Zeitgeist & Glamour. Die Jahrzehnte des Jetset" mit Diane Arbus, Eve Arnold, Richard Avedon, David Bailey, Harry Benson, Guy Bourdin, Bob Colacello, Raymond Depardon, Terence Donovan, Elliott Erwitt, Nat Finkelstein, Ron Galella, Ormond Gigli, Dennis Hopper, Frank Horvat, William Klein, Robert Mapplethorpe, Christopher Makos, Billy Name, Terry O'neill, Edward Quinn, Bob Richardson, Steve Schapiro, Melvin Sokolsky, Jeanloup Sieff, Francesco Scavullo, Jerry Schatzberg, Christian Skrein, Lord Snowdon, Bert Stern, Bob Willoughby, Andy Warhol, Garry Winogrand u.a. – NRW-Forum, Düsseldorf. Vom 5. Februar bis 15. Mai 2011
Ein wenig glich sie schon einer Galaveranstaltung, wenn auch ohne Weltstars - die Eröffnung von „Zeitgeist & Glamour". Lediglich Jade Jagger, einzige Tochter von Mick und Bianca, schaute kurz vorbei, um sich vor der Pressewand mit dem markanten Sponsorenlogo ablichten zu lassen. Dafür hatten sich aber zahlreiche Besucher in Schale geworfen, um sich im Eingangsbereich dem gefakten Blitzlichtgewitter zu stellen. Lediglich Pappaufsteller mit Stroboskopen simulierten diese Paparazzi-Situation. Für eine Kunstausstellung ist solches Bohei eher ungewöhnlich – in diesem Fall aber doch irgendwie passend.
Denn zu sehen sind erstmals über 400 Exponate aus der Nicola Erni Collection. Die Schweizerin hat vor fünf Jahren einige Schwarz-Weiß-Fotografien gekauft, die den Jetset von St. Moritz zeigen - und damit den Grundstein für ihre heutige Sammlung gelegt. Ohne festes Konzept wuchs diese auf rund 1000 Arbeiten aus den 1960er- und 70er Jahren an, und Erni fragte schließlich das NRW Forum, ob sie dort nicht ausstellen dürfe. Und so ist hier nun ein Sammelsurium aus mitunter großartigen, hauptsächlich unbekannten Modeaufnahmen und Star-Porträts von Richard Avedon, David Bailey, Bert Stern und Diane Arbus geworden, seltenen Paparazzi-Trophäen von Ron Galella, Edward Quinn und Milton Gendel sowie einfachen Snapshots, die von Kuratorin Ira Stehmann und dem NRW-Forum in einer sehr schönen Clusterhängung gleichberechtigt präsentiert werden.
Dadurch, dass Erni nicht die ganz berühmten Aufnahmen sammelt, bekommt der Besucher schönerweise auch nicht das zu sehen, was er ohnehin schon zur Genüge kennt. Gleichzeitig birgt die Mischung aus Trivialem und Meisterhaftem, Alltäglichem und Besonderem Potenzial für eine spannende Gegenüberstellung, schließlich bedingt das eine auch immer das andere. Allerdings will der Funke nicht immer überspringen: Schnappschüsse bleiben Schnappschüsse, auch wenn Weltstars wie Alain Delon und Romy Schneider darauf zu sehen sind. Interessant wird es auf den Paparazzi-Bildern dann, wenn skurrile oder entblößende Momente eingefangen werden – Playboy Gunter Sachs war dafür ein dankbares Motiv, zum Beispiel beim Open-Air-Schachspiel gegen eine nur mit einem Stringtanga bekleidete junge Dame. Grotesk ist auch ein Bild Fred W. McDarrahs: Es zeigt Arnold Schwarzenegger zu Besuch in Andy Warhols Factory – die intellektuelle Sprachlosigkeit des Muskelprotzes wird durch die betont lässig in den Manteltaschen steckenden Hände unterstrichen.
Pop traf damals auf Pop jeglicher Couleur: Künstler feierten mit Modemachern, Intellektuellen, Reichen, Schönen und Adeligen. Es war die Zeit des „Anything goes" und der Radikalität – auch wenn von Letzterem nichts zu sehen ist. Die rebellischsten Bilder sind die einer inszenierten Kissenschlacht der Beatles in einem Hotelzimmer und die gewalttätigste Aufnahme vielleicht die, auf der Sonia Romanoff dem aufdringlichen Paparazzo Rino Barillari ihre Eistüte ins Gesicht drückt - wenn man von Andy Warhols zernarbtem Bauch, fotografiert von Richard Avedon, einmal absieht.
Die politisch-gesellschaftlichen Umwälzungen und die Protestbewegungen der sechziger und siebziger Jahre kommen in der Nicola Erni Collection jedoch nicht vor. Sie seien „bewusst weggelassen" worden, weil andere Ausstellungen diese Themen bereits zu genüge beleuchtet hätten. Ein wenig scheinen die Ausstellungsmacher ihr Gewissen aber doch beruhigen zu wollen und listen an einer Wand Begriffe wie „Nato-Doppelbeschluss", „Ölkrise" und „Räucherstäbchen" auf – von den Düsseldorfer Vernissage-Besuchern bleiben sie weitgehend unbeachtet.
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