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Stressbewältigung und Burnout-Prävention für Pädagogen

Autor: FSchulte1957 | Erstellt am: 12.12.2012 | Gelesen: 1039
Kategorie: Beruf - Bildung & Karriere | Bewertung: rateArateArateBrateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Belastbarkeit und Freude an der Arbeit stärken

Jorma Bork  / pixelio.de
Jorma Bork / pixelio.de

Die Zahlen sind alarmierend: 6000 Lehrer scheiden jährlich wegen Frühpensionierung aufgrund von psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen aus dem Dienst aus. Junge Pädagogen, die mit Idealismus und Engagement ihre Berufstätigkeit antreten, ziehen sich häufig mit Überlastungs-symptomen enttäuscht und frustriert zurück.

Nach der Definition der WHO von 2007 ist psychische Gesundheit ein Zustand, „in dem der Einzelne seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen und produktiv und fruchtbar arbeiten kann und imstande ist, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen. Psychische Gesundheit wird als Voraussetzung für Gesundheit angesehen.

Viele Pädagogen sind nach diesem Verständnis nicht gesund

Lehrer leiden im Vergleich zu anderen Berufsgruppen häufiger unter Symptomen, die auch bei depressiven Störungen auftreten wie z.B. Erschöpfung, innere Unruhe, Schlafstörungen. 56 Prozent aller Frühpensionierungen gehen auf Depressionen und Burnout zurück (Bundesministerium des Inneren, 2005) Daten über die Häufigkeit psychosomatischer Beschwerden belegen, 45 Prozent stehen häufig bzw. fast ständig unter Anspannung, sind erschöpft, müde und antriebslos (Harazd, Gieske, Rolff, 2009).40 Prozent klagen über Glieder- und Muskelbeschwerden.

Die Arbeitsbedingungen

Lehrer müssen immer mehr Erziehungsaufgaben übernehmen, insbesondere an Haupt- und Realschulen, aber ebenso oft schon in der Grundschule. Sozial auffällige und lernschwache Schüler erfordern besondere Aufmerksamkeit und kosten Kraft. Große Klassen, hohe Stundenzahlen und häufige Vertretungen gehören zum schulischen Alltag. Dazu kommen unzureichende Sprachkenntnisse der Schüler, mangelnde Konzentrationsfähigkeit und Disziplin sowie verbale Übergriffe. Das Gefühl, an die eigenen pädagogischen Grenzen zu stoßen enttäuscht und frustriert. Die vorgeschriebene individuelle Förderung ist kaum umzusetzen. Eltern neigen vermehrt zum Anspruchsdenken, äußern schnell Kritik und erledigen ihre Erziehungsauftrag unzureichend. Viele Lehrer erleben es außerdem als persönliche Kränkung, wenn Schüler trotz ihres Engagements die erwarteten Leistungen nicht erbringen.

Einzelkämpfertum

Es gilt immer noch als ein Tabu, als Lehrer Schwäche zuzugeben. Konflikte mit Kollegen und Mängel im Führungsstil der Schulleitung belasten psychisch. Ansätze zur Teamarbeit setzen sich nur langsam durch. Lehrer sind Einzelkämpfer und verzichten damit auf die Entlastung durch kollegiale Beratung. Aber der Gemütszustand einer Lehrkraft wird von Schülern schnell erkannt und gespiegelt, so dass es dadurch zu neuen Stressoren kommen kann. Soziale Unterstützung im Team ist ein psychologischer Schutzfaktor, der gesund erhält.

Mangelnde gesellschaftliche Anerkennung

Lehrer haben ein schlechtes Image. Vorurteile, sie kümmern sich zu wenig um ihre Schüler und würden wenig arbeiten, lange Ferien haben, halten sich hartnäckig. Das frustriert zusätzlich und kostet Energie. Ein weiterer Faktor kann eine mangelnde Trennung zwischen Beruf und Privatleben sein. Wenn es einen Arbeitsplatz in der Schule gibt, ist dieser räumlich meist sehr beengt.

