Reisernte im Isaan
Der
Nord-Osten von Thailand, auch bekannt als
Isaan, ist den meisten Touristen unbekannt. Dabei begegnen Touristen auf Phuket und anderen Urlauberhochburger oft Menschen aus dem Isaan - denn sie arbeiten häufig im Tourismus - als Bedienung im Restaurant, als Mitarbeiter im Ressort, als Obstverkäufer...
Der Isaan ist die wirtschaftlich ärmste Region Thailands, und deswegen verlassen viele hier ihre Heimat und finden Arbeit in den Städten und Tourismuszentren Thailands. Sie sind bekannt für ihre Freundlichkeit und Gastfreundschaft, und obwohl das durchschnittliche pro Kopf Einkommen hier nur ein Drittel des nationalen Durchschnitts beträgt, sind sie von allen Menschen im Thailand die glücklichsten. Das hat eine von der Regierung in Auftrag gegebene Studie gezeigt.
Der Hauptgrund weshalb es im Isaan wenig Touristen gibt, ist die versteckte Schönheit des Isaan. Wer auf die Touristeninsel Phuket geht, der sieht weiße Sandstrände und türkisblaues Meer und ist gleich verzaubert. Um die schönen Seiten des Isaan kennenzulernen, braucht es ein bisschen mehr Entdeckergeist. Den der erste Eindruck ist oft: staubig, trocken, arm, flach, und vor allem: langweilig.
Wer jedoch durch das wahre
Thailand reisen möchte, fernab des Touristenspektakels, der wird hier eine Kultur finden, die noch im Einklang mit Tradition und Natur lebt.
Die meisten Menschen hier arbeiten in der Landwirtschaft, vor allem als Reisbauern. Frauen verdienen oft zusätzlich dazu, indem sie Thai-Seide weben. Die Region in der Isaan Provinz Khon Kaen ist das Herz der thailändischen Seidenindustrie. Wer hier durch die Dörfer fährt, sieht oft noch alte hölzerne Webstühle, an denen Frauen geduldig Matmii-Seide weben. Matmii ist die Bezeichnung für eine auf ganz bestimmte Art gewebte Seide. Aus einem einzelnen Faden, der auf kunstvolle Weise mit meist drei oder vier Farben von Hand gefärbt ist, wird ein Seidentuch mit einem bunten Muster gewebt. Jede Region hat ihre eigenen Muster, und jedes Muster hat seine eigene Bedeutung. Seit es Kunstseide und maschinell gewebte Thai-Seide gibt, sind die Preise für handgewebte Seide jedoch so weit runtergegangen, dass es sich kaum noch lohnt all die Arbeit und Mühen dareinzustecken. Denn meist werden auf den Touristenmärkten Stoffe aus Kunstseide hergestellt, und nur in den seltensten Fällen handgewebte Seide.
Auch sprechen die Menschen im
Isaan eine andere Sprache. Nicht Thai, sondern
pasaa lao. Diese Sprache hat in vielerlei Hinsicht mehr mit der Sprache des Landes Lao, als mit Thailändisch gemein. Und auch das Essen hier ist anders als das Essen in anderen Teilen Thailands.
Autor: Ramin Assemi