Standortanalyse als nüchterne Bestandsaufnahme ist der erste Schritt der Standortstrategie
Die
Standortanalyse beantwortet die Frage „
wo steht die Region im Vergleich zu anderen Regionen?". Hierbei muß sich die Standortanalyse natürlich den Zielen der Standortstrategie unterwerfen. Ziel der
Standortstrategie wird sein, die natürlichen Stärken der Region zu stützen und potentielle Schwächen, die der Standortstrategie zuwider laufen, zu mindern.
Regionen geraten unter Einfluß der Globalisierung immer mehr unter Konkurrenzdruck. Konkurrenzdruck um die Gunst von Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen, laufende Einnahmen für die Regionen sichern sollen und in der Region investieren. Konkurrenzdruck um die Gunst der Bevölkerung, die Arbeitsplätze benötigt und die eine angenehme Atmosphäre in sämtlichen Lebensbereichen wünschen. Beispiele zeigen, daß Bevölkerungswanderungen in größerem Umfang erfolgen, wenn in Regionen keine Arbeitsplätze geboten werden können, soziale Standards nicht mehr aufrecht erhalten werden können und sich die Lebensumstände der Bevölkerung stark negativ von anderen Regionen abheben. Folge ist im schlimmsten Fall eine Verödung der Region mit verlassenen Städten. Um dies zu vermeiden, um der Bevölkerung angenehme Lebensverhältnisse und um Unternehmen gute Arbeitsbedingungen bieten zu können, wird eine in sich schlüssige Standortstrategie benötigt.
Standortstrategie ist Teil des Standortmarketings
Standortmarketing ist die Orientierung und langfristige Ausrichtung einer Region an den Bedürfnissen der Bevölkerung. Standortstrategie besteht aus Bestandsaufnahme, der Festlegung der langfristigen Ziele der Region und der Wege zur Zielerreichung.
Standortmarketing wird heute immer wieder reduziert auf Standortwerbung. Während Standortmarketing die langfristige Ausrichtung der Region betrifft, dient Standortwerbung der kurzfristigen Kommunikation und ist lediglich der kleinste Teil des Standortmarketings.
Beispiele erfolgreicher Regionen zeigen, daß Standortmarketing mit der dazugehörigen Standortstrategie erst langfristig, über Zeiträume von 15 bis 20 Jahren Wirkung zeigt. Eine derartig langfristige Ausrichtung sowie die Erarbeitung der Wege zur Durchsetzung der langfristigen Ziele ist heute, in einer „schnellen" Welt, weitgehend unpopulär.
Viele Faktoren, die den Erfolg einer Region bestimmen, sind von den Regionen selbst nicht oder nur in einem geringen Umfang direkt beeinflußbar. Investitionen in die Infrastruktur hängen beispielsweise von Zuschüssen übergeordneter Regionaleinheiten ab. Steuersätze sind überhaupt nicht oder nur in einem relativ geringen Umfang von untergeordneten Regionaleinheiten bestimmbar. Dies führt häufig dazu, daß Regionen keine Standortstrategien entwickeln mit dem Argument „wir können doch nichts beeinflussen". Regionen beschränken sich daher auf Standortwerbung. So gibt es sehr viele „grüne Lungen Europas" mit „Kulturangeboten, die höchsten Ansprüchen genügen", „touristischen Highlights", „höchstmotivierten Arbeitskräften", einer „äußerst gebildeten Bevölkerung" und einem „Hochtechnologiecluster". Diese Werbung ist in der Regel falsch, leicht durchschaubar und den Zielen der Region nicht angemessen, da sie die Zielgruppe eher abschreckt als anzieht. Dabei ist es für Regionen durchaus möglich, Faktoren zu beeinflussen, die auf den ersten Blick nicht beeinflußbar erscheinen. Die Steuerung dieser Faktoren durch die Regionen ist jedoch keine Folge kurzfristiger Handlungen, sondern langfristiger Planungen.
Ein Beispiel:
Die Produktivität in einer Branche in einer Region als durchschnittliche Bruttowertschöpfung je Beschäftigten in dieser Branche in dieser Region wird in den Unternehmen gebildet und ist von den Regionen nicht beeinflußbar. Unternehmen siedeln sich häufig gerne in Regionen mit einer hohen Produktivität an. Sie erwarten in diesen Regionen sehr gut ausgebildete und motivierte Arbeitskräfte, sowie ein Umfeld in sozialer und kultureller Hinsicht, daß diese hohe Produktivität ermöglicht. Durch gezielte langfristige Förderung dieser bestimmten Branche, hierbei ist nicht die reine finanzielle Förderung gemeint, durch Infrastrukturmaßnahmen, die dieser Branche besonders dienlich sind in Bildung, Forschung, Verkehr und sozialen Einrichtungen, kann es gelingen, junge und/oder hoch produktive Unternehmen dieser Branche anzusiedeln. Dies kann einen Sogeffekt in dieser Branche nach sich ziehen. Dieses wiederum hat den gewünschten positiven Effekt auf die Gesamtproduktivität dieser Branche in dieser Region, die dadurch attraktiver geworden ist für andere Unternehmen der entsprechenden Branche. Der nicht beeinflußbare Faktor Produktivität ist auf Umwegen sehr wohl durch die Region beeinflußt worden. Diese Maßnahmen erfordern jedoch einen langen Atem und eine Standortstrategie, die für einen Zeitraum von 15 - 20 Jahren aufgestellt wird. Diese Standortstrategie erfordert zunächst eine Standortanalyse, eine nüchterne Bestandsaufnahme der Region.
Die Standortanalyse beantwortet die Frage „wo steht die Region im Vergleich zu anderen Regionen?". Hierbei muß sich die Standortanalyse natürlich den Zielen der Standortstrategie unterwerfen. Ziel der Standortstrategie wird sein, die natürlichen Stärken der Region zu stützen und potentielle Schwächen, die der Standortstrategie zuwider laufen, zu mindern. Ziel wird es in der Regel nicht sein, die grobe Ausrichtung einer Region komplett zu ändern. So wird es beispielsweise wenig Sinn machen, eine touristisch ausgerichtete Region mit großen landschaftlichen Reizen, einer relativ unberührten Natur sowie einer niedrigen Bevölkerungsdichte zu einem Schwerindustriecluster machen zu wollen. Ziel der Standortstrategie ist es vielmehr, für die individuellen Bedingungen eines Landesteiles, einer Region oder Stadt und Gemeinde die geeigneten Nutzungen zu finden, um den Menschen der Region angenehme Lebensbedingungen zu bieten. Hierbei gibt es grundsätzlich keine schlechten Standorte oder Regionen, lediglich Standorte, die nicht für jede Nutzung und für jedes Unternehmen geeignet sind.
Standortanalyse als nüchterne Bestandsaufnahme ist der erste Schritt der Standortstrategie.
Henner Lüttich
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