Von weltverändernden technischen Erfindungen, die in rasantem Tempo in
die Moderne führen, ist die Epoche des Biedermeier (1815 bis 1848)
geprägt. Im Gegensatz zu den verändernden technischen Erfindungen,
findet im Biedermeier die kulturelle Vergangenheit große Beachtung.
Dabei stellt der Biedermeier die Vergangenheit oftmals als verklärte
Idealvorstellung und nach innen gekehrt heile Welt dar. Die spielt sich
vor allem im typischen Biedermeiermöbelstil des „gemütlichen Heimes"
wieder. Durch das Pseudonym des Gottlieb Biedermeier aus der
Zeitschrift „Die fliegenden Blätter", entstand der Begriff des
Biedermeier. Auf die Wohnkultur und Kunst des Bürgertums als Flucht in
eine häusliche Idylle des persönlichen Lebens bezieht sich der Ausdruck
Biedermeier.
Stark beschränkt waren die Möglichkeiten für Kultur und Kunst und damit
auch die Möglichkeiten zur Ausstattung der eigenen Wohnräume durch die
Verarmung Deutschlands in Folge der napoleonischen Kriegen. Verbunden
mit dem Wunsch nach künstlerischer Schönheit entstand aus dieser
Beschränkung mit der Zeit ein eigener Stil, nämlich der
Biedermeierstil. Dabei bot der Biedermeierstil als Möbelstil des
Bürgertums einen Stil, der in den hektischen und unruhigen Zeiten
aufkommender Industrialisierung einen romantisch verklärten Rückzug in
ein gemütliches, behagliches und beschauliches zu Hause erlaubte. Fast
ausschließlich ein Möbel- und Innenausstattungsstil ist der
Biedermeierstil. Nicht mehr in erster Linie repräsentativen Zwecken,
sondern vor allem der Gemütlichkeit des Eigenheims, dienten Möbel in
der Biedermeierzeit. Mit wenigen, schlichten Zierelementen waren die
Biedermeiermöbel ausgestattet und hatten klare Formen. Dabei kam die
Schönheit des Materials absolut zur Geltung. Die Maserung des Holzes
kam beim Biedermeierstil hervorragend zum Vorschein, da die Möbelformen
des Biedermeier sich stark vereinfachten klassizistischen Formen mit
wenig bis keinem Dekor bedienten.
Meist handwerklich gut gearbeitet und harmonisch, schlicht und
praktisch in den Proportionen sind die Biedermeiermöbel. Wie
vereinfachte und zurückgenommene Formen des Empires sind Entwürfe des
Biedermeier. Auch von Entwürfen des englischen Möbelschreiners Thomas
Sheraton wurden die Biedermeiermöbel oftmals beeinflusst. Sehr beliebt
sind bei Biedermeiermöbeln helle Holzarten wie Eibe, Pappel, Nussbaum,
Birne, Kirsche oder Birke. Vor allem in Norddeutschland wurde bei
Biedermeiermöbeln manchmal aber auch Walnuss und Mahagoni verarbeitet.
Vielfach verwendet wurden auch Holzkontraste in hell und dunkel. Aus
Kostengründen wurden dieser aber meist nicht in Ebenholz ausgeführt,
sondern durch schwarze Färbung, also Beizen anderer Hölzer.
Selten wurden beim Biedermeier Intarsien eingesetzt und wenn dann nur
sehr sparsam. Die polierte, glatte Oberfläche mit ihrer schönen
Maserung dominiert beim Biedermeier. Der Tisch war beim Biedermeier das
wichtigste Möbelstück. Denn um den Tisch konnte sich die Familie im
häuslichen Glück und häuslichen Frieden versammeln. Der Tisch war meist
oval oder rund und besaß einen schweren Mittelfuß. Typische Beispiele
für Biedermeiermöbel sind auch die Biedermeierkommode, die in ihrer
klassizistischen Form eine flache Schublade im leicht vorspringenden
Oberteil und drei tiefe Schublade im Unterteil besitzt und an den
Seiten von zwei schwarz gebeizten Säulen flankiert wird, zierliche
Sofas, Stühle und diverse Kleinmöbel, die jeweils für spezielle
Tätigkeiten entworfen wurden (z.B. Nähtischchen) und natürlich das
Vitrinenschränkchen mit Glastürenoberteil, das oftmals auch als
Eck-Schränkchen hergestellt wurde. Interessant sind auch heute noch
Spielwaren und
Kinderbett aus dieser Epoche.