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Stressfreie Erziehung - nur ein Traum oder doch Wahrheit ?

Autor: rupf-erziehung Team | Erstellt am: 06.08.2007 | Gelesen: 1755
Kategorie: Babys - Kinder & Erziehung | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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rupf erziehungs teamKinder kommen mit dem Ziel auf die Welt, ihre Umgebung zu erkunden. Schon Säuglinge und Kleinkinder beginnen mit der Suche nach Orientierung. Diese Suche nach Grenzen begleitet ein Kind über seine gesamte Entwicklung hinweg, auch bis in das Jugendalter hinein.

Machtkampf, was ist das eigentlich genau?

Wenn Kinder und Jugendliche andere Interessen verfolgen als die Erwachsenen spricht man von Machtkämpfen. Diese können sich beispielsweise beim Aufräumen zeigen. Eltern kennen sicher folgende Situation: „Ich will nicht aufräumen - du bist gemein, kann ich es nicht später machen? Oma ist viel netter als du, ich will zu Oma!" Diese Machtkämpfe haben keinen Krankheitswert, sie sind gesund und für die Entwicklung eines Kindes sogar wichtig. Der Umgang damit entscheidet über den Erziehungsstress. Erwachsene und Eltern sollten sich ernst nehmen und einen für sich geeigneten Weg im Umgang mit diesen Machtkämpfen finden. Stellt man sich mal einen morgendlichen Ablauf als typischen Machtkampf vor: Nicht aufstehen wollen, den Waschgang verweigern, nicht anziehen lassen oder wollen. Ein Kind kann dabei die Muskelspannung so schlaff werden lassen, dass es sehr lange dauern kann, eine Socke anzuziehen. Würden Eltern nun hoffen, dass das Kind eines Tages von allein solch Verhalten ablegt, wären sie verloren. Hier gilt es Ideen zu sammeln, wie Erziehende sich beim morgendlichen Ablauf schützen und dem Kind gleichzeitig Grenzen aufzeigen und damit eine Orientierung geben.

Wie kann ich das nun aber schaffen?

Jeder Erwachsene sollte sich Gedanken darüber machen, wie die Bereiche der Erwachsenen und die der Kinder zu definieren sind. Die Bereiche der Erwachsenen umfassen die Verantwortung und die Wahrung des persönlichen Raumes gegenüber dem Kind. In der heutigen Zeit ist es mir wichtig, Eltern immer wieder Mut zu machen, ihren persönlichen Raum zu halten. Jeder kennt den Begriff „Erschöpfung". Viele Eltern, mit denen ich arbeite, sind sehr erschöpft. Viele gehen mir ihren Kindern gar nicht mehr an öffentliche Orte; so wird schnell ein Wunsch nach einem Besuch in einem Restaurant wieder verworfen. Viele berichten, es sei Ihnen peinlich, wenn ihr Kind den Kasper spiele. Hierbei zeigt sich wiederholt, dass viele Eltern keine Kraft mehr haben, sich ihren Kindern zu stellen. In meinen Veranstaltungen versuche ich gezielt, den Erwachsenen und den Eltern wieder Mut zu machen, sich selber ernst zu nehmen und auf sich zu achten. Manche Eltern stellen mir dann folgende Frage: „Wie schaffe ich es denn, mich durchzusetzen?" Hier zeigt die Praxis, dass man heute im Allgemeinen bei Erziehungsangelegenheiten viel zu viel an das Verständnis der Kinder appelliert und diskutiert. Andere versuchen ihr Ziel mit Belohnungen oder Bestrafungen zu erreichen, bringen sich aber gleichzeitig in eine Abhängigkeit zu ihrem Kind. Viel wichtiger ist es doch, eine gesunde Autorität aufzubauen. Das wird durch klare Anweisungen und Handlungen erreicht, die dem Kind deutlich machen, dass Erwachsene in ihren Bereichen das „Sagen" haben.

So erzählte mir eine Mutter von der erfolgreichen Lösung eines Problems mit ihrem fünfjährigen Sohn, der sie nicht alleine auf die Toilette gehen ließ. Sie habe es anfangs immer wieder mit Gesprächen versucht, habe ihn höflich gebeten, aus dem Badezimmer zu gehen. Als das nicht funktionierte, habe sie ihm gedroht, sie würde abends keine „Gute - Nacht - Geschichte" mehr vorlesen. Am Ende sei sie so wütend geworden, dass sie ins Badezimmer gegangen sei und die Tür von innen abgeschlossen und sich in dieser Form durchgesetzt habe. Die wütenden Schreie ihres Sohnes habe sie akzeptiert. Der Junge habe sich nun daran gewöhnt. Ein paar Tage später konnten die Eltern bemerken, dass er nicht nur ihren Bereich sondern gleichzeitig auch seinen eigenen Bereich anerkannt und durchgesetzt hatte – er geht seitdem eigenständig auf die Toilette und behauptet seinen persönlichen Raum, indem er die Badezimmertür auch abschließt.

Für eine stressfreie Erziehung gilt es auch den Bereich der Kinder zu wahren. Eine Mutter berichtete, dass es immer wieder Probleme mit dem Anziehen gab. Ständig habe sie auf ihre Kinder eingeredet, sie sollten sich beeilen, es sei nicht mehr viel Zeit. Dann wurde sie darauf aufmerksam, dass das Anziehen der Bereich des Kindes ist. Also hielt sie sich zukünftig morgens zurück, überließ ihren Kindern die Entscheidung, was und ob sie sich anziehen wollten. Allerdings nahm sie ihre Kinder dann auch im Schlafanzug mit in den Kindergarten. Seit diesem Tag ziehen sich ihre Kinder ohne Probleme an.

Diese Erfahrungsberichte zeigen, dass es ebenso hilfreich für Eltern ist, den Bereich der Kinder zu wahren. Dazu zählt auch der Geschwisterstreit, Eltern sind nicht dafür verantwortlich, Inhalte aus diesem Streit zu klären. Für die Kinder ist es sehr wichtig, die Erfahrung zu machen, dass auch sie Rechte haben, die Erwachsene akzeptieren sollten, wie beispielsweise Gefühle und Meinungen der Kinder. Für die Eltern ist es gleichzeitig eine große Entlastung, den Kindern eine gewisse Selbstständigkeit zu überlassen und nicht für alles verantwortlich zu sein.

Eine stressfreie Erziehung ist sicher nicht nur ein Traum, sondern für alle Eltern und Erwachsenen möglich. Voraussetzung dafür ist, das Vertrauen an sich selbst zu gewinnen, den eigenen persönlichen Raum gegenüber dem Kind zu wahren und den Bereich der Kinder ihnen selbst zu überlassen. Eine stressfreie Erziehung ist keine perfekte Erziehung, sondern beinhaltet einen geeigneten Weg im Umgang mit den Machtkämpfen der Kinder zu finden, die einem selbst Kraft und den Kindern Orientierung geben.

Autor Thomas Rupf ist Diplom Pädagoge und seit vier Jahren in einer Mutter – Kind – Kurklinik tätig. Neu ist seine Veranstaltungsreihe zum Thema Machtkämpfe zwischen Eltern und Kindern. Er reist in diesem Jahr durch Nord - und Mitteldeutschland und hält seine Vorträge in Kindertagesstätten und Schulen.

Im Juni 2007 hat Herr Rupf einen Erziehungsratgeber veröffentlicht:
Ich muss meinem Kind alles zehnmal sagen!
Verlag: Books on Demand GmbH; Auflage: 1 (Juni 2007)
ISBN-13: 978-3833481246

Informationen unter www.rupf-erziehung.de

 
 
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