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Syrien und die Gefahr islamistischer Kräfte

Autor: Toma | Erstellt am: 14.05.2011 | Gelesen: 827
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Die Gefahr islamistischer Unterwanderungen der Revolutionen im arabischen Sprachraum wird in dieser Region unterschätzt. In Europa wird die Lage noch fehleingeschätzt.

Infolge der wachsenden Unzufriedenheit in der syrischen Bevölkerung und der Entdeckung der immensen Bedeutung der Menschenrechte und der darauf entstandenen Unruhen, wurde auch der fanatischen Geisteshaltung fruchtbare Nährböden geboten.

In gefährlicher Intensität wächst seit vielen Jahren die Gefahr und die Popularität von extremistischen Bewegungen in Syrien in ihrer fanatisch-religiös und religiös-nationalistischen Denkrichtungen. Diese machen sich insbesondere bemerkbar durch Feindbilder, Aufrufe zum Jihad sowie Angriffe gegen Andersdenkenden und Christen (wie in der Stadt Homs). Die relative innere Stabilität des Landes ist nun in Gefahr! Ich werde im Gesamtkontext, mich in diesem Beitrag nur auf die Gefahr islamistischer Kräfte eingrenzen und die Lage aus diesem Blickwinkel analysieren.

Die Veränderungen sind sicherlich mit Schmerzen und Mühe verbunden! Die Realitäten kommen auf die Oberfläche, die nun auch zeigen, dass diese demonstrierenden Menschen in Syrien in der Mehrheit keine so genannten Verräter,  Kollaborateure oder Terroristen sind. Doch auch, wenn viele Menschen dies als Wahrheit suggerieren wollen, kommt man in Syrien ohne gründliche Veränderungen im System nicht rum.

Das Blutvergiessen nutzen die fanatischen Kräfte aus, um zum Widerstand, Jihad oder zum Volkszorn aufzurufen, mit dem Zweck der Unruhestiftung im Land. Das ist jedoch nicht zwingend ein Indiz dafür, dass diese Kräfte die Straßen beherrschen. Zwar machen sich Islamistische Tendenzen nun im ganzen Land noch stärker bemerkbar, dennoch steht die Masse der demonstrierenden und nicht demonstrierenden syrischen Bevölkerung nicht hinter ihnen, auch wenn sich die Mehrheit einen demokratischen Wandel gerne wünscht.

Diese islamistischen Tendenzen sind einerseits eine Entwicklung der wachsenden Popularität der Geisteshaltung der fanatischen Hisbollah und Hamas mit ihrem Jihadscharakter, die jede legitime und nichtislamistische Staatsmacht negieren, und in Syrien eine Schutzmacht fanden. Andrerseits wird eine  islamistisch-geistige Unterwanderung im Sinne der Muslimbruderschaft (MB) und der Salafisten festgestellt. Wobei hier im tiefen Sinne eine Unterscheidung gibt zwischen der traditionellen und der jihadistischen Salafisten.

Die schleichende Islamisierung Syriens, die durch eine stets wachsende Kultur des Jihadismus und Märtyrertum gekennzeichnet ist, hat schon vor vielen Jahren begonnen und ebnete nun einen gefährlichen Weg zu einem Zustand, der Vielen noch ungewiss erscheint.

Die heutige reale Gefährdung der Sicherheit wird seitens der Regierung den salafitischen Gruppierungen, kriminelle Banden oder solchen mit angeblicher externer Loyalität zugeschrieben. Diese islamistischen Gruppen arbeiteten  zum größten Teil früher mit den o. g. Organisationen zusammen bzw. sind gegebenenfalls als Splittergruppen in der Vergangenheit aus ihnen oder mit ihrer Hilfe entstandenen.

Ich habe ferner festgestellt, dass Saudi-Arabien die traditionell-salfistische Geisteshaltung unterstützt und religiöse Hetzer freien Raum schafft zur Fanatisierung der Bevölkerung in und außerhalb Syriens. Shaikh Salih Alhidan, der ehemalige saudische Höchstrichter, ruft in einer Predigt zur Machtübernahme eines "wahren" muslimischen Präsidenten, der auch die Shari´a emporhebe auf. Dieser kritisiert überraschenderweise die Muslimbruderschaft und erklärte die alawitische Konfession als Apostat, und hetzt gegen sie. Er bezeichnete Syrien als unmoralisch, boshaft und gefährlich.

Die Hetze gegen Andersgläubige wendet sich auch gegen die indigenen Christen. Die Christen werden in manchen Gebieten gezielt bedroht. In der Nähe der Stadt Homs, haben Unbekannt an der Wand des Klosters St. Georges geschrieben: „Nun seid ihr dran oh Schweine" und meinen damit die Christen.

