Dialog im Dunkeln
Wie ist das so als blinder? Nichts mehr sehen zu können, keinen Sonnenuntergang oder auch sonst all die schönen Dinge im Leben. Für alle sehenden Menschen eine Horrorvorstellung. Für alle blinden Alltag. Jedoch gibt es für jeden interessierten die Möglichkeit durch die Ausstellungsreihe „Dialog im Dunkeln" sichfür 60 Minuten in die Lage eines blinden Menschen hinein zu versetzen. In völlig abgedunkelten Räumen wird sich nun jeder seiner Sinne überlassen. Vor allem das fühlen von Gegenständen, der Gleichgewichtssinn und natürlich die Ohren werden während des Kurses geschult und am Ende des Kurses stellt sich mal wieder heraus wie wichtig doch all unsere Sinnesorgane sind.
Durch ein Geschenk meiner Dienststelle hatten zwei Arbeitskollegen und Ich die Möglichkeit an dieser äußerst interessanten Ausstellung teilzunehmen. Wir erhielten Freikarten für die „Bootstour", eine Reise durch verschieden Räume die alle etwas mit dem Hamburger Hafen zu tun hatten und das große Finale eine kleine Bootstour mitten im Dunkeln war
Für diejenigen, die nicht das Glück haben Freikarten für diese Ausstellung zu erhalten, die Führung für Erwachsene beträgt bei 60min. 15.00€ und für Kinder 9.50€. Die Ausstellung befindet sich in der Hamburger Speicherstadt, einer der wohl schönsten und Interessantesten gebiete Hamburgs. Mit der U-Bahn vom Hauptbahnhof ist die Ausstellungin nur wenigen Minuten erreichbar. Im Eingangsbereich wurden wir sehr nett empfangen und konnten in einer großen gemütlichen Wartehalle auf den Beginn unserer Tour warten. Wein und Brot machten die Wartezeit natürlich um einiges angenehmer. Gegen 20 Uhr begann dann unsere Tour und wir sind von einer freundlichen jungen Dame über den Ablauf der Tour informiert worden, dann erhielt noch jeder einen Blindenstock und ab gings. Durch einen Vorhang wurde man langsam auf die Dunkelheit vorbereitet, bis man dann durch eine Tür in die völlige leere gelangte. Ein unfassbar seltsames Gefühl absolut nichts mehr zu sehen. Egal wie weit man seine Augen aufriss, man sah nichts. Zum Glück stand hinter der Tür unser Guide, der seit seiner Geburt blind ist und uns durch die verschiedenen Räume leitete. Besonders der Anfang ist mir besonders schwer gefallen. Die Kommunikation mit den anderen Kursteilnehmern erleichterte n aberdie ersten Schritte sehr und durch die Hilfe unseres Blindenstocks konnte man alle Hindernisse mit ein wenig Geschick gut ertasten. Nun durchliefen wir einige Räume die alle von ihrer Struktur unterschiedlich aufgebaut waren. In jedem Raum musste man sich mit neuen Hindernissen auseinandersetzen. Zum Beispiel, im ersten Ram Treppenstufen überqueren. Dort konnte man natürlich wunderbar sein können mit dem Blindenstock unterBeweis stellen. Desweiten wartete auch ein Marktplatz auf uns. Mir fällt esnoch nicht einmal leicht bei Tageslicht über einen Wochenmarkt unbeschadet zu überqueren, dass das dann im Dunkeln auch nicht gerade ein Sonntagsspaziergang war kann man sich ja vorstellen. Als letztes stand die Bootsfahrt auf dem Programm. Ein ganz besonderes Erlebnis. Eine simulierte Hafenrundfahrt mitten im nichts. Muss man mal gemacht haben. Nach rund einer Stunde war der Rundgang vorbei und jeder Teilnehmer war sichtlich erleichtert endlich wieder Tageslicht zu sehen.
Abschließend ist zu sagen, dass jeder Teilnehmer das Glück hat nach rund einer Stunde wieder sehen zu können. Dieses Glück hat leider nicht jeder. In Deutschland gibt es ca. 155000 blinde Menschen und fast eine halbe Millionen Sehbehinderte, die nicht die Möglichkeit haben aus einem Raum rauszugehen und wieder alles sehen. Dialog im Dunkeln bietet jedem, für eine Stunde die Welt aus den Augen eines blinden zu betrachten und doch am Ende wieder sehen zu können.
Jan Poerschke