Durchschnittsalter von uns Menschen steigt
Vergleichbar zum Massen Tourismus kommt eine Massen Alterung auf uns zu. Dies ist eine historisch einmalige, erst im 20. Jahrhundert eingetretene Situation. Sie wird uns vor enorme wirtschaftliche und auch gesellschaftliche Herausforderungen stellen. Sehr alte Menschen gab es vereinzelt schon zu biblischen Zeiten. Die biologisch mögliche menschliche Lebensspanne von etwa 120 Jahren hat sich seither vermutlich kaum geändert. Damals konnten jedoch nur wenige das zur Arterhaltung notwendige Lebensalter überschreiten. Deshalb galt hohes Alter bis ins 20. Jahrhundert hinein als etwas Besonderes, dem mit großem Respekt begegnet wurde.
Im Wirtschaftsboom der Nachkriegszeit wurden dann ältere Menschen zunehmend als lästig empfunden und möglichst abgeschoben, weil sie die jüngeren Generationen an ihrer Selbstverwirklichung zu hindern schienen. Allein schon die starke zahlenmäßige Zunahme dürfte es zukünftig verunmöglichen, eine solch unmenschliche Diskriminierung aufrechtzuerhalten. In den deutschsprachigen Ländern ist bereits heute mindestens jeder fünfte Einwohner älter als 60 Jahre. In wenigen Jahren dürfte es jeder dritte sein. Diese Bevölkerungsgruppe stellt ein beträchtliches Wählerpotential dar und fällt wirtschaftlich nicht nur als zahlungskräftige Konsumenten, sondern mindestens teilweise auch als tüchtige Produzenten wirtschaftlicher Wertschöpfung ins Gewicht. Zudem dürften die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit, die die so genannten 68er Jahre prägten, auch als Rentner selbstbewusst auftreten und die Gesellschaft grundlegend ändern. Auch im Umgang mit einst heiklen Themen treten die meisten älteren Menschen heute selbstsicher auf.
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Markenpillen. Anders als meist publiziert, sind die Menschen im Rentenalter nicht unbedingt auf die jüngeren Generationen angewiesen. Ein Staat, in den nur über Sechzigjährige einwandern dürften, könnte vermutlich gesellschaftlich und auch wirtschaftlich überleben.
Im Durchschnitt sind Menschen nämlich nur während ihrer letzten paar Lebensjahre gesundheitlich derart geschwächt, dass sie nicht mehr ohne Hilfe Dritter leben können. Einige sind es länger, viele dagegen überhaupt nie. Überdies verschiebt sich der Lebensabschnitt, der sich möglicherweise nicht mehr selbständig bewältigen lässt, für zunehmend mehr Menschen nach oben. Wie eine Berliner Altersstudie aus dem Jahre 1996 schon aufzeigte, entspricht die Vorstellung vom Alter als eine insgesamt negativ und problematisch zu verwertende Lebensphase keinesfalls der Wirklichkeit. Die überwiegende Mehrheit der alten Menschen ist viel aktiver und gesünder als man gemeinhin annimmt. Ihre zahlenmäßige Vergrößerung macht sie zu einem zunehmend interessanter werdenden Partner für die jüngeren Generationen.