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Thomas Friedrich: Weltgestaltung als Designbekenntnis

Autor: Beinert | Erstellt am: 27.04.2010 | Gelesen: 1035
Kategorie: Kunst - Kultur & Religion | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Was säkulare Designer und Architekten mit Katholiken, Protestanten und Professoren zu tun haben

Prof. Thomas Friedrich: Warum wirkt Berlin und Brandenburg auf Südländer oft so trist und uncharmant
Prof. Thomas Friedrich: Warum wirkt Berlin und Brandenburg auf Südländer oft so trist und uncharmant
Berlin, 27. April 2010. Der Philosoph Prof. Dr. Thomas Friedrich spricht am Donnerstag, 17. Juni 2010 um 20:00 Uhr im Atelier Wolfgang Beinert in Berlin darüber, "Was säkulare Designer und Architekten mit Katholiken, Protestanten und Professoren zu tun haben". Friedrich ist Professor für Philosophie und Designtheorie an der Fakultät Gestaltung der Hochschule Mannheim. Dort leitet er auch das Institut für Designwissenschaft.

FRAGEN AN DEN PHILOSOPHEN
Wie prägen christliche Konfessionen Produktdesign, Kommunikationsdesign und Architektur? Wie bewerten Protestanten und Katholiken Arbeit? Welche Konsequenzen hat das auf ein Design? Ist Graphic Design im Sinne der New Yorker Schule sinnlich, die Ulmer Schule hingegen streng, kühl und protestantisch? Ist Otl Aicher etwa ein calvinistischer Designguru? Und was ist mit Alessi-Design, das mit Gesichtern, Ornamenten, Witz und Ironie arbeitet? Ist Philippe Starck gar erzkatholisch?

FRIEDRICHS THESEN
Es macht Sinn, ganz allgemein sowohl in der Produktionsästhetik, als auch in der Rezeptionsästhetik von tendenziell katholischem oder evangelischem Design zu reden, also nicht nur im Zusammenhang mit kirchlichem Design, wo diese Unterscheidung selbstverständlich ist, sondern auch im säkularen Bereich der Gestaltung. Es macht auch Sinn, diese Dichotomie auf unterschiedliche Designtheorien anzuwenden. Um dies aufzuzeigen zu können, wird Thomas Friedrich eine Art begriffliches Polaritätenprofil – was ist katholisch und was ist protestantisch – entwickeln.

Dies könnte beispielsweise so aussehen: Protestanten fassen Arbeit als Gottesgeschenk auf, sie heroisieren in hektischer Betriebsamkeit die Arbeit. Und nicht nur das: Arbeit muss ihnen weh tun. Libidinös besetzte Arbeit zählt für sie nicht als Arbeit, denn mit einer solchen kommen sie natürlich nicht in den Himmel. Sie fragen sich: Ich bin bei meiner Arbeit glücklich, was mach ich nur falsch? Und im Übrigen: Müßiggang ist aller Laster Anfang und wer schläft, der sündigt!

Die Katholiken dagegen fassen Arbeit grundsätzlich als Gottesstrafe auf. "Mei Ruah will i ham" (Meine Ruhe will ich haben), sagt der katholische Bayer. Er neigt dadurch eher zur Betriebsstörung als zur Betriebsamkeit. Für ihn darf Arbeit auch Freude und Lust bereiten, sie darf auch libidinös besetzt sein. Sie fragen sich: Ich bin bei meiner Arbeit glücklich, gut so! Am schönsten ist es nichts zu tun und dann vom Nichtstun auszuruhen (Zitat des wunderbaren Klaus Havenstein) – und im Übrigen: wer schläft, der sündigt nicht!

Daraus entwickelt sich zwangsläufig eine weitere These: Sowohl Designproduktion (Encodierung) als auch Designrezeption (Decodierung) kann mono- oder plurifunktionalistisch bzw. protestantisch oder katholisch sein. Denn von einem Benutzer gebraucht zu werden ist gleichsam der Zweck des Designs. Das gilt für Kommunikationsdesign wie für Produktdesign und Architektur gleichermaßen. Der Designer kann nun seine Objekte im Hinblick auf eine oder auf mehrere Nutzungen anlegen oder encodieren, um es mit einem semiotischen Begriff zu bezeichnen. Dieser Unterschied entspricht dem zwischen monofunktionalistischem und plurifunktionalistischem Design. Monofunktionalistische Designproduktion und -rezeption ist für Thomas Friedrich eher protestantisch, die plurifunktionalistische Designproduktion und -rezeption hingegen katholisch.

Eine auf diese Designkriterien hin verlängerte konfessionelle Polaritätenliste könnte nun – hier verkürzt – folgendermaßen formuliert werden: Für Protestanten (Monofunktionalismus) sind Bilder unerwünscht, Ornamente und Zierrat als Überfluss verpönt. Und es gilt das Credo »Weniger ist mehr« – und zum Teufel mit der Sinnlichkeit, der kühle, rationale Geist ist wichtiger.

Für Katholiken (Plurifunktionalismus) hingegen sind Bilder durchaus erwünscht, Ornamente und Zierrat sind natürlich kein Problem – solange die Semantik stimmt. Es gilt das Credo: Und mehr ist mehr – und um Gottes Willen, ja zur fülligen Sinnlichkeit! Und lasst uns am Besten gleich dabei alle Sinne ansprechen ...

Anmeldung und weitere Informationen unter www.beinert.net/kommuniques/63-friedrich/designbekenntnis.html
 
 
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