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TK-Experte Gerpott: LTE wird nicht über Nacht zu neuen Datendiensten führen

Autor: KLARTEXT | Erstellt am: 11.06.2010 | Gelesen: 548
Kategorie: Mobilfunk & Telekommunikation | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Stagnierende Umsätze trotz wachsender Datenströme machen den Mobilfunkanbietern zu schaffen

Düsseldorf,11. Juni 2010 – Was bringt die vierte Mobilfunkgeneration LTE (Long Term Evolution), welches sind die Perspektiven für die Daten und Internetdienste im deutschen Mobilfunkmarkt? Und: Wie lässt sich gewinnbringend mit bestehenden Netzen bis zum flächendeckenden LTE-Roll-Out arbeiten? Das waren die Kernfragen einer Vortragsveranstaltung des Personaldienstleisters Harvey Nash und dessen Nürnberger Tochtergesellschaft Nash Technologies in Düsseldorf.

Professor Torsten J. Gerpott, Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmens- und Technologieplanung mit dem Schwerpunkt Telekommunikationswirtschaft an der Mercator School of Management Duisburg, rechnet nicht mit einer zeitnahen LTE-Migration: „Hohe praktische Marktrelevanz wird LTE in Deutschland nicht vor 2015 erlangen, mit einer vollständigen UMTS-Ablösung ist nicht vor 2020 zu rechnen," so seine Analyse. Zudem sieht er die von vielen erwarteten neue Applikationen, die eine einträgliche Vermarktung der hohen Netzgeschwindigkeiten versprechen, nicht: „Bei LTE stehen weniger Spitzenbandbreiten von bis zu 100 Mbit pro Sekunde im Downlink für wenige Kunden im Fokus, sondern flächendeckende mobile Internet-Zugänge mit Downstream-Raten von 3 bis 6 Mbit pro Sekunde und kurzen Latenzzeiten für viele Kunden im Vordergrund."

Zwar steigen die Datenvolumen im mobilen Internet kontinuierlich an, die Umsätze der Provider mit mobilen Diensten allerdings folgen diesem Anstieg nur gebremst. Stieg das Datenvolumen beispielsweise von 11,49 Millionen Gigabyte 2008 auf 33,5 Millionen Gigabyte im Jahr 2009, was einem Wachstum von 192 Prozent entspricht, kletterten die Umsätze im Non-Voice-Bereich nur um 51 Prozent von 5,1 auf 5,5 Milliarden Euro. Der mit mobilen Applikationen erzielte Umsatz gehe bislang weitgehend an den etablierten Netzbetreibern vorbei. In diesem neuen Geschäft sind noch erhebliche Verteilungskämpfe zu erwarten. Wahrscheinlich sei daher, dass auch „LTE nicht über Nacht zu neuen Diensten und Anwendungen führen wird, sondern zur Evolution und breiteren mobilen Nutzung bereits heute bekannter Internetapplikationen", so Gerpotts Prognose.

Die Herausforderung für ihn ist klar: Die Anbieter müssten die derzeitige Entkopplung von Datenvolumen und Umsätzen überwinden. Denn: „Die Mobilfunknetzbetreiber werden Investitionen in HSPA+ und LTE aus bestenfalls stagnierenden Umsätzen finanzieren müssen. Damit besteht die Notwendigkeit, die Kosten pro Verkehrseinheit drastisch zu senken." Ein weiteres Anwachsen mobiler Daten- und Internetdienste sieht er vor allem im Bereich von individualisierten Videoangeboten, die allerdings vorwiegend von weniger zahlungskräftigen und mithin jüngeren Nutzergruppen nachgefragt würden. Auch deshalb erwartet Gerpott mit dem LTE-Roll-Out allenfalls eine Stabilisierung der Umsätze im deutschen Mobilfunkgeschäft.

Vor dem Hintergrund der von Gerpott geschilderten Zeitschiene und dem wachsenden Datenverkehr, der der Infrastruktur einiges abverlange, setzt Markus Ermer, Director R&D bei Nash Technologies, auf ein ausgefeiltes Network-Monitoring: „Jeder Netzwerkbetreiber weiß, dass die Netzwerke ständige Überwachung in Sachen Performance benötigen." Für ihn ist es unabdingbar, in die bestehenden Netze auf UMTS-Basis zu investieren, um die Kapazitäten und Funktionalitäten, Reaktionszeiten und den Datendurchsatz zu verbessern. „Damit schaffen wir erst die Grundlagen für die Entwicklung von innovativen Applikationen, die LTE dann zum Erfolg machen können", so Ermer in Düsseldorf. Für ihn steht außer Frage, dass mehrere Technologien – UMTS, GSM, LTE – über einen gewissen Zeitraum nebeneinander existieren werden. Umso wichtiger sei es, die Durchlässigkeit und das Nebeneinander zu garantieren. Zur Entlastung von vorhandenen Mobilfunknetzen präsentierte Ermer unter anderem eine Femtozelle. Deren Idee ist es, „dass eine räumlich eng begrenzte Funkzelle ein Handy per UMTS über Standard IP mit dem Festnetz verbindet." So könnten normale Mobilfunkendgeräte eine vorhandene Internetverbindung, zum Beispiel über eine DSL-Leitung, nutzen. Die zugehörige Software unterstütze bis zu 32 gleichzeitige Verbindungen und aktuelle Breitbandtechnologien, was ihren Einsatz im Businesssegment besonders attraktiv mache.

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