Einladung zur Finissage am 20.03 um 20 Uhr
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, die sich auch entlang des Begleitprogramms mit den unterschiedlichsten Fragestellungen in Schmidts beziehungsreichem und verzweigtem Werk, den Impulsen, die von ihm bis heute – oder überhaupt erst jetzt – ausgehen, beschäftigt. Schmidts Verhältnis zur bildenden Kunst wird darin von Bernd Rauschenbach ebenso beschrieben, wie Eugen Blume, Leiter des Hamburger Bahnhof, eine ideenreiche und anregende Skizze zu Arno Schmidt und FLUXUS verfasste, der Filmhistoriker Günter Agde die Intention des kontrastreichen und sorgfältig gebauten Filmprogramms erläutert und der Leser Informationen zu Anliegen und Entstehung der Ausstellung erhält. Nicht zuletzt kommt der Schriftsteller selbst hier mit seinen eigenen Texten (und auch Zeichnungen!) zu Wort und Bild.
Am 16. März 1982 erhob sich Tohm di Roes von der Continental-Schreibmaschine. Er hatte die schwarze Manchester-Hose und ein frisches Nikki angezogen. Nun goß er Club Cola zum Falkner-Whisky und steckte sich statt des gewöhnlichen »Sprachlos"- Zigarillo eine »Jagdkammer« an, denn das Portrait des Künstlers als autobiografische Weltgeschichte rückwärts, war abgeschlossen. Er legte die 20 Seiten übereinander und heftete sie mit einem Klammeraffen spiegelverkehrt aneinander. Beim Öffnen ergab sich so ein gefaltetes Leporello, die Endlosschlaufe der Schicksals-Geworfenheit zu illustrieren die da lautet: AufGrund eines Mehrheitsbeschlusses der Erdbevölkerung wurde entschieden diesen laneten vollständig zu vernichten die Aktion hat längst begonnen und wirdsystematisch zu Ende geführt. Tohm di Roes senkte die Nadel seines Schallplattenspielers über J. S. Bachs Orgelwerk »Toccata und Fuge«. Die 1-Zimmer-Wohung in der Schreinerstraße in Berlin-Friedrichshain erfüllte sich mit Dröhnen. Doch als nach den schweren Bässen die piepsigen Pfeifen einsetzten, wurde J. S.B. langweilig und er wechselte zu »Cabaret Voltair« mit »Nag Nag Nag«. Die Apokalypse, so der Grundtenor eben beendeter Geschichte, verlangte ihr Recht. Also Lärm. Lärm der Überlagerung des Vielen. Gleichzeitigkeit des Verschiedenen. Diese Idee des Textes bei einer »Lesung« zu transportieren, verlangte nach doppeltem Bombardement: Luftangriff und schweres Geschütz. Die Trinität des Spaltentextes sowohl längs als auch quer zu lesen und die Episoden abzuteilen mit Bach-Fugen und Industrial-Sounds. Noch am gleichen Tag griff derowegen der Dichter zum Mikrofon und dem 4-Spur Spulentonbandgerät und rührte den Treibstoff zusammen. So entstand das Grundgerüst für jegliche Art weiterer Überlagerungen durch Tanz, Gesang, Bühnenbild mit lebendigen Tiere, toten Zeichen und dröhnenden Maschinen. Thomas Roesler— alias Reiner Wernher vom Nagel zu Haufe, alias Thom di Roes, geb. um 1960, ist Autor zahlreicher literarischer Werke, taucht immer wieder auf in den Retrospektiven der DDR-Kunstszene als Musiker, Dichter, Darsteller, Filmdreher, Hörspielmacher. Begründer der »Poesie der Durchschlagkraft«. Ansonsten: Motorboot-Führerschein, Taxilenkerbefähigung, Bogenschütze, Fallensteller.
Begleittext zur Ausstellung: "Und was heißt schon New York? Großstadt ist Großstadt; ich war oft genug in Hannover;" eine Ausstellung um Arno Schmidt im Spannungsfeld von Provinz und Metropole in der Galerie Parterre vom 19. Januar bis 20. März 2011
Eine Veranstaltung der Galerie Parterre und dem Berliner Kabinett e.V. Sie wurde durch eine Kofinanzierung aus Mitteln des Bezirkskulturfonds und der Arno Schmidt Stiftung Bargfeld ermöglicht.
Finissage: 20.03.2011 um 20 Uhr
Veranstaltungsort
Galerie Parterre
Danziger Straße 101, Haus 103
10405 Berlin
Öffnungszeiten
tägliche Sonderöffnungszeiten: 14 bis 20 Uhr
Rückfragen und Abbildungen
Isrun Beckmann,
Öffentlichkeitsarbeit Galerie Parterre
Telefon +49 30 9 02 95-38 21
Telefax +49 30 9 02 95-38 49
Internet: kunstundkultur-pankow.berlin.de/galerie-parterre
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