Wenn wir Äußerungen der Muslimbruderschaft analysieren, die die Schari'a als Quelle der Gesetzgebung fordern, oder, dass der syrische Präsident auch bei einem Wechsel weiterhin nur Muslim sein darf, so können wir die Richtung erkennen. Dies insbesondere, wenn wir heute die Arbeit der MB in Ägypten beobachten.

Ich denke dabei an das Buch „Ma'alim fi Al-Tariq „ / "Zeichen auf dem Weg" des  ideologischen Vordenkers der MB Saiyd Qutbs (1906-1966), das die Arbeit der MB prägte. In diesem Buch, das als islamistischer Manifest  bekannt wurde, hetzt er gegen jeglicher Art Herrschaft aus eigner Legitimität, die Allah nicht erlaubte.

Der islamistische Demagoge Yusuf Al-Qardawi sieht die Lage nicht als innersyrische Angelegenheit und lehnte das Kritik des syrischen Ministers für religiöse Angelegenheiten ab und beschimpft den Minister. Qardawi sieht seine Hetze, als eine rechtliche Aufgabe aus dem Qur'an und Shari´a, weil Syrien ein Teil einer islamischen Umma (Nation) sei. Diese Ansicht und die Aufforderung zur Erhaltung des reinen Glaubens können islamistische Fanatiker aus den benachbarten Staaten über die nationale Integrität hindurch dazu motivieren, in Syrien zum Kampf zu ziehen.

In dieser Situation von einer überholten islamistischen Diskurs zu sprechen ist eine Fehleinschätzung. Islamistische Denker widmen sich, der Gründung eines Gottesstaates (Kalifat), der sich als legales politisches System auf der ganzen Erde verbreiten soll. Wenn diese in Syrien nicht so offen darüber sprechen, stellt dies nur eine Verschleierungstaktik dar. Kurios ist es, dass die Muslimbruderschaft demokratische Veränderungen verlangt und über Demokratie spricht. Denn, wenn diese in dieser Überbrückungsphase parallel zu ihren Bemühungen stufenweise und zielgerichtet die Kontrolle über die lokalen Machtzentren durch ihr strategisches Vorgehen übertrieben von Freiheit, Demokratie und Menschenrechte spricht, so spüren und stellen Viele eine Heuchlerei fest. Die Muslimbrüder nutzen demokratische Veränderungen mit allen Mitteln aus, um diese dann später abzuschaffen. Sei es über die Lehre des Höchstgelehrten und andere Lehren, denn sie stehen in einem prinzipiellen Widerspruch zu den Grundlagen demokratischer und rechtstaatlicher Ordnung und lehnen das Parteiensystem ab, durch das sie in die Parlamente kommen wollen.

Die Verfassung, sowie Gedankengut und Bildung werden in Bahnen gelenkt, dass eine islamistische Regierung an die Macht kommen kann. Eine solche Entwicklung hätte eine Änderung der Zustände zur Folge, in denen jedoch heute noch eine Konfrontation mit anderen vermieden werden kann.

Der Mensch wird dann im Rahmen ihrer Da´wa danach beurteilt, wie er den islamischen Vorschriften folgt. In dieser Vision des Staates sollen Nicht-Muslime wie das indigene Volk der assyrischen Christen konfessionsunabhängig zu Schutzbefohlenen degradiert werden. Der Muslim selbst wird nur zu einem Teil eines islamistischen Kollektivs. In dieser Form wird auch die Staatssouveränität in Gefahr sein.

Die Wahrscheinlichkeit ist nicht unerheblich, dass die anderen überwiegend an der Basis schwachen oppositionellen Kräfte, die geschwächten laizistischen politischen Kräfte oder die zivilgesellschaftliche Opposition, bei einer eventuellen Machtübernahme durch diese extremistischen Gruppen überrumpelt werden. Diese Kräfte sind noch nicht in der Lage ein alternatives politisches System zu stellen, um das Land in eine stabilere und demokratische Lage zu führen.

Wahrscheinlich ist, dass sie mit anderen fundamentalistischen Kräften, in Bereichen wo es zu Streitigkeiten kommen kann, im Sinne einer momentanen Einigung, diese beiseite legen, und Seite an Seite loyal zusammenarbeiten würden. Damit ist die Gefahr sehr groß, mittelfristig ein islamistisches System zu erzwingen, das eher in Richtung „Islamischer Republik Syrien" endet.

Ein wichtiger Bestandteil der Lösung, begleitend zu den politischen, sozialen und Wirtschaftsreformen bleibt der offene Dialog zwischen den Menschen, den Volksgruppen sowie den politischen Kräften und anderen zivilgesellschaftlichen Gruppierungen untereinander. Ein offener Dialog zwischen den Demonstranten in den Regionen untereinander und gewiss auch mit den  Regierenden ist eine weitere dringende Notwendigkeit, um einen nationalen und beständigen Frieden.
 
 
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