Abnehmen heißt schädliche Gewohnheiten ablegen und nützliche Gewohnheiten einzuüben.
Wer gewohnt ist, immer nach festen Zeiten zu essen, der wird, unabhängig von einem bestehenden Energiemangel, ein Hungergefühl entwickeln. Dieses Phänomen wurde in einer Versuchsreihe mit übergewichtigen und normalgewichtigen Personen untersucht. Beide Personengruppen wurden in einem Raum untergebracht, der keinerlei Rückschluss auf die Tageszeit zuließ. Es befand sich nur eine Uhr in diesem Raum, die Probanten besaßen auch keine Armbanduhren. Die Mahlzeiten wurden zu den üblichen Zeiten (8.00, 12.30, 17.30 Uhr) serviert.
Allerdings wurde die Uhr nach einigen Tagen manipuliert. Das heißt, die Zeitspanne zwischen den Mahlzeiten wurde verkürzt. Während die Übergewichtigen unabhängig von einem tatsächlichen Hungergefühl die angebotene Mahlzeit aßen, ließen die Normalgewichtigen die Mahlzeiten unangetastet zurückgehen, oder aßen nur einen Bruchteil der angebotenen Speisen. Dies zeigte eindeutig, dass Normalgewichtige unabhängig von der Tageszeit ihr Hungergefühl entwickeln, und wenn doch, dann begrenzen sie die Menge, abhängig vom tatsächlichen Energiebedarf. Wenn sie also doch aßen, dann nur eine kleine Menge und die gesamte Portion.
Auch hier zeigte sich die Abhängigkeit von Gewohnheiten. Der Übergewichtige entwickelt erst ein Gefühl des Sattseins, wenn er seine gewohnte Menge verzehrt hat. Der Normalgewichtige isst nur soviel, bis der Energiehunger gestillt ist und das Hungergefühl verschwunden ist. Das Erklärungsmodell für dieses unterschiedliche Verhalten liefert uns der pawlowsche Hundeversuch.
Beim Pawlowschen Hundeversuch wurde Folgendes gemacht. Immer bevor der Hund gefüttert wurde, das Futter aber schon sah, hat Pawlow dessen Speichelfluss gemessen. Regelmäßig steigerte sich der Speichelfluss als Folge des natürlichen Reflexes. Dann ließ er gleichzeitig mit der Futtergabe einen Glockenton ertönen. Nachdem Pawlow diesen Vorgang einige Male wiederholt hatte, kam es auch dann zur erhöhten Speichelproduktion, wenn nur der Glockenton erklang, vom Futter aber weit und breit nichts zu sehen war.
Der akustische Reiz in Verbindung mit Futter prägte die Reaktion Speichelfluss demnach so stark, dass der alleinige Glockenton bereits zum Speichelfluss führte. Im weiteren Verlauf des Versuches hat Pavlow dann wieder auf den Glockenton verzichtet. Nach einiger Zeit wurde der Speichelfluss wieder nach dem alleinigen Ertönen der Glocke gemessen. Es erfolgte kein Speichelfluss mehr. Die Verknüpfung war nicht mehr aktiv. Allerdings reichte es aus, zwei bis drei mal die Kombination Futter plus Glockenton zu wiederholen, um die alte Reaktion, alleiniges akustisches Signal = Speichelfluss, erneut zu aktivieren. Dies zeigt eindeutig, dass bestehende Gewohnheiten nicht gänzlich zu löschen sind und innerhalb kürzester Zeit wieder aktiviert werden können.
Was hat dies mit Ihrem Hungergefühl, zu bestimmten Zeiten, zu tun?
Nun, immer wenn es zum Beispiel Zeit für Ihr übliches Mittagsmahl ist, werden Sie, unabhängig von Ihrem tatsächlichen Energiebedarf, ein Hungergefühl entwickeln. Kommt dann noch die Gewohnheit, immer eine bestimmte Menge (voller Teller) zu essen, werden Sie zwangsläufig zunehmen.
Wie kann man diese Gewohnheiten ablegen?
Was die gewohnten Essenszeiten betrifft, ist dies sicher nicht immer möglich. Besonders dann, wenn man im beruflichen Alltag steht und festgelegte Pausenzeiten hat. Dies sollte sie aber nicht daran hindern, ab und zu ihr Hungergefühl zu ignorieren und stattdessen einen Spaziergang zu machen. Sie werden feststellen, dass das Hungergefühl bereits nach kurzer Zeit verschwindet. Einen bestehenden Energiehunger kann man durch den Verzehr einer kleineren Menge beseitigen. Dazu ist es aber notwendig, diese kleine Menge möglichst langsam und mit Genuss zu essen.
Im privaten Bereich gilt im Wesentlichen das Gleiche. Allerdings könnten Sie auch damit beginnen, die festen Essenzeiten zu variieren. Das heißt, nicht mehr genau um 12.30 Uhr zu essen, sondern vielleicht einmal um 12 Uhr, das andere Mal erst um 13 Uhr.
Sie werden dabei feststellen, dass Sie automatisch weniger essen werden. Um 12 Uhr, weil Sie noch kein Hungergefühl haben und um 13 Uhr, weil Ihr Hungergefühl weitgehend verschwunden ist.
Fazit: Feste Essenzeiten erzeugen auf Grund der Gewohnheit ein Hungergefühl, unabhängig vom möglicherweise bestehenden Energiemangel.
Wer abnehmen will, sollte feste Essenszeiten soweit möglich abschaffen.