Colt International Sonnenschutzlamellen für den Düsseldorfer Landtag
Politiker brauchen möglichst kühle Köpfe, und sie sollten sich auch möglichst wenig blenden lassen. Nun können Raumklimafachleute an politischen Entscheidungsprozessen eher wenig ändern, aber dafür umso mehr an den klimatischen Verhältnissen im „politischen Raum". So bekam der Plenarsaal des Düsseldorfer Landtages in diesem Frühjahr eine neue Sonnenschutzanlage aus dem Hause Colt International. Bewegliche Lamellen bringen Schatten, verhindern Blendwirkung durch Sonneneinstrahlung und optimieren die Energiebilanz des Hauses.

Außenliegende Sonnenschutzlamellen
Mehr als 20 Jahre ist es her, dass die Landtagsabgeordneten von Nordrhein-Westfalen in das Landtagsgebäude am Rheinknie in Düsseldorf eingezogen sind. Transparenz und Offenheit kennzeichnen den extravaganten Gebäudekomplex. Sechs halbrunde Teilgebäude gruppieren sich um den kreisrunden Plenarsaal und nehmen dessen Form auf. So aktuell die Architektur des Gebäudekomplexes aus den 80er Jahren auch ist: Die innen liegende Sonnenschutzanlage des Plenarsaales war in die Jahre gekommen und genügte weder den heutigen Ansprüchen an Funktionalität, noch den Anforderungen an einen zeitgemäßen wirtschaftlichen, energieoptimierten und wartungsarmen Betrieb.
Colt International baute außenliegende Sonnenschutzanlage

Deshalb konzipierten die Architekten des Landtages, das Büro Eller & Eller aus Düsseldorf, zusammen mit dem Fachplanungsunternehmen Drees & Sommer aus Stuttgart eine neue, außen liegende maßgeschneiderte Lamellenanlage, die sich in die Dachkonstruktion des Plenarsaales einfügt. Als Partner für Bau und Installation der Sonnenschutzlamellen-Anlage hat sich in einem öffentlichen Wettbewerb Colt International durchgesetzt. Das Unternehmen verfügt über die erforderliche Erfahrung für die ziemlich knifflige Ausgangslage in diesem Projekt: In das runde Dach des Plenarsaals sind kreisförmige, jeweils verschieden geneigte Sheds eingebaut, die sich auf fünf Ebenen verteilen. Die Sheds sind komplett verglast, und zwar in alle Himmelsrichtungen. Durch strahlenförmig angeordnete Träger wird das Dach in zwölf Segmente unterteilt. Aufgrund dieser Geometrie ergibt sich für die einzelnen Sheds eine trapezförmige Grundform.
Nachgeführte Lamellen folgen dem Sonnenstand
Colt International baute insgesamt 834 Lamellen vom Typ Solarfin, die in Fünfergruppen aufgeteilt und auf 174 polygonale Segmente angepasst wurden. Vier der fünf Sheddächer wurden mit diesen Lamellen ausgestattet. Die fünfte Dachebene liegt innen und wird nicht von direkter Sonneneinstrahlung erreicht. Jeweils fünf Lamellen werden von einem Antrieb bewegt. Die Lamellen werden automatisch dem jeweiligen Sonnenstand nachgeführt – das garantiert eine optimale Verschattung und gleichzeitig eine größtmögliche Ausnutzung des Tageslichtes.
Ellipsen-Lamellen für trapezförmige Sheds

Bei den Lamellen selbst handelt es sich um stranggepresste Aluminiumprofile in Ellipsenform. Je nach Dachebene sind die einzelnen Lamellen zwischen 2018 mm und 2484 mm hoch. Die Breite der Lamellen variiert (235 bis 355 mm): Sie definiert sich aus der Breite des jeweiligen Antriebsfeldes und der gewünschten Lamellenanzahl. Seitlich wurden die Lamellen mit Adapterstücken an die Trapezform der Sheds angepasst. So schließen die Lamellensegmente auch an den Seiten im geschlossenen Zustand dicht ab. Alle Lamellen wurden zweifarbig nach NCS-Farbtönen beschichtet. An den Enden sind sie mit Enddeckeln aus Aluminium versehen.
Die Lamellen sind mit V4A-Edelstahl-Flachstahl-Profilen an der Fassade befestigt. Am oberen Rand der einzelnen Sheds wurden die Lamellen mit Attikablechen aus Messingverkleidet.
Die Lamellen werden mittels so genannter Pfostenintegrierter Antriebe, kurz PIA, um einen eingestellten maximalen Drehwinkel von 180 Grad gedreht. Die Getriebe sind dabei in die Pfosten der Haltkonstruktion integriert. Den Antrieb übernehmen wartungsfreie 230 Volt Elektromotoren mit SMI Schnittstellen. Pro Motor werden maximal fünf Lamellen angetrieben. Insgesamt wurden 174 Motoren installiert.
Blendwirkung verhindern, Kühllasten verringern
Was die Ziele der Sonnenschutzsteuerung betrifft, so stehen bei der Anlage des Landtages Düsseldorf die Verhinderung jeglicher Blendwirkung sowie die Verringerung der Kühllast uneingeschränkt im Vordergrund, um ein ungestörtes und angenehmes Arbeiten im Plenarsaal zu garantieren. So kann beispielsweise die komplette Anlage jederzeit manuell geschlossen werden, um den gesamten Raum beispielweise für eine Präsentation zu verdunkeln. In zweiter Linie geht es aber auch um die Optimierung aller dem Raum zugeführten Energie, also Heizenergie, Kühlenergie und Beleuchtungsenergie.

