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Sex und Bibel: Sexualität im Alten Testament

Autor: Rabast | Erstellt am: 13.06.2011 | Gelesen: 15785
Kategorie: Kunst - Kultur & Religion | Bewertung: rateArateArateArateArateB
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(Online-Artikel.de) - Die 2500 Jahre alte Überlieferung des Alten Testaments bietet eine sexuelle Vielfalt. Enthaltsamkeit ist ihr fremd. Eine Forderung nach Keuschheit wird erst später hinein interpretiert.

Adam und Eva  von Lucas Cranach
Adam und Eva von Lucas Cranach
Sex und Bibel? Sind das nicht Gegensätze? Die allgemeine Meinung ist, in der Bibel stehen fromme Geschichten ohne jeden Sex. Für Keuschheit und Enthaltsamkeit, wie man das von Nonnen und Mönchen annimmt, berufen sich diese auf die Bibel. Unzucht (griechisch: porneia) wurde von der mittelalterlichen Kirche als schlimme Sünde eingestuft. Die Kirche konnte verschweigen, dass in der Bibel ganz deftige sexuelle Dinge zu finden sind, denn nur wenige konnten die lateinische Bibel lesen.

Wenn wir uns dem Thema zuwenden, kann es nicht darum gehen, nach dogmatischen Regeln Grundlinien zu entwickeln, wie Sexualität im Sinne der Bibel zu gestalten sei. Das wäre eine kulturelle Bevormundung. Vielmehr soll im Folgenden aufgezeigt werden, welche Spuren von Sexualität bei den biblischen Menschen zu finden sind, die vor mindestens 2.500 Jahren etwas über sich aufgeschrieben haben. Dazu blicken wir in den älteren Teil der Bibel, das Alte Testament.

Fremdgehen ist göttlich

Die Gottessöhne fingen mit dem Fremdgehen an. „Da sahen die Gottessöhne, dass die Töchter der Menschen sehr schön waren. Sie nahmen die von ihnen als Frauen, die ihnen am besten gefielen, und zeugten mit ihnen Kinder." Der sexuelle Kontakt zwischen den Überirdischen und den Menschen wird im Alten Testament als Frühphase eingestuft. Die „großen Helden der Vorzeit" entstammten „der Verbindung der Gottessöhne mit den Menschentöchtern" (1.Mose 6,1-4). Daraus entstand das Geschlecht der Riesen auf der Erde.

Fremdgehen ist königlich

Was Gottessöhne dürfen, steht wohl auch einem König zu. König David machte es nicht anders; er hatte viele Frauen und nahm sich, was ihm gefiel. Einmal sah er von seinem Palast in Jerusalem aus im Hof eines Nachbarhauses eine Frau beim Baden. Seine Lust entbrannte. Diese Frau wollte er sofort für sich haben. Er schickte Boten hin und ließ sie ins Schloss holen. König David schlief mit ihr. Sie hieß Batseba und war mit einem Hethiter verheiratet. Einige Zeit später teilte die Dame dem König mit, dass sie schwanger geworden war. Dem König kam gelegen, dass gerade Krieg war. Er ordnete an, dass der Ehemann an die vorderste Front zu stellen sei, wo dieser alsbald den Tod fand. König David heiratete die nun verwitwete Frau. (2.Sam.11)

Bei den Beispielen mit solchen hoch angesehenen Liebhabern kann man eine Freiwilligkeit bei den Frauen unterstellen. Doch das trifft nicht immer zu. Von Vergewaltigungen wird mehrfach berichtet.

