Standort Ausscheidungswettbewerbe
Es geht um die
Abbildung des Geschäfts-(Standortentwicklungs-) modells in prozessorientierter Sicht. Die Prozesse werden hierzu als Aktivitätsbündel definiert. Es sollen die für Wirtschaftsentwicklung/Standort relevanten, d.h. wertschöpfenden Kernprozesse herausgearbeitet und beschrieben werden. Solche Kernprozesse müssen/sollten einen Mehrwert für ansässige Firmen, Ansiedlungsinteressenten, Investoren u.a. schaffen können. Fragen: Welches sind die wichtigen Kernprozesse ?, z.B. Verwaltungsprozesse (bürokratische Abläufe, Genehmigungsverfahren u.a.), Standortmarketing (z.B. Markt-/Konkurrenzanalyse, Info-Material, Neukundengewinnung, Imageförderung, Standortsicherung u.a.), Wirtschaftsförderung (Bestandspflege, Fördermittel u.a.). Wie können so definierte Kernprozesse a) quantitativ und b) qualitativ bewertet werden ? Welche Indikatoren, Kennzahlen (Maßeinheiten) können ggf. diesen Kernprozessen zugeordnet werden ? Vgl. Becker, Jörg:
Non Financial Standortbilanzen, 2008, ISBN 978 3 8370 6240 3
| Nur „Dabei sein" alleine reicht nicht mehr. Standortmarketing sollte konsequent auf „Kundennutzen" (Sichtweise Investoren, Gewerbeansiedlungen u.a.) ausgerichtet werden. | | Kommunen mit unausgeschöpften Potenzialen verschenken Chancen und laufen Gefahr, über kurz oder lang ins Hintertreffen zu geraten. „Nabelschau-Innen-Blick" auf Märkte umpolen. |
Die Stadtentwicklung und Raumplanung steht vor einem Umbruch: an vielen Standorten haben Wanderungsbewegungen, Alterung der Gesellschaft u.a. unübersehbare Probleme geschaffen. Während sich die Planungsüberlegungen der meisten Standorte in der Vergangenheit überwiegend wachstumsbezogen orientiert haben, geht es heute um eine mehr differenzierte Betrachtungsweise. Für die erforderliche Neuorientierung für den Umgang mit der sich weiter ausdifferenzierenden räumlichen Entwicklung müssen Städte und Gemeinden daher eigenständige Leitbilder entwickeln. Da die Menschen aufgrund der Konzentration der nicht lokalgebundenen Arbeitsplätze in den Metropolregionen häufiger umziehen, erhöhen sich in vielen Wohngebieten auch die Fluktuationsraten. Eigenständige Leitbilder der Standorte müssen daher auch eine Antwort darauf geben, wie Hektik und Enge der Arbeitswelt mit zukunftsfesten Wohn- und Lebensbedingungen in Einklang gebracht werden sollen. Beim Standortmarketing bewegt sich die Kommune aber in einem Wettbewerbsumfeld bis hin zum Ausscheidungskampf. Kommunen mit Defiziten (nur "Dabei sein" alleine reicht nicht mehr) werden nicht nur Chancen verschenken, sondern riskieren auch ins Hintertreffen zu geraten. Um solches zu vermeiden, muss sich das Standortmarketing konsequent auf den "Kundennutzen" , d.h. Sichtweise und Anforderungen der betreffenden Zielgruppe (Investoren, Gewerbeansiedlung) ausrichten, eine Sichtweise nur aus dem Blickwinkel der Kommune ist zu vermeiden.
Förderung und Festigung bestehender "Kundenbeziehungen" (Customer Relation Management, Pflege ansässiger Betriebe aus Industrie, Handel, Handwerk, Dienstleistung). Mit der Zielsetzung "Kundenbindung" wird eine örtliche Zielgruppe von Unternehmen besonders angesprochen (man kümmert sich um die, die hier sind). Die Bestandspflege von bereits ansässigen Firmen ist genauso wichtig wie Neuansiedlungen.
Voraussetzung ist, dass die Wirtschaftsförderung mit den kommunalen Verwaltungsstellen und der Wirtschaft des Standortes möglichst tief vernetzt ist und hierbei stark kommunikativ arbeitet. Man muss denjenigen, die hier sind, seitens des Standortes das Gefühl geben, dass man sich um sie kümmert. Zwar wird man Abwanderungen niemals gänzlich verhindern können, kann aber durch Vernetzung in die Unternehmen hinein frühzeitig von geplanten Bewegungen erfahren. Wenn sich Veränderungen ankündigen, sollte die Wirtschaftsförderung zu den ersten Adressen der Informationsempfänger gehören.
Dipl.Kfm. Jörg Becker
www.beckinfo.de