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| Nachgeführte Sonnenschutzlamellen folgenden dem Sonnenstand | Durch den Einbau der neuen Sonnenschutzanlage spart der Landtag Strom und damit Energiekosten |
Blendschutz
Für den praktischen Betrieb heißt das: Im Winter wird die Sonne nach Möglichkeit in den Plenarsaal hereingelassen, um Heizenergie zu sparen. Dies deckt sich mit der Forderung nach maximaler natürlicher Beleuchtung: Beide Anforderungen verlangen nach einem möglichst geöffneten Sonnenschutz. Ist der Saal belegt, muss natürlich die Blendfreiheit garantiert werden. Im Sommer ist der Sonnneschutz komplett geschlossen, den das erste Ziel bei Nichtbelegung des Saales, ist die Kühllast gering zu halten. Wird der Saal genutzt, geht es wieder in erster Linie darum, die Blendfreiheit zu garantieren (Lamellenanlage geschlossen). Zusätzlich kann noch optimiert werden zwischen ‚Minimierung der Kühllast durch Sonneneinstrahlung' und ‚Maximierung der natürlichen Beleuchtung durch Sonneneinstrahlung'. Die genauen Bedingungen dieser Optimierung werden durch den Abgleich mit einem neuen LED-Beleuchtungssystem im Plenarsaal festgelegt.
Generell unterscheidet man drei Betriebsfälle:
- Offen: Alle Lamellen stehen senkrecht zu den zugeordneten Glasscheiben.
- Geschlossen: Alle Lamellen stehen parallel zu den zugeordneten Glasscheiben.
- Tageslichtautomatik: Blendung (Direktstrahlung) wird verhindert, aber alle Lamellen sind so weit wie möglich geöffnet.
Die Nachführung der Lamellen erfolgt je Gruppe à fünf Lamellen alle 15 Minuten, das entspricht einem Winkel von 3,75 Grad. Da die Fassaden rund sind, stehen die Lamellen einer Gruppe immer relativ zum jeweiligen Fenster gleich, relativ zur Sonne nicht. Deshalb müssen die Lamellen immer etwas mehr geschlossen sein als notwendig. Für ein Shed-Segment, das ja 30 Grad im Gesamtrund des Daches ausmacht (es gibt insgesamt 12 Segmente) bedeutet dies konkret, dass die Lamellen bei direkter Sonneneinstrahlung etwa zwei Stunden lang geschlossen bleiben. Mit den Lamellen von Typ Colt Solarfin ist diese detailgenaue Einstellung und Steuerung kein Problem. Die Ellipsenform begünstigt den optimalen Tageslichteinfall auch bei weitgehend geschlossener Anlage.
Beachtliche Energieeinsparung
„Landtag spart Energie" - unter dieser Überschrift präsentierte der Landtagspräsident Eckart Uhlenberg die energetischen Modernisierungen des Plenarsaals im Oktober 2010. Mit Recht: Der Einbau der neuen Sonnenschutzanlage für den Plenarsaal hilft ganz konkret Strom und damit Energiekosten einsparen. Laut Auskunft des Gebäudemanagements des Landtages NRW werden künftig allein 5.000 Euro pro Jahr eingespart, weil der Plenarsaal weniger gekühlt werden muss. Das entspricht einer Stromersparnis von ca. 33.500 kWh jährlich. Hinzu kommen noch erwartete Einsparungen in Höhe von etwa 45.000 Euro (ca. 250.000 kWh/) pro Jahr durch die neue LED-Beleuchtungsanlage.
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