Fortbildungsmüdigkeit

Prof. Klaus Hurrelmann stellte schon 2007 fest, die Hälfte aller deutschen Pädagogen ist über 50 Jahre alt und fühlt sich vielfach mit ihrer Arbeit überfordert. 25 Prozent hatten ein Burnout und nur 10 Prozent erreichten das reguläre Pensionsalter. Einen Grund in dieser Entwicklung sah er in einem Desinteresse an Fortbildungen. Die Lehrer seien mit ihren Unterrichtsmethoden nicht auf einem aktuellen Stand und erreichten die Schüler deshalb nicht. Diese Aussage sollte aber nicht dazu führen, Lehrer zusätzlich zu kritisieren. Angenommen, sie fühlen sich so überfordert und ausgebrannt, dass die eigene Freude am Lernen und der Weiterentwicklung verloren gegangen ist, so wären vorgeschaltete Maßnahmen sinnvoll.

Gesund und belastbar im schulischen Alltag bleiben

Wie kann ein Ausbrennen trotz schwieriger Bedingungen verhindert werden? Wie können engagierte und hoch motivierte Lehrer im schulischen Alltag gesund und belastbar bleiben?

Lehrkräfte, die sich eingestehen können, mit ihrer Kompetenz im Umgang mit Schülern manchmal an ihre Grenzen zu stoßen und die sich im Kollegium darüber austauschen können, leben gesünder. Die Auseinandersetzung mit Überzeugungen wie z.B. nicht schwach sein zu dürfen oder perfekt sein zu wollen, baut Stress ab.

Vorhandene Ressourcen im sozialen Umfeld dienen dem Auftanken und Abschalten. Dazu gehören eine Trennung zwischen Arbeit und Privatleben sowie persönliche Stressbewältigungstechniken. Diese Techniken sind im Idealfall überall und unauffällig einzusetzen.

Sich in schwierigen Situationen emotional distanzieren und das eigene Verhalten reflektieren zu können, erweitert die Handlungskompetenzen. Lehrer, die frühzeitig eigene Stresssymptome an sich wahrnehmen und gegensteuern können, fühlen sich schwierigen Situationen nicht mehr ausgeliefert.

Ein klares Auftreten gegenüber Schülern, macht einschätzbar und definiert Grenzen. Unterrichts-methoden, die Begeisterung und Emotionen wecken, fördern Lernfreude und Lehrfreude. Rituale, gemeinsam mit Schülern entwickelt und umgesetzt, setzen Ruheanker im Unterricht. Das Bewusstsein, Schüler handeln so wie sie es in der jeweiligen Situation vermögen, schafft innere Distanz in schwierigen Situationen und führt zu Verständnis. Schüler, die sich verstanden und angenommen fühlen, sind vielleicht schon im nächsten Konflikt zu Zugeständnissen bereit.

Fazit

Lehrer, die ein realistisches und positives Ziel-Bild ihrer eigenen Rolle haben und über Ressourcen verfügen, dieses zu leben, haben gute Chancen, gesund zu bleiben. Empfundene Lebensqualität und Lebensfreude stärken und sorgen für Belastbarkeit und Souveränität.

Der Artikel wurde von Frauke Schulte verfasst, 12.12.12

(Für die bessere Lesbarkeit wurde die geschlechtsneutrale Form genutzt. Der Artikel bezieht sich selbstverständlich auf Frauen und Männer, Schülerinnen und Schüler.)

Literatur:
DAK Gesundheit: Handbuch Lehrergesundheit, Hamburg 2012
Haider: Burnout-Prävention im Lehrerberuf, Bad Honnef 2011
Harazd, Gieske, Rolff: Gesundheitsmanagement in der Schule, Köln 2009
Burisch, Matthias: Das Burnout-Syndrom, Heidelberg 2010
Gatterburg/Großbongardt: Diagnose Burnout, München 2012
Unger/Kleinschmidt: Bevor der Job krank macht, München 2007
Kaluza: Stressbewältigung, Heidelberg 2005
Kutschera: Tanz zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein, Paderborn 2007

 
 
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