Frauen während der Schwangerschaft
Viele Frauen stellen sich während der Schwangerschaft immer wieder die Frage: „
Sind Sonne und Solarium schädlich für mich und vor allem für mein Kind?"
Neueste internationale Studien entkräften die Ängste schwangerer Frauen. Die Furcht vor dem Sonnenbaden in der Schwangerschaft ist unbegründet. Mehr noch und wichtiger: Das Sonnenlicht hat großen Einfluss auf den Verlauf der Schwangerschaft, auf die Geburt und auf die Gesundheit des Neugeborenen – oft bis weit in das Kindesalter hinein.
Der wichtigste Grund dafür ist das Vitamin D, eigentlich ein Hormon, das in unseren Breiten zu etwa 90 Prozent durch die UVB-Strahlen der Sonne im Körper selbst gebildet und daher oft als „Sonnenschein-Vitamin" oder „Sonnen-Hormon" bezeichnet wird.
Vitamin D steuert eine Unzahl bedeutender Funktionen im menschlichen Körper. Für Schwangere und ihr ungeborenes Kind ist es vor allem von Bedeutung für die gesunde Knochenbildung des Kindes, zur Vorbeugung vor chronischen Krankheiten bei den Neugeborenen, wie etwa Asthma oder Autismus, und zum Schutz vor Frühgeburten oder Geburtskomplikationen, wie die weit verbreitete Eklampsie.
Das Sonnenschein-Vitamin kann zwar auch über die Nahrung, allerdings nur unzureichend, aufgenommen werden. Auch Nahrungsergänzungsmittel sind für Schwangere in vielen Fällen weniger effektiv als die natürliche Sonne oder das Solarium. Prof. Dr. Carol L. Wagner von der medizinischen Universität in South Carolina, USA, in einer Studie zur Bestimmung der optimalen Vitamin D-Dosis bei Schwangeren:
„Ernährung allein reicht nicht aus für die optimale Versorgung, und wir gehen heutzutage nicht mehr annähernd so oft an die Sonne, wie es eigentlich nötig wäre!"
Schwangere Frauen gehören zu den „Problemgruppen" bei der Vitamin D Versorgung. Gerade sie haben während der Schwangerschaft einen erhöhten Bedarf, aber häufig einen niedrigen Vitamin D-Spiegel im Blut.
Bis zu 70 Prozent der schwangeren Frauen sind mit Vitamin D unterversorgt, wies eine Studiengruppe der medizinischen Universität von Colorado, USA in Zusammenarbeit mit der Kinderklinik von Massachusetts, Boston, nachweisen konnte. Auch das „regierungsoffizielle" Robert-Koch-Institut in Berlin weist ähnliche Daten aus.
Professor Adit Ginde von der Universität von Colorado, zu den Folgen des Vitamin D-Mangels bei Neugeborenen:
„Wir wissen längst, dass Vitamin D wichtig ist für die Knochengesundheit von Mutter und Kind. Aber wir haben eben erst angefangen, an der Oberfläche der vielen möglichen Gesundheitsvorteile von Vitamin D während der Schwangerschaft zu kratzen."
Weitere Studien sprechen nicht nur davon, wie wichtig Vitamin D für die Knochengesundheit von Mutter und Kind ist, sondern auch davon, dass ein Mangel das Risiko auf Rachitis, Wachstumsstörungen, Atemwegserkrankungen, Multiple Sklerose und Autismus beim Neugeborenen erhöhen.
Der Mangel an Vitamin D birgt aber nicht nur Risiken für das ungeborene Kind, sondern auch für die Schwangere selbst. Diese neigen während der Schwangerschaft vermehrt zur Paradontitis, Schwangerschaftshypertonie, Scheideninfektionen, Infektionen der Plazenta und Präeklampsie, deren Folge unter anderem eine Frühgeburt des Kindes sein können. Neugeborene von Frauen mit Vitamin D-Mangel sind häufig unterdurchschnittlich groß und oft zu leicht.
So führte ein gesundes Maß an Sonne und damit an Vitamin D in der Schwangerschaft zu deutlich weniger Komplikationen und wesentlich weniger Kaiserschnitten. Und so lässt sich auch erklären, warum in den Herbstmonaten geborene Kinder nachweislich Entwicklungs- und Gesundheitsvorteile haben. Der Hauptteil der Schwangerschaft fällt hier in die sonnenstarken Monate.
Für Schwangere und die, die es werden wollen, ist es wichtig, vor, spätestens aber in der ersten Phase der Schwangerschaft ihren Vitamin D-Spiegel durch einen Arzt überprüfen zu lassen und diesen vor und während der Schwangerschaft, sei es durch Sonne, Solarium oder Nahrungsergänzungsmittel, konstant auf einem optimalen Niveau zu halten (mindestens 30ng/ml bzw. 75 nmol/l).
Die Angst vor der Sonne und dem Solarium ist also nicht nur unbegründet, sondern schadet der Schwangeren und dem Baby. Dennoch sollten Schwangere vor ausgedehnten Sonnenbädern oder einem Urlaub im Süden ihren Arzt konsultieren.
Janine JungStudie: A. A. Ginde et al., Vitamin D insufficiency in pregnant and nonpregnant women of childbearing age in the United States, American Journal of Obstetrics and Gynecology, 2010, 202 (5): 436.e1-436.e8 (PDF kostenlos)
Eine Übersicht der wichtigsten Studien können bei der Autorin (redaktion@licht-ist-leben.org) angefordert werden.