180 bissige PS im autonet.at-Intensivtest
Nähert man sich dem tschechischen Kombinationskraftwagen Fabia RS, verharren sie im Dämmerzustand, die Schmetterlinge im Bauch. Auch die Nebenniere fällt nicht durch eine sonderlich erhöhte Aktivität auf – Stichwort: Adrenalinproduktion. Dieses Auto, so es steht, umweht kein Glamour. Es ist die Ratio die der Fabia RS Combi anspricht, weniger den Eros in uns. Freilich, da wären die weißen 17-Zöller mit den keck hervorblitzenden roten Bremssätteln, da wäre ein zweiflutiges, aber sehr zivil dimensioniertes Endrohr mit darüber liegendem Diffusor und eine etwas vordergründigere Frontschürze. Alles Insignien automobiler Kraftmeierei, keine Frage. Beim Fabia Combi RS wurden sie allerdings so dezent, so verhalten eingesetzt, dass sie leicht zu übersehen sind. Und last but not least ist es auch der pragmatische Rucksack, der den Blick auf die primären Geschlechtsmerkmale des austrainierten Sportlers verstellt.
Wolf im Schafspelz
Innen? Auch hier setzt sich der Skoda nicht mit ausgesprochen athletischen Attributen in Szene. Hübsch anzufassende Materialien, hochwertige Verarbeitung, das ja. Gelochte Pedalerie, Schalensitze, unten abgeflachtes Sportlenkrad? Fehlanzeige! Einzig der geschärfte Fokus auf die Armaturen lässt Übles schwanen: Die Zahl 270 am rechten Ende des Tachobandes und ein erst ab 7.000 Touren einsetzender roter Bereich am Drehzahlmesser. Heissa! Wenn der Skoda auch nur annähernd hält, was das zentrale Doppelrund verspricht, dann raucht´s!
Ab die Post
Alsdann, Zündschlüssel gedreht und – wieder nix. Kein böses Fauchen, keine sonstiges akustisches Kundmachung der innewohnenden Hochpotenz. Der 1.4-l-TFSI arbeitet sich in äußerst tonaler Dezenz auf Betriebswärme. So, jetzt aber: Gaspedal auf Anschlag. Und nun wird klar, was sie meinen, die Herren und Damen aus Mlada Boleslav mit dem Kürzel RS. Begleitet von grimmigem Gefauche reißt der Kubikzwerg mit fast schon hanebüchener Vehemenz an der Vorderachse und nötigt die Köpfe der Passagiere in den Nacken. Das fulminante 7-Gang-DSG sortiert die Schaltstufen dabei verzögerungsfrei, hochpräzise, sauschnell und gibt das maximale Drehmoment von 250 Newtonmeter schon ab 2.000 Touren frei. Der Schub scheint nicht enden wollend, derart fein hängt das Gerät am Gas. Aber es geht noch schärfer: den belederten DSG-Stick auf Stufe „S" arretiert, legt das Teil noch ein gehöriges Schäuferl nach, erhöht die Drehzahlen, kostet sie bis zum Exzess aus und sorgt mit Zwischengas-Gebrabbel für zusätzlichen akustischen Kick. Wer will da schon selber schalten? Die Padels am Lenkrad bleiben während der gesamten Testphase jedenfalls unangetastet.
Kurvenräuber
Da bedarf es schon einer gehörigen Portion Adoleszenz, den schieren Power-Overkill des nur 1.243 Kilo leichten Wolf im Schafspelz nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit auszukosten - also Flucht in kurviges Freilandterrain. Hier kann der Fabia auch seine sportliche Fahrwerkscharakteristik unter Beweis stellen. Die im urbanen Alltag nicht immer angebrachte Härte, gereicht dem RS auf asphaltierten Spielwiesen zu höchsten Ehren. Der gedopte Tscheche legt sich mit äußerster Verve in Kehren und behält dabei dank elektronischem Sperrdifferential (XDS) unbeirrbar die Spur. Die exakte Lenkung trägt das Ihrige zum fein austarierten, dynamischen Handling bei. Schwächen zeigt der quicke Mitteleuropäer lediglich bei nasser Fahrbahn. Dann heißt´s gefühlvoll Gas geben, um nicht dem Schlupf gänzlich das Feld zu überlassen.
Sei´s ihm gegönnt
Ganz reuelos, geht die Spaßauskostung am Steuer der Fabia Combi RS allerdings nicht vonstatten: Die 10-Liter-Marke fällt im Nu. Legt man ihm Zügel an, sind es im Schnitt nicht mehr als 8 Liter, die durch die Eingeweide des Skoda RS fließen. Wer es darauf anlegt, und sich ein domestiziertes Spar-Vehikel halten will, tut gut daran, aus dem mannigfachen zivileren Motorenportfolio des Kompakt-Tschechen zu wählen.
Schaut eigentlich ganz zivil aus, der Fabia Combi RS - zumindest auf den ersten Blick.
Noch unauffälliger als von vorn ist der Fabia Combi RS von hinten:
Unwissende werden hier auf den ersten Blick kaum optische Signale eines
echten Haudrauf entdecken.
Innen setzt sich der Skoda nicht mit ausgesprochen athletischen
Attributen in Szene.
Hübsch anzufassende Materialien, hochwertige
Verarbeitung, das ja.
Gelochte Pedalerie, Schalensitze, unten
abgeflachtes Sportlenkrad? Fehlanzeige! FazitWer nicht dauernd den Haudrauf markieren, aber auf echtes Sportwagenfeeling und dank eines 505 bis 1.485 fein bemessen Kofferraums auf praktikable Tugenden nicht verzichten möchte, dem sei der Skoda Fabia Combi RS wärmstens empfohlen. Noch dazu, wo sich die Anschaffungskosten mit einem Ab-Preis von 23.580 Euro mehr als im Zaum halten.
Christian Zacharnik, autonet.at