In einigen Monaten wird es soweit sein. Abertausende fußballbegeisterte Fans werden zu den Austragungsorten wie Johannisburg, Durban und Kapstadt reisen, um sich gemeinsam mit Ihrem Nationalteam dem gesteckten Ziel "Weltmeister 2010" anzunähern und die Spiele mit großem Interesse verfolgen.
Südafrika beitet in diesen noch verbleibenden Monaten bis zum Anpfiff alle möglichen Kräfte auf, um sich der Welt als guter Gastgeber und Spieleausrichter zu präsentieren. Spricht man in diesen Tagen mit Südafrikanern scheint die Meinung über die Folgen des möglichen wirtschaftlichen Einflusses zweigeteilt.
Es wird sicherlich Gewinner geben, die von der Weltmeisterschaft profitieren, aber es sich sich auch die Frage "hätten diese Investionen, die getätigt wurden in Form von Straßen- und Stadienbau und weitere im Zusammenhang stehende" nicht auch anderen Zwecken den Afrikaans zu Gute kommen können?
Aids, hohe Arbeitslosigkeit (47 %), Tausende von Flüchtlingen, das sind nur einige Schlagworte, die genannt werden. Die Townships um Kapstadt werden immer größer. Eines der größten umfasst aktuell - wenn man den Zahlen glauben darf - 2,0 Mio. Einwohner (zum Vergleich Köln hat ca. 1,2 Mio.). Umsiedlungen werden vorgenommen, kleine Häuser gebaut für die Township-Bewohner, damit alte Hütten und Weltblechverschläge dem Erdboden gleich gemacht werden können. Jedoch ist nach ersten Augenschein zu beobachten, dass der Flüchtlingsstrom nach Südafrika nicht enden will und neue Townships entstehen. Vielleicht wird durch die Umsiedlung und das Zurverfügungstellen eines Hauses die Nachricht ausgesendet "komm nach Südafrika und Du bekommst ein festes Dach über dem Kopf ?" Ein besseres Leben als in der Heimat. Dies stellt sich einem Flüchtling aus z.b. Malawi sicherlich dar. Das dieses Vorgehen möglicherweise im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft 2010 steht, scheint nicht transparent zu sein.
Ein positiver Effekt ist, dass die Anzahl der Sicherheitskontrollen /-kräfte ist gestiegen ist. Durch Kameraüberwachungen und Erhöhung des Personales konnte die Aufklärung von Kriminaldelikten drastisch reduziert werden. Die Aufklärungsquote und -zeit konnte wesentlich erhöht werden. Es ist sicherer geworden in einigen Teilen der Städten.
Anzumerken ist jedoch, dass viele Hotels und Gasthäuser im Jahr 2010 in den Monaten der Spiele auf ihren Homepages keine festen Tagessätze für Anmietung mehr vorgehen. Preise nur noch auf Anfrage. Diejenigen, die Preise publizieren, liegen bereits heute im Vergleich zu 2009 ab 50 Rand (5,00 Euro) und mehr pro Tag über dem üblichen Satz). Hier wird es sicherlich während der Weltmeisterschaften zu Profiten für die Gastronomie geben. Es stellt sich jedoch die Frage, ob dies sich auch nach den Spielen fortführt. Vielleicht wird der eine oder andere Reisende tatsächlich aufgrund der Schönheit der Natur / Landschaft feststellen, dass ihn das Afrika-Fieber gepackt hat und er nochmals wiederkommen möchte, aber ist er dann auch bereit die höheren Preise zu zahlen?
Feststeht, dass Südafrika für einen Südafrikaner mit einen durchschnittlichen Einkommen von 1200 Rand (120 Euro) heute schon teuer geworden ist. Er kommt gerade so über die Runden. Eine Kluft zwischen Arm und Reich ist heute schon feststellbar.
BMW, Mercedes vor sechs Jahren noch fast undenkbar sind nun in einigen Bereichen des Landes durchaus täglich zu sehen. Auch Aston Martin oder ein Ferrari und Cabrios sind keine Seltenheit. Eine Folge des schon vorhandenen Aufschwungs?
Es bleibt abzuwarten, wie sich Südafrika weiter entwickelt wird, ob auch noch für Südafrikaner bezahlbar oder nur noch für eine kleine Auswahl.
Ute Eichler