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Sind Mouches volantes (Eye Floaters) nicht im Glaskörper?

Autor: Floco Tausin | Erstellt am: 12.12.2009 | Gelesen: 4916
Kategorie: Gesundheit - Medizin & Chirurgie | Bewertung: rateArateArateBrateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Neues aus der Wissenschaft von den News: Ganzheitlich Sehen.

Der Ort der
Der Ort der "bursa premacularis"
Wer ein bisschen recherchiert, wird schnell feststellen, dass Mouches volantes (MV) in der Augenheilkunde zwar nach ihrer Erscheinung und Ursache unterschieden werden. Doch das Gemeinsame aller Arten von MV ist es, dass es sich um Trübungen des Glaskörpers handelt. Dabei spielte es bislang auch keine Rolle, ob eine Augenärztin die Punkte und Fäden im Glaskörper feststellen kann oder nicht. Erklärungen für diese Diskrepanz sind schnell gefunden: Die Trübungen sind halt zu klein, zu irrelevant; die Instrumente sind nicht fein genug; der Patient übertreibt oder hat ein psychisches Problem; der Arzt gibt sich zuwenig Mühe, sie zu finden. Man sucht die Schuld bei allen möglichen Faktoren, nur nicht in den Erklärungsansätzen der eigenen Disziplin.

Aus dem Lager der Laserchirurgen vernehmen wir seit Kurzem jedoch erfrischend andere Töne: Der US-amerikanische Augenarzt und Laserchirurg James H. Johnson hat sich auf die Beseitigung störender Glaskörpertrübungen spezialisiert. Eine Unterseite („Floaters in Young People") auf seiner Webseite „Vitreous Floater Solutions" macht auf eine „mysteriöse" Art von MV aufmerksam, die angeblich bei Patienten auftauchen, die jünger sind als 40 Jahre. Im Gegensatz zu anderen Arten von MV können sie vom Arzt nicht gesehen und mit dem Laser nicht behandelt werden. Diese nicht behandelbaren MV werden als kontrastreiche Linien und Punkte beschrieben, die „semitransparent or like a glass rod or ‚crystal worm'" seien. Patienten können sie sehr detailgetreu aufzeichnen. Damit unterscheiden sie sich optisch von den behandelbaren MV, die viel dunkler und verschwommener sind und von Patienten kaum aufgezeichnet werden können.

Was sind diese Mouches volantes? Johnson beschreibt sie als „floater-like syndrom NOT caused by degeneration and clumping of the vitreous humor" – d.h. diese Erscheinung ist keine klassische Glaskörpertrübung und kann nicht durch die üblichen degenerativen Prozesse und Verklumpungen erklärt werden. Aufgrund der Schärfe dieser Punkte und Fäden schliesst Johnson, dass sie sich sehr dicht an der Netzhaut aufhalten müssen. Diese MV seien aber nicht mehr im Glaskörper, sondern in einem „potentiellen Raum" zwischen dem Glaskörper und der Netzhaut – potentiell deshalb, weil dieser Raum nur dann existiert, wenn Flüssigkeit die beiden Schichten voneinander trennt.

Dieser „potentielle Raum", von dem Johnson spricht, wurde erst Ende der 1960er Jahren vom niederländischen Augenarzt Jan G. F. Worst entdeckt und v.a. im Verlauf der 70er und 80er Jahre untersucht. Er nannte ihn „bursa premacularis", weil es sich um eine domförmige Struktur zwischen dem Glaskörper und dem Gelben Fleck (Makula) auf der Netzhaut handelt. Die Bursa ist mit Glaskörperflüssigkeit gefüllt und kann je nach dem Verflüssigungsgrad des Glaskörpers unterschiedlich voluminös sein – in jungen, unverflüssigten Augen ist die Bursa seicht, mit zunehmender Glaskörperverflüssigung wird sie dicker und kann in extremen Fällen die Hälfte des Glaskörperraums ausfüllen. Noch wenig erforscht ist die Struktur dieses Raums, und ob es eine Verbindung dieses Bereichs in den Glaskörper gibt. Die Existenz der Bursa wurde zunächst von vielen Augenärzten in Zweifel gezogen, doch andere Studien haben inzwischen bestätigt, dass es tatsächlich einen Raum vor der Makula mit einer geringen Gewebedichte gibt, dessen Ausdehnung von dem Grad der Verflüssigung des Glaskörpers abhängt. Allerdings wird dieser Raum in verschiedenen Studien noch unterschiedlich benannt, z.B. „posterior precortical vitreous pocket" oder „martegiani's space".

