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Stahlbewehrung als Designobjekt

Autor: GlobalDesign | Erstellt am: 17.04.2008 | Gelesen: 3550
Kategorie: Bau - Planung & Architektur | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Schreibgeräte aus Baustahl in Beton verpackt

Stahlbewehrung als Designobjekt

Wer glaubt, dass Bewehrungseisen nur zum Einbetonieren taugen, der irrt. In handliche Stücke geschnitten, mit Bohrung und Miene versehen, geben die gerippten Zugkraftverstärker höchst kreative Schreibgeräte ab.

Was für den Leser oftmals so mühelos aus der Feder geflossen scheint, ist für den Schreiber in der Regel ein hartes Stück Ar­beit. „Schreiben ist die Hölle, geschrieben haben der Himmel", bestätigt die deutsche Buchautorin, Journalistin und Schreibtrai­nerin Sibylle Krause-Burger.
Das richtige Handwerkszeug kann die Arbeit jedoch erheblich erleichtern. Das gilt für die schreibende Zunft ebenso wie für den Tischler, den Installateur oder den Maurer: Was dem Tischler sein Hobel, dem Installateur seine Gewinde­zange und dem Maurer die Kelle, ist dem Schreiber sein Stift oder Fül­ler. Natürlich erleichtern technische Errungenschaften wie Computer und Labtop die Arbeit. Ohne Schreibgerät kommt aber auch der fortschrittlichste Autor nicht aus – ebenso wie der Mauerer trotz Mischmaschine und Spritzputz nicht auf Hammer und Kelle verzichten kann.

Baustahl Classic

Industrieprodukt neu definiert

Mit seinen Schreibgeräten aus Beweh­rungseisen, Edelstahl oder Kupferrohren animiert der deutsche Innenarchitekt und Designer Axel Huhold zum lustvollen Schreiben und Skizzieren - egal ob im Büro oder auf der Baustelle. Denn die Schreibgeräte der Global Design Factory - so der Name von Huholds Ideen- und De­signschmiede - sind nicht nur ein Blick­fang in der Hand des Planers oder Bau­zeichners, sondern auch ein nützlicher Be­gleiter im harten Baustellenalltag. Nahezu unzerstörbar kann ihnen auch ein noch so rüder Umgang kaum etwas anhaben. „Egal ob sie vom Gerüst auf den nackten Beton­boden fallen oder mit Arbeitsschuhen ver­sehentlich draufgetreten wird - die robus­ten Stifte aus Bewehrungsstahl sind nicht umzubringen", garantiert der Erfinder des unkonventionellen Schreibwerkzeuges. Die Idee dazu kam Huhold, als er vor mittlerweile fast zehn Jahren als Bauleiter bei der Erweiterung des Spa-Bereiches im Luxushotel „Zur Bleiche" in Burg im Spreewald tätig war. Die zierlichen Skizzierstifte, die er damals ver­wendete, waren dem Baustellenalltag nicht gewachsen: zu gebrechlich, zu filigran und viel zu leicht - sodass das Wühlen mit Handschuhen in den Jackentaschen jedes Mal sprichwörtlich zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen ausartete. Für den kreativen Kopf ein schier unhaltbarer Zu­stand ! Eine Alternative musste her. Und so griff er sich vom Abfall des Stahlbauers ein Stück Armierungseisen, bohrte entlang der Längsachse eine Öffnung und steckte die Mine eines konventionellen Fallminenblei­stiftes hinein: Die Idee zum Skizzierstift „BauStahl Classic" war geboren.

