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Strategien gegen Ängste

Autor: HeinM | Erstellt am: 30.03.2011 | Gelesen: 433
Kategorie: Gesundheit - Medizin & Chirurgie | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Was können Führungskräfte dagegen tun, damit Mitarbeiter angstfrei arbeiten

Marcus Hein ist als Trainer und NLP-Coach speziell für Führungskräfte tätig
Marcus Hein ist als Trainer und NLP-Coach speziell für Führungskräfte tätig
In meinen Anti-Stress-Coachings treffe ich immer wieder auf das Phänomen Angst. Dies ist für mich Grund, mich mit diesem Thema ausführlicher zu beschäftigen. Angst hat unmittelbare Parallelen zu Stress. Auf diesen möchte ich zunächst eingehen.

Der Begriff Stress wird heute sehr häufig umgangssprachlich gebraucht. Menschen klagen über Stress, sie haben Stress oder sie leiden unter Stress. Dabei gibt es den Stress gar nicht. Ich möchte hier stärker differenzieren. Es gibt Stressoren (Stressurachen), Stressverstärker (mentale Bewertung von Stressursachen) und Stressreaktionen (Reaktionen des Körpers auf negativ bewertete Stressursachen).

Wir nehmen gemäß einiger Studien pro Tag etwa 60.000 Dinge wahr, die meisten jedoch nicht bewusst, was in meiner Welt unerheblich ist, da jede Wahrnehmung Spuren im Gehirn hinterlässt, uns also prägt. Diese Wahrnehmungen landen zunächst im Zentrum des Gehirns, der Amygdala oder dem Mandelkern. Dort wird die Wahrnehmung unterbewusst bewertet. Und dies erfolgt auf Basis von geprägten Mustern. Das Ergebnis der Bewertung erfolgt im Wesentlichen mit drei Eskalationsstufen:
  1. Wahrnehmung ist unwichtig. Dann wird diese Wahrnehmung in tiefen unbewussten Gehirnregionen abgespeichert und nicht weiter beachtet. In der Regel erinnern wir uns an diese Wahrnehmungen im normalen Zustand nicht.
  2. Die Wahrnehmung ist wichtig und bedarf einer differenzierteren Betrachtung. Dann wird diese Wahrnehmung an höhere, weiter entwickelte Gehirnregionen, zum Teil bis auf Bewusstseinsebene weitergeleitet, dort mit vorhandenen Erfahrungen abgeglichen und es werden möglicherweise weitere Reaktionen angestoßen.
  3. Die Wahrnehmung ist sehr wichtig, vielleicht lebensbedrohlich und es bedarf einer unmittelbaren Reaktion. Dann erfolg eine sofortige Reaktion des Körpers, z. B. das Zurückziehen der Hand von einem heißen Gegenstand.

Die meisten Wahrnehmungen erfolgen auf der 1. Ebene und gelangen nicht auf die Bewusstseinsebene. Die Bewertung der Wahrnehmungen auf der 2. Ebene dauert tendenziell etwas länger. Werden diese Wahrnehmungen dann als Bedrohung bewertet, so gibt es Stressreaktionen. Der Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt und auf archaische Reaktionsmuster, wie Kampf, Flucht oder Erstarrung vorbereitet. Alle Bewertungsprozesse erfolgen immer auf Basis programmierter oder geprägter/gelernter mentaler Programme. Eine Entscheidungsgrundlage hierzu ist, ob der Mensch sich in der Lage sieht, auf eine bewertete Wahrnehmung angemessen zu reagieren. Die Wissenschaftler sprechen davon, ob der Mensch die Homöostase (die Selbstheilungskräfte) seines Körpers überschreiten wird oder nicht. Mit einfacheren Worten: Bin ich in der Lage, mit meinen Erfahrungen und Fähigkeiten die Situation souverän zu meistern, so wird kein „Stress-Alarm" ausgelöst. Diese Einschätzung ist sehr individuell: Während Andere in der Wahrnehmung keine Bedrohung erkennen, mag der Betroffene hier sehr wohl eine bedrohliche Situation erkennen.

Diese sehr individuelle Reaktion selbst ist absolut richtig und in keiner Weise für den menschlichen Organismus gefährlich. Die Gefahr besteht erst dann, wenn ein größerer Anteil der 60.000 täglichen Wahrnehmungen als bedrohlich bewertet wird. Studien zeigen, dass Lehrer etwa 200 und Top-Manager 2000 und mehr Situationen täglich negativ bewerten. Das bedeutet zum Einen eine gewisse Abstumpfung. D. h. die körperlichen Stressreaktionen werden gar nicht mehr so sehr belastend erlebt und sie werden von ihnen als normal, berufstypisch oder als besonderes Engagement dargestellt. Zum Anderen ist der Körper dennoch von körperlichen Stressreaktionen, wie zum Beispiel einem hohen Cortisol-Spiegel im Blut belastet, der verständlicherweise zu vielen psychosamatischen Erkrankungen wie z. B. Bluthochdruck, Stoffwechselerkrankungen, Schlafstörungen oder muskulären Verspannungen führt. Bei so häufigen Stressreaktionen verlässt der Körper den Stresszustand gar nicht mehr und wir sprechen von chronischem Stress.