Frauen werden vergewaltigt

Der Königssohn Amnon hatte sich seine eigene List ausgedacht, das bildhübsche Mädchen Tamar zu vernaschen. Er stellte sich krank und verlangte, von ihr eine Speise an seinem Bett zubereitet zu bekommen. Alles lief nach Plan. Da kam Amnon blitzschnell unter der Bettdecke hervor, umschlang Tamara und zog sie ins Bett. Sie flehte, dass er ihr nichts antun möge; sie habe das noch nie gemacht und sei noch Jungfrau. Doch Amnon konnte sich nicht mehr beherrschen, war er doch krank vor Liebe. Gewaltsam drückte er ihre Schenkel auseinander und drang in sie ein. Ruck-zuck war alles vorbei. Nachdem er sich seines Samens entledigt hatte, fand er Abneigung gegen Tamar, ja mehr noch: Er hasste sie und schmiss sie raus. Keiner kümmerte sich mehr um Tamar. (2.Sam.13)

Frauen werden gewaltsam geraubt

Aus den Sagen der Römer kennt man den Frauenraub aus dem Nachbarvolk der Sabiner, weil es an eigenen Frauen fehlte. So etwas kennt die Bibel auch. Im israelitischen Stamme Benjamin fehlte es an Frauen. Die Ältesten gaben den unbeweibten Männern den Rat: „Legt euch in den Weinbergen auf die Lauer, und wenn ihr die jungen Mädchen von Schilo zum Festtanz kommen seht, dann stürmt hervor, und jeder raubt sich eines von ihnen als Frau. Nehmt sie mit in euer Stammesgebiet. Die Männer Benjamins befolgten den Rat, und jeder raubte sich aus den tanzenden Mädchen eines und machte es zu seiner Frau." (Der Frauenklau steht in Richter 21,20ff)

Locker war das Ehe- und Sexualleben der Erzväter

Das Gottesvolk des Alten Testaments rühmt seine Vorfahren. Wie hielten diese es mit dem Sex?

Abraham, der erste in der Ahnenreihe, kam durch Prostitution zu Reichtum und Macht. Seine Frau Sara hatte Erfolg beim Pharao, dem mächtigen Herrscher Ägyptens. Hinter ihr schlossen sich die Türen der Verschwiegenheit. Sexuelle Details wurden damals noch nicht in Worten oder Bildern ausgebreitet. Die Intensität konnte man am materiellen Lohn ablesen. Und Sara war sehr erfolgreich. Mit ganzen Herden von Schafen, Ziegen, Rindern und Kamelen samt zugehörigen Hirten verließ sie die pharaonische Residenz. (1.Mose 12,12-16). Noch heute würden sich die Journalisten großer Zeitschriften um den Stoff reisen.

Mit einem Aphrodisiakum die Lust steigern

Man kannte den die Lust steigernden Effekt der apfelähnlichen Alraunfrüchte (Mandragora). Der Erzvater Jakob schlief mit seinen beiden Ehefrauen und deren beiden Dienerinnen. Da dürfte ein Konkurrenzkampf an der Tagesordnung gewesen sein, mit wem Jakob die Nacht verbringt. Und es war auch ein Aphrodisiakum im Spiel. Die Schwestern tauschten es untereinander aus, erfolgreich, wie berichtet. Lea wurde zum fünften Mal schwanger. (Gen 30,14-17) Die Ehefrauen organisieren das Sexualleben für den gemeinsamen Partner auch mit Stimulanzen.

Das biblische Onanieren

Im alten Israel gab es das Gebot der Schwager-ehe. Falls einer jungen Frau der Mann verstarb und sie noch keine Kinder hatte, musste der Bruder des verstorbenen Mannes sexuell aushelfen. Denn Kinder waren die Lebensversicherung einer Witwe im Alter. Der Mann, von dem erzählt wird, hieß Onan. Seine verwitwete Schwägerin war offenbar nicht sein Schwarm. Doch wurde er vom Vater angehalten, mit dieser zu schlafen. Onan beherrschte seine Ejakulation. Jedes Mal unterbrach er rechtzeitig den Geschlechtsverkehr und ließ den Samen auf den Boden fallen. (1.Mose 38,8) Das war offenbar kein befriedigendes Sexualleben für die junge Frau, die Tamar hieß. So reifte in ihr der Plan, den Schwiegervater zu verführen.

