Konzentration auf das Wesentliche
Bei der Entscheidung Make or Buy sollte strategisch vorgegangen werden. Alles, was für die Produktdifferenzierung wichtig ist, sollte das Unternehmen selbst machen, alles andere nur, wenn die eigene Produktion es billiger kann. Fragestellung: Rechtfertigen Verbesserungsprojekte den Aufwand der in sie investierten Zeit ? Oder sollte man sich nicht besser darauf konzentrieren, die Wettbewerbsfähigkeit in jenen Teilen zu verbessern, von denen das Schicksal des Unternehmens wirklich abhängt ?
Dem Ansatz liegen einfache Prinzipien zugrunde: Konzentration auf die Komponenten, die für das Produkt entscheidende Bedeutung haben und in deren Herstellung das eigene Unternehmen externen Lieferanten unverkennbar überlegen ist. Fremdbezug von Bauteilen, bei denen Zulieferer einen deutlichen Wettbewerbsvorteil besitzen.Bei welchen Teilen findet wirklich Wertschöpfung statt, welche Teile treiben die Gemeinkosten in die Höhe? Das Unternehmen braucht sichere Grundlagen, um zwischen Schlüsselbauteilen einerseits und Massenartikeln andererseits zu unterscheiden. Darum muss entschieden werden, welche Subsysteme für die Wettbewerbsstellung des Unternehmens über mehrere aufeinanderfolgende Produktgenerationen hinweg unverzichtbar sein werden. Diese Wahl wird von Unternehmen zu Unternehmen anders ausfallen und am Ende die treibende Kraft zur Produktdifferenzierung sein. Vorab muss das Unternehmen eine Reihe schwieriger Frage beantworten, ehe es Subsysteme des Produktes als strategisch bedeutsam einstuft. Strategisch sind Teile oder Subsysteme, wenn sie: sich stark auf das auswirken was Kunden für die wesentlichsten Produkteigenschaften halten, hochspezialisierte Fähigkeiten in Konstruktion und Fertigung sowie spezielle Produktionsmittel erfordern, eine relativ entwicklungsfähige Technik voraussetzen bei der sich wahrscheinlich eine klare technologische Führung erreichen lässt. Vgl. Becker, Jörg: Wissensbilanz und Geschäftsplanung, ISBN 9783837075649.
Sobald bestimmte Subsysteme dann als strategisch bedeutsam eingestuft sind, müssen zwei weitere wichtige Fragen beantwortet werden vor der Entscheidung, ob diese Teilsysteme intern konstruiert oder extern zu beschaffen sind: wie steht es um die Konstruktions- und Fertigungsfähigkeiten des Lieferanten im Vergleich mit dem eigenen Können ? was würde es kosten mit den leistungsfähigsten Zulieferern gleichzuziehen und kann sich das Unternehmen dies leisten ? Mit der Einstufung von Subsystemen nach dem Kriterium, ob sie strategisch wichtig oder unwichtig sind, beginnt ein Entscheidungsbaum, der schließlich dem gesamten strategischen Beschaffungsverfahren eines Unternehmens die Richtung weist. Danach bieten sich strategisch unbedeutende Subsysteme, vor allem technisch ausgereifte Erzeugnisse, für die es schon eine Reihe qualifizierter Lieferanten gibt, für eine externe Beschaffung an. Das gilt auch für Subsysteme, bei denen das Unternehmen seine technische Kompetenz unwiederbringlich verloren hat und deshalb um eine Partnerschaft mit einem Lieferanten nicht herumkommt. im Wettbewerbe zählen Make-or-Buy-Entscheidungen zu den wichtigsten überhaupt. Vgl. Becker, Jörg: Entscheidungstechniken als Krisenschutz, ISBN 9783839129067.
Jörg Becker
www.beckinfo.de