Bildung kann so schön sein...
Welcher Student hätte beim nächtlichen Verzehr einer Tiefkühl-Pizza aus der Mikrowelle nicht schon mal darüber sinniert, wie anders sein Leben doch wäre, wenn er zum Studieren in Italien leben könnte. Die Tage könnten so viel schöner sein mit gut aussehenden Italienerinnen, die in den Vorlesungen neben einem sitzen und nur darauf warten, einem einsamen Austauschstudenten später die Schönheiten der Stadt zu zeigen. Bei guter Führung wäre vielleicht sogar eine Einladung zum Essen bei der „Mama" möglich, die einen mit frischer Pasta verwöhnt und aufgrund des genussvollen Stöhnens beim Verzehr des dritten Tellers in ihr grosses italienisches Mutterherz aufnimmt und aus Mitgefühl für den „povere Giovanotti" - was soviel wie armer Junge heisst - für den nächsten Tag erneut einlädt. Statt sich wie üblich zwischen den Vorlesungen bei Sonnenschein zu Hunderten auf die spärlichen Grünanlagen der heimischen Lehranstalt zu verteilen und gelangweilt in die Gegend zu schauen, könnte man in Italien an den Strand gehen, im Meer baden oder einen Ausflug in die nächste Pizzeria um die Ecke machen und einmal wirklich leckere und vor allem knusprige Pizza aus den Händen eines glutäugigen italienischen Pizzabäckers essen. Das wäre ein Leben, wie man es sich als Student nicht besser wünschen könnte. Warum also nicht schnell einen Koffer packen und auf ins gelobte Land – so schwierig kann das doch nicht sein, oder?
Nun, studieren in Italien ist leichter gesagt als getan, denn um an einer italienischen Universität in Rom, Bologna oder
Mailand – um nur die bekanntesten Hochschulen zu nennen - als Austauschstudent zugelassen zu werden, müssen einige Hürden überwunden werden. Jeder Student muss eine Aufnahmeprüfung absolvieren und gute Sprachkenntnisse in der Landessprache nachweisen. Die Zulassung zu vielen Fächer ist durch einen hohen Numerus Clausus begrenzt und wird nur an die jeweils besten Absolventen der Aufnahmeprüfung vergeben. Ausserdem sind die Studiengebühren an den meisten namhaften italienischen Hochschulen mit Beträgen von mindestens 750 € bis zu mehreren Tausend Euro pro Jahr oft wesentlich höher als in Deutschland. Dazu addieren sich noch die fälligen Einschreibegebühren von 170 €, die an jeder Universität entrichtet werden müssen. Wenn man also nicht gerade mit einem goldenen Löffelchen im Mund geboren wurde oder bereits in seinem Heimatland BAföG erhält und sich dieses Geld seit 2010 auch bei einem Auslandsstudium innerhalb der EU an den neuen Wohnsitz überweisen lassen kann, muss man sich als Student schon etwas einfallen lassen, um zumindest ein Semester in diesem wunderbaren Land zu verbringen.
Zum Glück gibt es für solche Fälle Stipendien oder Förderprogramme wie Erasmus, die den Austauschstudenten bei der Finanzierung ihrer Auslandsstudien unterstützend zur Seite stehen und z. B. die Studiengebühren übernehmen, sich an den Unterhaltskosten beteiligen und bei der Unterbringung in einem Studentenwohnheim vor Ort behilflich sind. Die erforderlichen Informationen über italienische Partneruniversitäten und die Teilnahme am Erasmus - Programm erhält man an der eigenen Universität, wo erfahrene Berater sich bestens mit der Organisation eines Auslandssemesters auskennen. Mit „vereinten Kräften" sollte es eigentlich jedem interessierten Studenten unabhängig von seinem finanziellen Status möglich sein, dieses kulturgeschichtlich bedeutsame Land besser kennenzulernen und während seines Aufenthaltes das eine oder andere „freundschaftliche" Band zur italienischen Bevölkerung zu knüpfen. Man darf nur eines dabei nicht vergessen – man ist Gast in einem fremden Land und sollte die typisch italienische Mentalität respektieren. Dann klappt es sicherlich auch mit der „Mama".
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