Trachten DIRNDL
Das
Dirndl als solches entstand um ca. 1870 in der Region Bayern und Österreich und war ursprünglich ein Arbeitskleid für die Mägde. Zu diesem Zeitpunkt bestand es lediglich aus einem Rock, einem Schnürmieder, einer weißen, tief dekolletierten Bluse sowie einer Schürze. Ende der 1920er wurde das Dirndl als Tracht und kam durch die Revue „Im weißen Rössl“ von Eric Charell berühmt und auch in der Oberschicht beliebt. So entstanden abgewandelte
Dirndl, die mit der ursprünglichen Tracht nichts mehr gemein hatten, um Wanderungen durch die Alpen möglichst folkloristisch zu gestalten.
Heutzutage wird das
Dirndl auf Jahrmärkten, Volksfesten oder Kirmes in Süddeutschland und in der Alpengegend getragen, wie auch auf dem berühmten Münchner Oktoberfest. Dort und gerade in der Umgebung zur bayrischen Hauptstadt ist das Dirndl nahezu zur Pflichtbekleidung auf Volksfesten und dem Oktoberfest avanciert.
Heute gehören zu einem Dirndl das traditionelle Schnürmieder oder ein Schoßleibchen mit verschiedenen generell mittig angebrachten Verschlussmöglichkeiten (Schnürung, Haken und Ösen, verschiedenartige Knopfarten, Schnürung oder schlichtweg Reißverschluss). Es gibt jedoch auch Dirndl bei denen der Verschluss an der Seite oder sogar hinten angebracht ist, was jedoch nicht der Tradition entspricht. Dazu werden eine (meist) weiße Puffärmelbluse oder mit schmalen lang- bzw. kurzen Ärmeln sowie ein weiter, an der Taille angesetzter Rock mit einer in einer kontrastfarbenen Schürze getragen. Darüber hinaus findet man gelegentlich noch ein Schultertuch oder ein kurzes Halstuch.
Üblicherweise verbirgt sich direkt unter der Schürze, gelegentlich auch an der Seite, eine kleine Tasche, die in den Rock des Dirndls eingearbeitet ist. Der einzige und traditionelle Schmuck bei der Dirndltracht ist ein Kropfband (auch Würgerband oder neudeutsch „Choker“), an dem üblicherweise ein Schmuckstück oder Anhänger befestigt ist.
Ganz nach dem Anlass zu dem es getragen wird, kann das Dirndl aus verschiedensten Stoffen und Farben gefertigt sein. Meist wird es mit vielen Rüschen und Stickereien geschmückt und ist mittlerweile auch in verschiedenen Materialien, wie Baumwollstoff, Leinen, Seide oder auch Flanell erhältlich.
Es wird zwischen dem klassischen
Trachtendirndl (einteilig mit Schürze und traditionellen Mustern) und einem Landhauskleid (grauer oder farbiger Leinen, mit Ledermieder oder -besatz) unterschieden.
Traditionell weist das „echte“ Dirndl ganz besondere Merkmale auf an denen man es zum einen der Region aus der das Kleidungsstück stammt, aber zum Teil auch den sozialen Status der Trägerin, ausmachen kann. So soll die Schleife, mit der die Schürze umgebunden ist, über das Dirndl aussagen, ob sie „gebunden“ ist, oder nicht: findet man die Schleife auf der linken Seite, so ist das junge Mädchen noch zu haben; ist die Schleife auf die rechte Seite gebunden, so ist das Dirndl vergeben (d.h. sie hat jemanden, der ihr den Hof macht, ist verlobt oder verheiratet). Eine auf dem Rücken gebundene Schleife bedeutet, dass die Frau verwitwet ist.
Horst Winkler