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Standortsuche in Europa - Standortwahl als Existenzproblem

Autor: GecAm75l | Erstellt am: 14.05.2010 | Gelesen: 937
Kategorie: Dienstleistungen & Consulting | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Probleme und Lösungen bei der Standortsuche in Europa

Standortsuche in Europa
Standortsuche in Europa
Die 27 Länder der Europäischen Union bieten auf einer Fläche von ca. 4.300.000 km² mit ca. 500.000.000 Einwohnern die unterschiedlichsten Bedingungen. In diesem Gebiet, das nahezu ganz Europa umfaßt, treffen die verschiedensten Kulturen und Lebensweisen aufeinander. Länder und Völker, die bis vor wenigen Jahrzehnten tief verfeindet waren und die heute noch kleine Gebietsstreitigkeiten haben, finden sich nun unter dem gemeinsamen Dach der Europäischen Union wieder.

Es öffnet sich ein grenzenloser Markt mit 500 Mio. Verbrauchern, die alle am Wohlstand der westlichen Welt teilhaben wollen.

Die regionalen Gegebenheiten, die sich aus der großen Bandbreite der z.B. sozialen, ökonomischen und klimatischen Bedingungen ergeben, bieten für Unternehmen sehr große Möglichkeiten, aber auch ebenso große Risiken.

Vor jedem Marktzugang werden Chancen und Risiken gegeneinander abgewogen. Hierzu zählt nicht nur die Investitionsrechnung vor Ort, sondern zuvor die Suche nach dem richtigen Standort für diese Investition. Bei einer systematischen Suche nach dem richtigen Standort in Europa stellt man sehr schnell fest, wie groß die regionalen Unterschiede sind. Dabei läßt sich nicht von vornherein sagen, daß eine Region in Europa grundsätzlich bessere Voraussetzungen bietet als die anderen Regionen.

Wußten Sie, daß ...
  • der Arbeitslosenanteil in Györ (Ungarn) 2,5 % beträgt und in Glasgow (Großbritannien) 10,7 % ?
  • die Kaufkraft in Kortrijk (Belgien) ca. 13.000 € hoch ist und in Rzeszów (Polen) ca. 4.000 € ?
  • das Monatseinkommen der Arbeiter in der Industrie in Forssa (Finnland) ca. 2.750 € hoch ist und in Valladolid (Spanien) ca. 1.750 € ?
  • die Arbeitsproduktivität im verarbeitenden Gewerbe in Bruck (Österreich) ca. 2,5 mal so hoch ist wie in Hradec Kralové (Tschechische Republik)?
  • daß in Orjahovo (Bulgarien) Schubverbände bis zu einer Länge von 280 Metern und bis zu 18.000 Tonnen beladen werden können, während in Minden (Deutschland) Motorschiffe bis zu einer Länge von 80 Metern und bis zu ca. 1.000 Tonnen beladen werden können ?

Thesen:
Unter zunehmendem Wettbewerbsdruck auf europäischer Ebene wird die Standortfrage und damit die Suche nach dem richtigen Standort zur Überlebensfrage für das Unternehmen.

Es gibt keine schlechten Standorte, nur Standorte, die nicht für jedes Unternehmen geeignet sind. Jeder Standort weist ganz spezifische Bedingungen auf, die geprägt sind von z.B. klimatischen, geographischen, sozio-ökonomischen oder politischen Bedingungen. Jedes Unternehmen stellt ganz spezifische Anforderungen an einen Standort, die abhängen u.a. von dem Produkt, Beschaffungs- und Absatzmärkten oder dem Investitionsmotiv.

Die Standortsuche eines Unternehmens ist nichts anderes als der bestmögliche Abgleich der Unternehmensanforderungen mit den Standortbedingungen. Dieser eigentlich ganz simple Prozeß wird lediglich erschwert durch die große Zahl der potentiellen Standorte, die Vielzahl und große Bandbreite der Standortbedingungen und die Vielfalt und besonderen Ausprägungsbedürfnisse der Standortanforderungen.

