Viele Menschen blicken auf gescheiterte Beziehungen zurück, aber einige wenige scheinen die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben und sind auf ewig glücklich miteinander. Nichts scheint diesen Paaren etwas anhaben zu können. Aber was ist das Geheimnis dieser glücklichen Ehen? Wie machen sie das bloß, dass sie nach vielen Jahren immer noch so verliebt sind wie am ersten Tag?
Die Kunst einer glücklichen Ehe liegt in der Balance zwischen Nähe und Distanz. Und das hat – nicht so wie in unseren romantischen Vorstellungen – mit Willen und Vernunft zu tun.
Denn eigentlich ist die Ehe ein unlösbares Rätsel: Erotische Anziehung basiert auf dem Unbekannten, auf Raum für Phantasie und dem Anreiz, den anderen erobern zu müssen. Viele von uns glauben aber, dass eine gute Ehe auf völliger Vertrautheit aufgebaut sein muss. Nur – wo ist da Platz für erotische Spannung? Wer nicht eines Tages vor dem Scheidungsanwalt landen möchte, sollte seine Ehe wie einen Tanz begreifen, wie einen leidenschaftlichen Tango. Beide sind ein Paar, das sich im Rhythmus bewegt, aber jeder hat seinen Tanzbereich.
Nur so kann es dauerhaft knistern. Zu heiraten bedeutet nicht, seine eigene Persönlichkeit auf dem Standesamt abzugeben, sondern sein eigenes Leben mit dem eines anderen Menschen zu verknüpfen, als würde man gemeinsam an einem Teppich weben. Daher ist es wichtig, immer auch etwas für sich zu tun, Freundschaften zu pflegen, den Hobbys nachzugehen, die man vor der Ehe auch betrieben hat, und auf sich zu achten, um sich immer wohl und attraktiv zu fühlen. So bleibt man für den Partner anziehend, geheimnisvoll und interessant, und die gemeinsame Zeit verkommt nicht zum langweiligen Käfig, sondern wird zum aufregenden Abenteuer mit dem Menschen, dem man am allerliebsten erzählen möchte, was man ohne ihn gemacht hat. Denn nur, wenn Distanz immer wieder überwunden werden muss, entsteht wirklich intensive Nähe.
Stefan Webers