Prostitution

Tamar gab sich den Anschein einer Prostituierten und setzte sich an den Wegesrand in Erwartung des Kommens ihres Schwiegervaters. Dieser sprach die verhüllte, vermeintlich Unbekannte an, er wolle mit ihr schlafen für den Lohn einer jungen Ziege. Als Pfand ließ sich Tamar den Siegelring des Freiers/Schwiegervaters geben. Der Koitus blieb nicht folgenlos, Tamar wurde schwanger. Einige Zeit später offenbarte Tamar ihre Identität und den Urheber ihrer Schwangerschaft. Sie hatte Erfolg: Der Schwiegervater nahm sie in sein Haus. (1.Mose 38,15-26)

Auch über Sex in der Öffentlichkeit wird berichtet. Absalom, ein Sohn des König David, hatte gegen den Vater geputscht. Der König selbst konnte fliehen. Absalom besetzte den Palast, in dem sich die Konkubinen des Königs aufhielten. Auf einer Terrasse ließ Absalom ein Lager herrichten. Dort vollzog er den Geschlechtsakt mit den Frauen des Vaters vor den Augen der Öffentlichkeit. (2.Samuel 16,22)

Samen vom eigenen Vater

Besonders erfinderisch trieben es die Töchter des Lot. In der Einsamkeit ihres Berglandes fehlte es an Männern, und kinderlos wollten die beiden Damen auch nicht bleiben. Und das war ihr Trick: Sie machten eines Abends ihren Vater Lot betrunken, und dann vollzog die ältere Tochter mit ihm den Geschlechtsverkehr. Es war erfolgreich, wie sich herausstellen sollte. Danach wollte auch die jüngere Tochter schwanger werden. Sie wiederholten den Alkoholrausch für ihren Vater. Auch die jüngere Tochter wurde von ihrem Vater geschwängert. Wie man zur Kenntnis nehmen muss: Der Alkohol als Mittel zum Ziel sexueller Wünsche hat eine lange Tradition! (1.Mose 19,30-38)

Statt Homosexualität Vergewaltigung einer Frau

Ein durchreisender Priester hatte mit seiner Frau ein Nachtquartier in Gibea gefunden. Dort klopften Männer aus dem Ort an die Tür. „Bring uns den Mann heraus, der bei dir eingekehrt ist! Wir wollen mit ihm Verkehr haben." Der Gastgeber lehnte entschieden ab, bot jedoch seine Tochter an. Als die Männer keine Ruhe gaben, nahm der Priester seine Nebenfrau und führte sie zu ihnen hinaus. „Sie vergewaltigten sie die ganze Nacht über und ließen sie erst in Ruhe, als der Morgen dämmerte." (Richter 19,23-25)

Eine ähnliche Begebenheit wird von Lot erzählt. Bei ihm waren zwei Boten Gottes zur Übernachtung eingekehrt. Da kamen Männer aus dem Ort und wollten Verkehr mit den beiden Fremden haben. Der Hausherr lehnte entschieden ab, bot aber seine beiden Töchter zum Verkehr an. Die Männer Gottes setzten die Sexgierigen außer Gefecht, indem sie diese mit Blindheit schlugen. (1.Mose 19,5-10)

