Lytkarino/Bonn, 27. November 2010 - In der Nähe der russischen Stadt Lytkarino hat ein Landwirtschaftsbetrieb nach Schätzungen der russischen Polizei ein halbes Jahr lang illegal Leime, Lacke und Spachtelmassen hergestellt und mit den Etiketten namhafter Hersteller versehen. Chemikalien und Bindemittel gerieten dabei in den Nahrungskreislauf der Kühe. Das geht aus einem Bericht der Internetseite
www.russland-news.de hervor. Bei einer Überprüfung des Betriebs sei den Beamten schließlich aufgefallen, dass die Milch stark nach Farbe roch. Der Betrieb wurde umgehend geschlossen. Der Fall reiht sich ein in eine lange Kette von Lebensmittelskandalen.
Etiketten, einst entwickelt, um primär Schmuck- und Informationsfunktionen zu übernehmen, stellen heute für Unternehmen eine kostengünstige Lösung im Kampf gegen Manipulation und Produktpiraterie dar. „Das synthetische Papier der sogenannten TE-Etiketten besteht aus mehreren hauchdünnen Lagen, der entstehende Verbund zerfasert beim Ablösen. Da diese Siegeletiketten also nicht spurlos ab- und wiederaufgeklebt werden können und zudem nur vom Originalhersteller zu beziehen sind, fehlen sie auf Produkten, die illegal umetikettiert wurden", erklärt Marc Büttgenbach, Sales Director Labels and Consumables beim Unternehmen Bizerba. Eine Manipulation ließe sich somit für den Empfänger der Waren, sei es ein Zwischenhändler oder der Endkunde, leicht feststellen. Besonders hochwertige Lebensmittel, CDs, Parfüms und technische Geräte ließen sich mit diesen Siegeletiketten sichern.
Im Kampf gegen die Marken- und Produktpiraterie beschlagnahmte der Deutsche Zoll im Jahr 2009 Waren im Wert von insgesamt 363,7 Millionen Euro. Das geht aus der Jahresstatistik 2009 der Bundeszollverwaltung hervor. Knapp 113 Millionen Euro entfielen dabei auf Waren aus der Produktkategorie „Persönliches Zubehör", also auf Accessoires wie Taschen, Sonnenbrillen, Uhren und Schmuck. Rund 64 Prozent der gefälschten Markenartikel stammten aus China, Thailand oder Hongkong. Das beliebteste Transportmittel der Fälscher ist das Flugzeug, knapp 81 Prozent der Aufgriffe erfolgten am Flughafen, lediglich 3,8 Prozent an den Autobahnen und Landstraßen.
Die Identifikation gefälschter Nahrungsmittel erweist sich als deutlich schwieriger. Wurden laut Statistik von 2008 lediglich Produkte im Wert von 400.000 Euro beschlagnahmt, tauchen sie in der 2009er Statistik garnicht mehr als Kategorie auf. Doch Experten wissen: Über den Internethandel gelangen falsche Waren mittlerweile nicht mehr per Container ins Land, sondern werden auf dem Postweg direkt an den Endverbraucher geschickt. Die Dunkelziffer dürfte also entsprechend hoch ausfallen.
Unter dem Titel „Globalisierte Warenströme – Sichere Lebensmittel" finden am 25. und 26. November 2010 in Berlin ein Symposium des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) statt. Vertreter der Lebensmittelwirtschaft, des Handels und der europäischen Kontrollbehörden sowie Wirtschaftspartner und Schwesterbehörden aus Drittländern kommen in Berlin zusammen, um über die Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit im freien Warenverkehr zu beraten.
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