Das AUS für Content-Farnen?
Die von einigen Seitenbetreibern gern verwendete Gelegenheit, Suchmaschinen-Optimierung (SEO) durch den Ankauf von minderwertigen Inhalten zu betreiben, wird nun von Google durch eine massive Veränderung des Suchalgorithmus verhindert. Als Konsequenz erfahren 11,8 Prozent der Seiten mit Top-Platzierungen eine Abstufung des Rankings in den Ergebnislisten. Die beiden Google-Mitarbeiter Amit Singhal und Matt Cutts informierten darüber in einem Blog-Beitrag. Bislang greift der modifizierte Such-Schlüssel jedoch nur in den Vereinigten Staaten, der weltweite Einsatz wird nach und nach vorgenommen.
So wird mindestens ein Seitenbetreiber pro Ergebnis-Seite, der die guten Platzierungen dem Erwerb von vielen mehr oder weniger unsinnigen Texten verdankt, abgestuft. Die Anpassung des neuen Algorithmus betrifft ebenfalls solche Webseiten, die ihre Inhalte von anderen Internet-Seiten kopiert haben und damit für die suchenden User keinen Mehrwert bieten.
Möglicher Weise ist auch die noch ziemlich junge Industrie der Fließband-Content-Fabriken betroffen. Dazu gehören unter anderem Demand Media, Associated Content oder Mahalo und mittlerweile auch AOL, sowie das deutsche CopyCat „content.de".
Der rasante Aufstieg dieser Massentext-Hersteller resultiert zu einem nicht unerheblichen Anteil auf der großen Nachfrage dubioser Webseitenbetreiber nach Inhalten, um durch diese Art der Suchmaschinen-Optimierung gute Plätze im Ranking zu erhalten. Trotz zahlreichen Hinweisen, dass Google für die Bewertung einer Webseite die Qualität der dort befindlichen Inhalte einfließen lassen würde, scheint dies in der Vergangenheit keinen großen Einfluss gehabt zu haben. Doch mit der aktuellen Anpassung gehört Suchmaschinen-Optimierung mit Spam-Inhalten der Vergangenheit an.
Das Geschäftsmodell von Demand Media
Der Aussage von Matt Cuts nach verdient Demand Media (Firmenwert ca. 1,9 Mrd. US$) außerordentlich viel Geld mit folgender Vorgehensweise:
Täglich werden Milliarden von Suchmaschinenanfragen mit einer Software analysiert, um die gerade sehr nachgefragten und somit teuersten Themen für das Buchen von Keywords zu finden. Anschließend machen sich 10.000 freie und schlecht bezahlte Autoren für Demand Media daran, um für diese ausgewählten Suchbegriffe wie am Fließband Texte zu schreiben und Videos zu produzieren (20$ pro Video, 15$ für einen Artikel mit 300 Wörtern). Die damit erzeugten Inhalte (mehr als 5.000 pro Tag) werden auf andere, gut platzierte Seiten gestellt und massiv mit Maßnahmen der Suchmaschinen-Optimierung (SEO) bearbeitet. Werden diese Seiten dann mit den ausgewählten Suchbegriffen gut gelistet, bietet Demand Media die Google-Anzeigen-Plätze im Umfeld des erzeugten Contents zum Kauf an. Laut Demand Media hat die Änderung des Algorithmus jedoch keinerlei Einfluss auf das laufende Geschäft. Einige Seiten ranken angeblich besser, andere schlechter. Ob dies den Tatsachen entspricht wird die Zeit zeigen. Trotz der Anpassung des Algorithmus wird der Trend, für wenig Geld möglichst viele Inhalte zu produzieren, anhalten.
Einzigartige und gute Inhalte werden mehr belohnt
Einige Webseiten-Betreiber werden nun gezwungen sein, sich um hochwertige Inhalte für die Suchmaschinen-Optimierung zu kümmern. Qualitativ hochklassiger Content wird verständlicher Weise auch deutlich höhere Kosten nach sich. Auch sollen neben einzigartigem Inhalt Webseiten mit ausführliche Analysen, wissenschaftlichen Arbeiten und umfangreichen, selbst recherchierten Berichten bei der Berechnung von Platzierungen besser gerankt werden.
Die Abstufung der minderwertigen Webseiten (Low-Content oder auch No-Content) erfolgte laut Aussage von Google nicht durch die Erkenntnisse von personalisierten Daten der Chrome-User. Denn vor kurzer Zeit hat Google für Ihren eigenen Webbrowser „Chrom" eine Zusatzfunktion (Personal Blocklist) entwickelt, die es den Chrome-Benutzern erlaubt, die Anzeige von selbst gesperrten Seiten bei der eigenen Suchergebnis-Liste zu unterbinden. Natürlich handelt es sich nur um eine personalisierte Anzeige und hat keinerlei Auswirkung auf die allgemeine Platzierung der (privat) gesperrten Seiten.
Google sieht die Verbesserung der Qualität bestätigt
Doch hat der Vergleich von den durch die User gesperrten Seiten mit den neuen Ergebnissen nach der Algorithmus-Änderung eine Übereinstimmung von 84 Prozent ergeben. Dadurch sieht sich Google bestätigt, dass das Update zu einer wesentlichen Verbesserung bei der Qualität in der Ausgabe bei den Suchergebnissen führt. Es stellt sich jedoch die Frage, in wie weit eine Berechnungs-Formel in der Lage ist, über Qualität zu urteilen. Selbst wenn die Qualität der Ergebnisse im englischsprachigen Raum deutlich verbessert werden konnten, muss dies nicht zwangsläufig identische Auswirkungen bei anderen Sprachen nach sich ziehen. Als gesichert kann angenommen werden, dass kopierte Inhalte, also Plagiate, mit einer Softwarelösung schnell identifiziert werden können. Wie die Diskussion um die Plagiatsvorwürfe von zu Guttenberg zeigt, gibt es verschiedene Ansichten, ab wie viel Prozent Übereinstimmung von einem Plagiat gesprochen werden kann.
Fazit: Mit diesem Update macht Google endlich wieder einen sinnvollen Schritt in Richtung Qualität und unterbindet -vorerst- fragwürdige Praktiken der Suchmaschinen-Optimierung.
Alexander Brantl