BSt rostig

Freilich musste, bevor man den Stift ge­winnbringend vermarkten konnte, noch an der Proportion, dem richtigen Durchmes­ser des Armierungsstahls und der Mecha­nik für die Fallmine gefeilt werden - und natürlich auch an der passenden Verpa­ckung, die dem außergewöhnlichen Stift einen würdigen Rahmen geben sollte. Gemeinsam mit seiner Frau, der Architektin Christiane Salomon wurde in der Global Design Factory eifrigst am Feinschliff, der idealen Größe und der Gewichtsverteilung gearbeitet. Mit einem Gewicht von 80 Gramm ist der Skizzierstift wesentlich schwerer als vergleichbare Han­delsprodukte. Genau aus diesem Grund liegt er aber auch so gut in der Hand. „Da beim Skizzieren die Bewegung locker aus dem Handgelenk kommen soll, unterstützt unser Baustahl Classic ergonomisch die richtige Bewegung" , erklärt Huhold. „Für Planer ist es zusätzlich äußerst reizvoll, das Materi­al, mit dem sie später bauen, schon bei der ersten Idee in der Hand zu halten", er­gänzt seine Frau. Auch eine passende Hülle war schnell ge­funden: Eine Röhre aus Faserzement, wie sie normalerweise als Abstandshalter im Betonbau Verwendung findet, dient als un­konventionelles Etui. Dem deutschen Stahl-Informations-Zentrum war das krea­tive Schreibgerät im Rahmen des Stahl­innovationspreis 2000 eine Anerkennung wert. „Das eingereichte Projekt belegt bei­spielhaft das hohe Innovationspotenzial und die Anwendungsvielfalt des Werkstoffs Stahl" , hieß es damals im abschließenden Juryprotokoll.

Vom Koch zum Designer

Bevor Huhold auf Innenarchitektur und De­sign umsattelte, hatte er einen ganz ande­ren Karriereplan im Kopf. Und schon da­mals steckte er sich seine Ziele hoch. In Bremen geboren, zog es ihn nach der Schule ans andere Ende von Deutschland. In Bad Kohlgrub in Bayern trat er eine Lehre zum „Hauben-Koch" an. Nach sei­nem Lehrabschluss wechselte er nach Berlin, wo er als Koch und später als Kü­chenchef in der gehobenen Gastronomie arbeitete. Die kreative Erfüllung fand er in der Kochkunst allerdings nicht. Deshalb brach er seine Zelte in Berlin ab und ging nach Detmold, um dort Innenarchitektur zu studieren. Während eines Praktikums im Berliner Designbüro Mawa entdeckte er seine Leidenschaft für Details und für den ehrlichen - sprich werkstoffgerechten - Umgang mit Materialien. Ein Faible, dem er bis heute treu geblieben ist. Für die Fertigung seiner exklusiven Schreibwaren verwendet er ausschließlich handelsübliche Pro­dukte, die in Material und Form auf die je­weilige Zielgruppe abgestimmt werden: Ar­mierungsstahl für Architekten und Bau­meister, Kupferrohre für das Installations­gewerbe und Vergoldungen für Sammler und Schreibgerätefetischisten, die das Be­sondere mit einem Hauch von Luxus im Industrielook suchen.

viele stifte

Schreibstiftmanufaktur

Der Name Global Design Factory trügt, denn hier wird zum überwiegenden Teil noch mit Hand gearbeitet - so wie in einer Manufaktur. Industrieware findet man bei Huhold und Salomon nicht. Es sei denn, diese wird zweckentfremdet, weiterverarbeitet und in einen neuen inhaltlichen und gestalterischen Kon­text gesetzt. Das Familienteam hat sich auf Maßfertigung mit höchstem ästhetischen Anspruch spezialisiert. Ihr gestalterisches Ouevre reicht dabei vom Entwurf Gebäuden über die Planung von Frei­räumen bis hin zum kleinsten Detail. Dabei findet man Einzelmöbel und Kunstwerke für den Innen- und Außenbe­reich ebenso wie Entwürfe für EinzeIleuchten oder umfassende Lichtkonzepte für Großprojekte.

Mit dem Designerstift aus Armierungs­stahl feierte der Familienbetrieb sein De­signdebüt und konnte auch gleich einen ersten großen Erfolg verbuchen. Die Nach­frage ist mittlerweile so groß, dass sich die Familie Unterstützung suchen musste. Das Bohren der Öffnungen wurde an eine Behindertenwerkstätte ausgelagert, die den Designern hilfreich zur Seite steht. Die Mechanik für die Fallminenstifte, die Grafit- und Kugelschreiberminen werden zugekauft.

Ihr Gestaltungsmotto "Fun Follows Func­tion" wird auch auf die Unternehmensphi­losophie umgelegt werden. Ihre Designs und Entwürfe vermitteln die Freude am kre­ativen Entstehungsprozess bei der Entwick­lung von neuen Produkten und Konzepten und beweisen, dass Spaß an der Arbeit der beste Erfolgsgarant ist.

mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen bau.zeitung verantwortlich Axel Huhold für Global Design Factory
 
 
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