Johnson vermutet nun, dass in diesem Raum Zellresten oder Fasern verbleiben und – obwohl mikroskopisch klein – als Schatten gesehen werden können. Ihre Bewegung erklärt sich damit, dass diese Teilchen durch Augenbewegungen in der Flüssigkeit herum schwimmen. Johnson gibt zu, dass keiner genau weiss, ob und wann diese MV sich von alleine auflösen – weglasern lassen sie sich nicht. Ausser Johnson nennt auch der Laserspezialist Scott Geller die prämakulare Bursa als Ort der MV, die nicht behandelbar sind. Wo die Laserchirurgen nicht hingelangen, schlägt anscheinend die Stunde der Vitrektomie-Chirurgen. Jedenfalls wenn man Marie-José Tassignon Glauben schenkt, der Direktorin des Centre for Ophthalmology am Universitätsspital von Antwerpen in Belgien. Nach diversen Erfahrungsberichten in Foren greift auch sie auf die Erklärung der Bursa zurück, wenn sie die MV in Patientenaugen nicht lokalisieren kann. Sog. „ill-defined vitreous floaters" sind u.a. daher MV in der bursa premacularis. Eine Vitrektomie könne sie entfernen, vorausgesetzt der Glaskörper sei von der Netzhaut abgehoben (ist er es nicht, kann er vor der Operation durch den Chirurgen künstlich abgehoben werden, was allerdings das Risiko eines Netzhautrisses mit sich bringt). Nach der Aussage von Tassignon wären also auch die Bursa-Mouches grundsätzlich heilbar.

Das Grüppchen um Johnson, Geller und Tassignon kämpft gegenwärtig noch auf verlorenem Posten – wenn sie denn überhaupt kämpfen. Nach meinen Recherchen wurde ein Zusammenhang von MV und dieser bursa premacularis bisher in keiner klinischen Studie bestätigt. Die Bursa-Mouches sind daher eine Hypothese, die man mit der gegenwärtigen Technologie nicht überprüfen kann (Tassignon). Mit der Spaltlampe sind sie nicht zu sehen, und auch die sog. Optische Kohärenztomografie (OCT) hat bisher keine Befunde geliefert. Andere bekannte Laserchirurgen wie John Karickhoff beschränken sich darauf, die Winzigkeit, die Nähe zur Netzhaut und psychische Aspekte für die Nicht-Behandelbarkeit dieser MV verantwortlich zu machen. Und Vitrektomie-Chirurgen wie Richard Mackool oder Wolfgang Schrader lassen der Bursa keine besondere Aufmerksamkeit zukommen oder lehnen ihre Bedeutung für die Behandlung von MV ab.

Floco Tausins Einschätzung der Bursa-MV für das spirituelle Projekt „Ganzheitlich Sehen"

Es ist wohl kein Zufall, dass man gerade im Umfeld von Nd-YAG-Laserspezialisten auf weiterführende Erklärungsmuster stösst. Für die meisten Augenärzte spielt die Differenzierung und Verortung der MV keine grosse Rolle; sie begnügen sich damit, Netzhautrisse und –blutungen bei denjenigen Patienten auszuschliessen, die über fliegende Punkte klagen. Was sie hingegen nicht sehen, versorgen sie gerne ins Reich der Psyche (vgl. News 2/2005; News 2/2006). Auch Vitrektomie-Chirurgen brauchen sich aufgrund neuerer Vitrektomietechnologien und dem steigenden Druck von Betroffenen je länger je mehr nicht um die unterschiedlichen Arten von MV zu kümmern; mit der Entfernung des Glaskörpers oder Teilen davon werden alle festgestellen und nicht festgestellten Trübungen beseitigt – so jedenfalls die Hoffnung speziell bei „blinden" (d.h. nicht auf objektiven Befunden basierenden) Floaters-only-Vitrektomien (FOV) (vgl. News 3/2005; 3/2008). Chirurgen dagegen, die die MV per Nd-YAG-Laser aufzuspalten und zu verdampfen versuchen, müssen die Arten der MV sehr genau kennen. Denn für eine erfolgreiche Laserbehandlung müssen die Punkte und Fäden eine Reihe von Bedingungen erfüllen (Link); die wichtigste ist wohl, dass die MV für den Arzt sichtbar sein müssen – klar, denn was man nicht sieht, auf das kann man nicht schiessen. Die meisten Leute, die von Laserspezialisten abgewiesen werden, sind bezeichnenderweise solche, die an jenen transparenten Punkten und Fäden leiden, die Gegenstand meines spirituellen Projektes „Ganzheitlich Sehen" sind. Regelmässig mit diesem Typ MV konfrontiert, suchen diese Laserspezialisten nach Erklärungen für deren Nicht-Sichtbarkeit und Nicht-Behandelbarkeit.

Mit einem Augenzwinkern möchte ich schliessen, dass diese Erklärung der Bursa-Mouches oder Bursa-Floaters buchstäblich in die richtige Richtung geht: Nur noch ein paar Milimeter weiter nach hinten, Leute, dann sind wir in der Netzhaut als möglichem Ort der MV (vgl. den Artikel: „Mouches volantes - Glaskörpertrübung oder Nervensystem?" über die morphologischen Ähnlichkeiten von MV und den neuronalen rezeptiven Feldern) – und dann werden sich gänzlich neue Ansätze zur Erforschung und zum Umgang auftun, und zwar medizinische UND spirituelle.

 
 
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