Wissensbilanz, ISBN 9783837046540.Jörg Becker
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