Sexualität und Erotik
Erfüllte Sexualität und Erotik?
Wer wünscht sie sich nicht? Doch im Dschungel der Mediendarstellungen, Männlichkeitsklischees, (feministischen) Kritik und Erwartungen anderer, ein positives Gefühl zur eigenen Sexualität zu entwickeln und zu leben, fällt vielen Menschen nach wie vor nicht leicht.6 Uhr Morgens mit dem Kaffee in der Hand holt man die Zeitung. Man wischt sich noch den Schlaf aus den Augen da lacht einen spätestens auf Seite 3 das erste halbnackte Mädchen entgegen. 7 Uhr 30 der Computer fährt hoch man checkt die E_mails und wird mit Potenzmittel und Singelkondakten eingedeckt.
10 Uhr der Termin beim Zahnarzt man greift sich die Bunte und gezählte 5 Unterwäschen Werbungen mit Damen die wissen wie man sich präsentieren muß strahlen einem auf Hochglanz entgegen. Eine kurze Fahrt durch die City und schon lächeln Frauen und Männer mit Duschgel auf nackter Haut von Plakatwänden. Abends im Fernseher müßen die Schauspieler sich unbedingt ausziehen um Ihrer Rolle den Charakter zu vertiefen.
Nichts gegen Sexualität oder Erotik, wir sind alle Fans davon, aber wie oft am Tag muß der Gedanke den eben diese Bilder vermitteln wirklich sein. Ein Tag OK aber 365 Tage im Jahr? Bleibt da die Erotik nicht auf der Stecke? Sollte diese Nacktheit nicht mit Spannung erwartet werden statt leichtfertig Preisgegeben?
Muß Halle Berry wirklich Ihre Brüste freilegen um John Travolta als Filmbösewicht weiterzuhelfen. Und kann Duschgel nur mit nackten am weißen Strand verkauft werden! Ist die blaue Pille wirklich so notwendig das täglich 10 Verschiedene Verkäufer per E-Mail dafür werben. Warum laufen wir nicht gleich alle Nackt durch die Gegend wenn das laut den Medien sowieso alle tun.
Selbst die Musik verkauft sich über verrutschte Dekolletes. Und auch ein Online Game wie "
Second Life" kommt daran nicht vorbei, an virtuellen Häuserwänden prallt einen nicht nur Unterwäsche entgegen. Sogar virtueller
Live Sex zu Beobachten, natürlich gegen Coins, wird angeboten.
Virtueller Erotik auf Second Life Sex ist in vielerlei Hinsicht zu etwas Öffentlichem geworden: Tausende von Zeitschriften, Filme und Bücher besprechen das Thema auf unterschiedliche Weise.Vermeintliche Tabus werden gebrochen, Sex wird veröffentlicht. Auch männliche Körper werden inzwischen als
Sex-Objekte dargestellt, verbunden mit Zuschreibungen, die eingeschränkte Männlichkeits- und Körperbilder vermitteln: "Waschbrett"-Bauch, sexuell omnipotent und immer bereit, stark und gefühlvoll, etc.
Gehen wir doch ein paar Schritte zurück und ziehen wir den Leuten in den Medien wieder etwas an, dann wird
Sexualität wieder etwas besonderes und nicht die 10 Wiederholung einer Fernsehserie.
Helmut Laussegger