Um die potentiellen Standorte miteinander vergleichen zu können, wird üblicherweise jeder Standort mit sämtlichen anderen potentiellen Standorten verglichen. Bei diesem sogenannten paarweisen Vergleich errechnet sich die Zahl der durchzuführenden Vergleiche nach der Formel n(n-1)/2. Werden demnach 10 Standorte untersucht, sind 45 paarweise Vergleiche durchzuführen, sollen 100 Standorte miteinander verglichen werden, sind bereits 4.950 paarweise Vergleiche durchzuführen. Untersuchungen zu diesem Thema haben ergeben, daß der Mensch nicht in der Lage ist, wesentlich mehr als 10 Alternativen auf diese Art und Weise zu untersuchen. Wenn also bei ca. 1.500 potentiellen Standortregionen in Europa lediglich z.B. 15 Standorte auf Eignung überprüft werden, beträgt die statistische Wahrscheinlichkeit einen geeigneten Standort zu finden lediglich 1 %. Die Standortsuche wird so zum Lotteriespiel und der Aufwand, der für eine Standortrecherche üblicherweise betrieben wird und die Erfolgswahrscheinlichkeit stehen in keinem ökonomisch vernünftigen Verhältnis zueinander. Mit den üblichen Mitteln sind die ca. 1.500 Regionen Europas also auf keinen Fall zu untersuchen. Dies ist nur noch mit mathematischen Methoden möglich.

Heute werden bei einer systematischen Standortsuche meist Nutzwertanalysen und Punktbewertungsmodelle eingesetzt. Neben dem besprochenen Nachteil, nicht sämtliche potentiellen Standorte untersuchen zu können, fließen bereits zu Beginn der Analyse subjektive Einflüsse des Anwenders in Form der Bewertung der Nutzwerte ein. Dies führt zu Ergebnissen, bei denen nicht mehr unterschieden werden kann, welcher Teil des Ergebnisses auf Daten und Fakten und welcher Teil des Ergebnisses auf vielleicht fehlerhaften subjektiven Einschätzungen beruht. Eine Standortsuche muß auch Raum bieten, subjektive Einflüsse, die sich z.B. auf eine besondere Unternehmensphilosophie gründen können, zu berücksichtigen. Jedoch muß zu jedem Zeitpunkt der Analyse klar ersichtlich sein, wo hört bei einer Entscheidung die durch Daten gegebene Objektivität auf und wo fängt die durch eine besondere Unternehmensphilosophie gegebene Subjektivität an.

Um die spezifischen Anforderungen eines Unternehmens an einen Standort abdecken zu können, müssen diese Anforderungen soweit wie möglich spezifiziert werden. Wenn weiterhin Fakten, also Daten anstatt Einschätzungen in die Standortsuche einfließen sollen, erfordert dies eine Vielzahl von Standortfaktoren und Variablen, für die Marktforschungsdaten erfaßt werden müssen.

Aus den bisher beschriebenen Anforderungen an ein Standortsuchverfahren ergeben sich folgende Schlußfolgerungen:

Es ist eine Analyse gefordert, die ...
  • simultan sämtliche potentiellen Standorte überprüft
  • die Prüfung an Hand von Fakten, Marktforschungsdaten, vornimmt
  • die spezifischen Unternehmensanforderungen durch eine Vielzahl von möglichen Standortfaktoren bzw. Standortvariablen berücksichtigt.

Diese Art der Analyse muß eingesetzt werden. Aus sämtlichen Regionen Europas müssen die für das jeweilige Unternehmen geeigneten Standortregionen mittels mathematisch statistischer Verfahren, in die Marktforschungsdaten eingehen, ermittelt werden. Es muß ein wirklich nachfrageorientiertes Standortwahlverfahren eingesetzt werden, ein Verfahren, das sich streng an den Bedürfnissen der Unternehmen ausrichtet und die Standortsuche nicht lediglich aus Sicht einiger gegebener Standorte betrachtet.

Henner Lüttich
www.thema-standortanalyse.de
www.contor.org
 
 
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