Reorganisation Wertschöpfungsketten
Strategische Beschaffungsziele: Hauptziel der Beschaffung ist es, Produkte und Dienstleistungen in bedarfsentsprechenden Mengen, zeitgerecht, zu optimalen Preisen und in der verlangten Qualität bereitzustellen. Die Beschaffung umfasst das gesamte Aufgabenpaket von der Analyse der Beschaffungsmärkte über die Auswahl der Lieferanten bis zur Abwicklung einzelner Beschaffungsaufträge. Automatisierung senkt Lohnkostenanteil: Die Bedeutung der ganzheitlichen Materialbeschaffung steigt mit der modernen Fertigung deutlich an. Wie hoch der Anteil der Lohnkosten an den Herstellkosten ist, hängt vor allem vom Automatisierungsgrad der Produktion ab. In einer hochautomatisierten Produktion entfallen mitunter 80 Prozent der Herstellkosten (ohne Marketing und Vertrieb, Forschung und Entwicklung) auf zugekaufte Leistungen, 14 Prozent sind Investitionskosten, und nur gerade noch 6 Prozent sind Lohnkosten. Anders gesagt: Wenn die Fertigung sehr stark automatisiert ist (was wiederum nur bei hohen Stückzahlen möglich ist), spielt der Produktionsstandort nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Nähe der Forschung und Entwicklung sowie die Verfügbarkeit von gut qualifizierten Mitarbeitern können dann mitunter für die Schweiz als idealen Standort entscheiden und gar zu einer Rückverlagerung der Produktion in unser Land führen. Vgl. unter dem Gesichtspunkt von Wissensmanagement beispielsweise Becker, Jörg: Wissensbilanz und Geschäftsplanung, ISBN 9783837075649.
Hohes Sparpotential bei zugekauften Leistungen: Ganz entscheidend ist aber der Kostenblock von 80 Prozent für zugekaufte Leistungen. Hier liegt das weitaus größte Einsparpotential, denn die Investitionskosten unterscheiden sich in den verschiedenen Ländern meist nur geringfügig. Dem Einkauf und der Beschaffung kommen damit Priorität zu - auch um Arbeitsplätze in der Produktion zu erhalten. Und ein weiterer wichtiger Schluss: Mit der Kooperation verschiedener Unternehmen beim Einkauf lässt sich ein hohes Einsparpotential nutzten. Als Folge der Automation und der Verschiebung eines Teils der Wertschöpfung zu Zulieferanten wird die Fertigung in klassischen Industrieländern wieder interessant. Sparen und Positionieren dank Pooling: Einsparungen kommen auch durch sogenanntes Pooling zustande Einkäufe werden von mehreren gemeinsam getätigt, und damit werden bessere Preis- und Lieferkonditionen ausgehandelt. Das von vielen Herstellern verfolgte Ziel, bestimmte Teile nur noch von einem Lieferanten zu beziehen, bedeutet oft ein hohes Risiko. Das Single Sourcing macht vor allem bei sehr komplexen Zulieferteilen aufgrund des hohen Aufwands Sinn. Einfachere Teile bezieht man aus Gründen des Wettbewerbs und der Innovationsförderung bewusst von mehreren Lieferanten. Vgl. zu umfassender Behandlung von Standortaspekten aus der Standortreihe von Becker, Jörg: Strategischer Potential-Check des Standortes, ISBN 9783837049787.