Die meisten Stresstherapien setzen auf der Entspannungsebene an. Sie versuchen über Meditation, Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation u. a. Oasen im Tagesablauf zu schaffen, in denen der Körper von einem hohen Anspannungs- oder Stressniveau auf ein niedrigeres Niveau herunter gefahren wird. Das alles ist sehr gut, und es hat meine absolute Empfehlung. Leider übersieht es aber die Entstehung chronischer Stressreaktionen und behebt somit nur die Symptome und nicht die Ursachen.

Welche Rolle spielt nun Angst in diesem Zusammenhang. Angst ist in meinem Verständnis ein mentales Bewertungsprogramm. Wir haben Angst vor etwas. Und das ist zunächst sehr gut, denn Angst ist für das Überleben unbedingt wichtig. Allerdings gibt es nur zwei angeborene Ängste: die Angst vor großer Höhe und die Angst vor lauten Geräuschen. Alle übrigen Ängste sind geprägte Muster. Diese Angst-Prägungen begannen spätestens mit der Geburt, vermutlich aber schon vorgeburtlich. Prägend waren in jungen Jahren die Eltern, danach Erzieher und Lehrer, später Ausbilder und Vorgesetzte und darüber hinaus alle Menschen, denen wir begegnen. Auch die Medien haben einen wesentlichen Einfluss auf diese Prägung.

In dieser Prägung gibt es zwei wesentliche Einflussfaktoren:
  1. Vertrauen in eigenes gutes Funktionieren (Selbstwirksamkeitsüberzeugung)
  2. Zutrauen in das Funktionieren der umgebenden Welt
Wenn wir uns das erzieherische und das Führungsverhalten anschauen, so ist dies sehr stark davon geprägt, heranwachsenden Menschen eine kritische Haltung beizubringen. Der Mensch lernt, nicht Jedem und Allem zu vertrauen. Je nach dem, wie stark diese Haltung vermittelt wird, wird daraus ein sehr kritischer Mensch, was an sich noch nicht schlecht sein muss. Wenn sich diese kritische Haltung jedoch zu stark gegen die eigene Person richtet, so wird sie zu sich selbst kein Vertrauen entwickeln.

Aus meiner Sicht und Erfahrung ist dies etwas, auf das gerade Führungskräfte schauen dürfen: Zum Einen dürfen sie im Führungsalltag mehr Optimismus und mehr Vertrauen in das Funktionieren der Welt vorleben. Zum Anderen sollten Sie verstärkt die Selbstwirksamkeitsüberzeugung der Mitarbeiter fördern. Dies wiederum setzt Vertrauen in die Mitarbeiter voraus.

Wie können nun Führungskräfte mehr Vertrauen zu den Mitarbeitern entwickeln? Nachfolgend möchte ich einige erste Anregungen geben.
  1. Schauen Sie sich Ihre Mitarbeiter genau an. Versuchen Sie zu sehen, was Ihren Mitarbeitern leicht fällt und beschäftigen Sie diese mit gerade diesen Aufgaben, damit sie Erfolgserlebnisse haben.
  2. Sollten Mitarbeiter scheitern, dürfen Sie Ihnen besondere Aufmerksamkeit widmen. Damit meine ich nicht, Fehlverhalten durchgehen zu lassen. Sie können ihnen aber Mut zu sprechen, es noch einmal zu versuchen. Geben Sie ihnen wertschätzendes Feedback, bieten Sie Unterstützung an und nehmen Sie alle Antipathie-Gedanken aus Ihrem Kopf.
  3. Schauen Sie mit Ihren Mitarbeitern positiv in die Zukunft. Stellen Sie mit möglichst allen fünf Sinnen wahrnehmbare zukünftige Ziele und Ergebnisse in Aussicht. Und lassen Sie Ihre Mitarbeiter auch einmal Dinge ausprobieren.
  4. Leben Sie Ihren Mitarbeitern Optimismus vor und freuen Sie sich gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern über kleinere und größere Erfolge.

Gerade ein vertrauensvoller Blick auf die Mitarbeiter und deren Leistungsfähigkeit hilft erfolgreicher und gesünder im beruflichen Alltag zu werden. Ein in diesem Zusammenhang sehr kluger und aktueller Spruch von Johann Wolfgang von Goethe mag zu einer neuen Haltung bei Führungskräften anregen: „Behandle die Menschen so, als wären sie, was sie sein sollten, und du hilfst ihnen zu werden, was sie sein können."

Autor
Marcus Hein
Mental- und Organisationsberatung
Rosenhain 7a
47804 Krefeld

Telefon +49 (0) 2151 36 20 351
Telefax +49 (0) 2151 36 20 352
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