Beschimpfung mit sexuellen Attributen

Das Gottesvolk lebte in zwei Staaten mit den Hauptstädten Samaria und Jerusalem. Über die ungenügende Frömmigkeit ihrer Bewohner beklagte sich der Schreiber Ezechiel. Symbolisch gibt er den Städten die Frauennamen Ohola und Oholiba. Und – o lala – da kriegt der Schreiber einiges unter. Er verfällt in wüste Beschimpfungen über die Frauen. „Jerusalem du Hure!" (Ezechiel 16,35) „An jeder Straßenecke hast du dein Hurenlager aufgeschlagen und hast deine Schönheit in den Schmutz gezogen. Du warst unersättlich und hast vor jedem, der vorüberging, die Beine gespreizt. Deine Nachbarn, die Ägypter mit dem großen Glied, waren deine besten Freunde; mit ihnen hast du gehurt. Du hattest noch nicht genug und gingst zu den Assyrern, um mit ihnen zu huren, und auch das reichte dir noch nicht. Darum triebst du es mit den Babyloniern, diesem Händlervolk; doch auch da bekamst du nicht genug. An Schamlosigkeit warst du nicht mehr zu übertreffen." (Ezechiel 16,24-30)

Samaria, die im Ansturm der Assyrer zuerst untergegangene Stadt, ist wie die ältere Schwester von der gleichen ungezügelten Art. „Als sie ihre Lust mit den Babyloniern gestillt hatte, wurde sie überdrüssig und suchte nach neuen Liebhabern. Sie dachte an ihre Jugendzeit in Ägypten und sehnte sich nach den Freunden von damals, den Männern, deren Glied so groß ist wie das eines Esels und deren Samenerguss so mächtig ist wie der eines Hengstes." (Ezechiel 23,19-20)

Menschen mit Ausdrücken unterhalb der Gürtellinie zu beschimpfen hat eine lange Tradition, wie die Überlieferung zeigt!

Resümee

Wie zu sehen war, wird im Alten Testament die ganze Bandbreite menschlicher Sexualität ausgebreitet. Da wird kein Blatt vor den Mund und kein Feigenblatt vor die Scham genommen.Die Gesellschaft ist patriarchalisch. Je mehr Macho, desto besser. Die Frau wird nicht nach ihrem Willen und ihrer Bereitschaft gefragt, sondern nach männlichem Willen benutzt.Würde der Frau - Fehlanzeige. Die og. sexuellen Ereignisse fanden in der Epoche des Polytheismus statt. Ab wann kann man von sexueller Moral sprechen?

Im Alten Testament findet sich auch der Verhaltenskodex der 10 Gebote. Darin gibt es ein „Du sollst nicht ehebrechen", das allerdings nur in Verbindung mit dem Ein-Gott-Glauben. Nach biblischer Zeitangabe soll dieses Gesetz seit den Urzeiten der Volksgründung gegolten haben. Doch das ist ein erfundener, fiktiver Geschichtsablauf.

Die reale Geschichte weiß von 2 Staaten auf dem Boden des heutigen Israel. Der eine im Norden hieß Israel und wurde im Jahr 722 v.Chr. von den Assyrern ausgelöscht. Der andere, südliche Staat hieß Juda. Seine Hauptstadt Jerusalem wurde 587 v.Chr. zerstört. Die Babylonier verschleppten einen Großteil der Bevölkerung ins Exil nach Mesopotamien. Hier wurde begonnen, die Bücher Mose zwischen 550 und 450 v.Chr. niederzuschrieben. Eine Gesetzgebung unter dem Vorzeichen des Monotheismus hat es erst zum Zeitpunkt der abrahamitischen Religion gegeben. Und diese begann nach dem babylonischen Exil zur Zeit Esras. Um das Jahr 450 v.Chr. kam Esra von Babylon nach Jerusalem und verlas das Gottesgesetz. Erst aus dieser Zeit stammen die Reglementierungen zum Eheleben während der abrahamitischen Religion.

Dr. Jochen Rabast

Dieser Ansatz des geschichtlichen Bibelverständnisses ist ausführlicher nachzulesen bei
Jochen Rabast, Engel im Gepäck. Spuren zum Alten Testament , 2009 ISBN 978-3-8372-0562-6 und
Jochen Rabast, Umbruch der Religion. Von der abrahamitischen Religion zu Judentum,Christentum, Islam.
2.Aufl.2011, ISBN 9783839136829

 
 
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