Big Ben - London Sehenswürdigkeiten
Totenstille auf dem Highgate Cemetery
Wer die schaurige Schönheit der London Sehenswürdigkeiten sucht, findet sie auf dem Highgate East Cemetery und der Highgate West Cemetery. Hier ruhen die Gebeine von den Großen der Geschichte. Auf dem Friedhof liegen die Gräber von Schriftstellern wie George Elliot und Douglas Adams und auch das des Naturwissenschaftlers Michael Faraday und das des Mannes, der höchstwahrscheinlich als Vorlage für den bösen Dr. Moriarty, dem ausgewiesenen Erzfeind von Sherlock Holmes, diente.
Das berühmteste Grabmal auf dem Highgate findet sich wohl an der Ruhestätte von Karl Marx. Oben auf einem Monument steht eine riesige Büste seines Kopfes mit dem für ihn so typischen wallenden Bart. Das Grab zu verfehlen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Lustigerweise sind es immer linientreue Marxisten, die ein halbes Vermögen hinblättern wollen, um unbedingt die letzte Ruhestätte neben dem Mann zu finden, der den Niedergang des kapitalistischen Wirtschaftssystems prophezeite. Das Grab von Marx befindet sich auf dem East Cemetery. Innerhalb der Öffnungszeiten kann man ihm jederzeit einen Besuch abstatten. Im Gegensatz dazu ist ein Besuch auf dem West Cemetery nicht ohne Weiteres möglich. Der einzige Weg dorthin führt über eine geführte Tour.
Gruseliges vom Operationstisch: The Old Operating Theatre
Die Medizin in früheren Tagen gereichte nicht wenigen zum Verhängnis. Nirgendwo wird das deutlicher als im Old Operating Theatre. Das Museum dreht sich ganz um die Chirurgie des 18. und 19. Jahrhunderts. Die seltenen Ausstellungsstücke könnte man leicht mit einer detailreichen Sammlung von Folterinstrumenten verwechseln. Von den dort ausgestellten Ungetümen aus Eisen bröckelt noch der Rost. Fast schon könnte man meinen, ursprünglich wurden sie für die Folterknechte am Hof des Königs und nicht für die Hand eines Chirurgen entworfen. Abgerundet wird die imposante Sammlung durch viele blumige Geschichten über betäubungslose Eingriffe und allerlei unappetitliche Krankheiten, die man den Besuchern des Museums gern ganz wortreich und in voller Länge nahebringt.
Seltsamerweise befindet sich das Old Operating Theatre mit seiner fein sortierten Sammlung von Teufelswerkzeugen unter dem Dach einer alten Kirche. Direkt daneben ist das Herb Garret, eine Sammlung von Kräutern, Zaubertränken und Elixieren aus aller Welt, von deren Genuss man sich seit alters her allerlei heilsame Wirkungen erhoffte.
Fächer, die die Welt bedeuten im Fan Museum
Geht man nach der kulturellen Bedeutung und Tragweite des Interieurs ist das Fan Museum der wohl wichtigste Ort gleich nach dem Buckingham Palace. Das Museum beherbergt eine Sammlung von Fächern aus allen Jahrhunderten. Nicht selten ergehen sich Kenner der Szene hier in hochtrabenden Ausführungen über die kulturelle Signifikanz dieses unverzichtbaren Modeutensils. Wirklich überraschend ist das nicht, denn das Museum nahm seinen Ausgang in einer Zeit, in der „die korrekte Führung eines Fächers noch elementarer Bestandteil des guten Benehmens einer jeden jungen Dame war."
Hunderte, extrem kostspielige Exemplare gibt es da zu begutachten. Jeder Einzelschritt bei der Fertigung der Fächer wird detailreich dokumentiert. Dabei drängt sich einem der Gedanke auf, dass die Besitzer scheinbar etwas aufgebracht darüber sind, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Fertigung von Fächern aus Elfenbein und Schildpatt noch zum guten Ton gehörte. Völlig aus heiterem Himmel kommt man dann auch an einer Vitrine vorbei, in der ein Shirt des britischen Frauenschwarms Colin Firth aus der Version von Pride and Prejudice aus dem Jahr 1995 zu sehen ist.
Klassen-Clash im Ham Polo Club
Polo ist zwar ein Sport der Oberklasse, aber der Ham Polo Club ist der Ort, an dem sich die feine Gesellschaft und das gemeine Volk genau aus diesem Grund zusammenfinden. So ganz dicht beieinander hockt man dann aber lieber doch nicht. Im Pavillon für die Mitglieder sitzen die Damen mit den breitkrempigen Hüten und neben ihnen die Pferdekenner in standesgemäßer Montur. Gegenüber auf der Wiese sieht man die Normalsterblichen mit Picknickkörben und Decken auf der Wiese sitzen. Was da genau auf dem Spielfeld so vor sich geht, wissen nur die wenigsten mit letzter Sicherheit.
Als Spiel an sich ist Polo schon eine komplizierte Gemengelage. Ohne das richtige Fingerspitzengefühl kommt man schnell ins Hintertreffen. Zwei Teams reiten über das Spielfeld und versuchen dabei mit ihrem Holzschläger einen Ball im gegnerischen Tor zu versenken. Polo ist auch ein Spiel mit einer verwirrenden Vielzahl von Handicaps. Jeder Spieler erhält eine Bewertung. Die Teams aber werden aber aus Spielern mit allen möglichen Bewertungen gebildet. So kann es vorkommen, dass ein Weltklassespieler zusammen mit einem Teenager spielt, der rein zufällig der Sohn eines arabischen Prinzen ist, welcher seinerseits die ganze Veranstaltung als Sponsor mit einer großzügig bemessenen Zuwendung bedacht hat.
Allein zur Halbzeit begeben sich die Großen und Schönen in den Dunstkreis des gemeinen Volks. Dann ist jeder herzlich eingeladen, den Rasen auf dem Spielfeld plattzutreten. An all diesen abgefahrenen Orten können Sie in der Gesellschaft von allerlei britischen Schrecklichkeiten einen echt schrägen Nachmittag verbringen.