Im Regelfall werden in Deutschland diejenigen Kinder, die sechs Jahre alt geworden sind, im folgenden Sommer eingeschult. Dieser Schulanfang bedeutet für die gesamte Familie - vor allem, wenn es sich um das erste Grundschulkind handelt - eine große Umstellung. Und wie bei allen großen Ereignissen üblich, wird auch die Einschulung meist gebührend gefeiert. Der wichtigste deutsche Brauch zum Schulanfang ist die Schultüte.
Eine Tüte voller süßer Naschereien
Dabei die Schultüte eine durch und durch deutsche Erfindung - in anderen Ländern ist sie nicht verbreitet. Schon seit dem Beginn des 19. Jahrhundert erfreut sie die deutschen Erstklässler. Während frühere Eltern-Generationen noch die Muße besaßen, die etwa 80 Zentimeter große Tüte eigenhändig zu basteln, wird die Schultüte heute meist käuflich erworben. Das Füllen des Behältnisses übernehmen dann aber die Eltern. Süße Sachen sind der beliebteste Inhalt, weshalb sie auch den Zweitnamen "Zuckertüte" führt. Zuweilen enthält die Tüte aber auch Nützliches für den kommenden Schulalltag.
Festliche Veranstaltungen in Schule, Familie und Kindergarten
Zu den Traditionen zur Einschulung zählen weitere feierliche Zeremonien: zum Beispiel eine Begrüßung nebst Begleitprogramm in der Schulaula, manchmal ein Einschulungsgottesdienst, und fast obligatorisch eine Familienfeier, zu der Verwandte, Paten und enge Freunde eingeladen werden. Diese Feier findet entweder beim Erstklässler zu Hause oder in einer Gaststätte statt.
In Ostdeutschland wird in vielen Kindergärten außerdem ein so genanntes Zuckertütenfest gefeiert. Mit diesem Fest verabschieden sich die Kinder symbolisch vom Kindergarten und sind dann zur Einschulung bereit. Um das Zuckertütenfest rankt sich die Geschichte, dass die Zuckertüten (Schultüten) an Bäumen heranwachsen. Daher dürfen die Kinder die noch kleinen Früchte der Zuckertütenbäume im Kindergarten ernten, bevor sie zur Einschulung die richtigen, großen Tüten bekommen.
Von großer Bedeutung ist es auch für die meisten Familien, das wichtige Ereignis dokumentarisch festzuhalten. Zu diesen Dokumenten zählt das erste Klassenfoto, manchmal ein ganzer Bildband und eine Videoaufnahme, die die Einschulung für die "Ewigkeit" archiviert.
Jürgen Reschke