Stiftung Warentest testet Staubsauger, Camcorder, Kühlschränke und auch Versicherungen. Alle Jahre wieder auch
Zahnzusatzversicherungen. Richtig wird festgestellt, dass die Nachfrage nach Zahnversicherungen immer mehr zunimmt, da die Gesetzlichen Kassen immer weniger übernehmen. Richtig ist auch, dass die Versicherung unbedingt abgeschlossen werden muss, bevor eine Behandlung anliegt.
Im neuen Test im Mai Heft von Finanztest wird unterschieden nach Versicherungen nach Art der Lebensversicherung – es werden Altersrückstellungen gebildet, und der Beitrag wird nur bei Beitragsanpassungen erhöht, und nach Art der Schadensversicherungen – der Beitrag ändert sich auch mit dem Alter.
Der diesjährige Test zeigt deutlich, dass es immer darauf ankommt, worauf das Augenmerk gelegt wird – wenn man die Kriterien nur geschickt genug wählt, können Tarife an erster Stelle erscheinen, bei denen sich Experten die Augen reiben. Der Markt von Zahnversicherungen ist in Bewegung – gerade weil der Bedarf ansteigt. So kann es natürlich vorkommen, dass neue Tarife noch nicht im Vergleich vorkommen, wie der neue Tarif der Continentale (CEZP) oder der Allianz (740). Schwerwiegender sind fehlende Kriterien, wie z.B Knochenaufbau bei Implantaten, der bei vielen Implantatversorgungen nötig ist, und wenn dieser nicht dabei ist, steigt der Eigenanteil hoch.
Stiftung Warentest setzt den Tarif der Hanse Merkur an die erste Stelle, beachtet aber bei der Implantatversorgung nicht, dass hier der Knochenaufbau nicht versichert ist. Noch schwerwiegender ist es, dass die Hanse Merkur eine Sachkostenliste in ihren Versicherungsbedingungen integriert hat, wodurch die Leistungen eventuell nicht die versprochenen 90 % inklusive Gesetzlicher Kasse erreichen, da es Höchstgrenzen für bestimmte Behandlungen gibt. Auch dies wurde nicht berücksichtig. Der Tarif EZ+EZT+EZP von Hanse Merkur ist sicher kein schlechter Tarif, ihn aber unter diesen Gesichtspunkten auf den ersten Platz zu setzen, ist nicht nachvollziehbar. Weiter ist zu berücksichtigen, dass dieser Tarif eine recht niedrige Summenbegrenzung in den ersten 4 Jahren hat – wenn es in den ersten Jahren zu Zahnersatzkosten kommt, sind hier schnell die Grenzen erreicht.
Noch extremer ist dies beim weiteren Sieger, der Ergo Direkt. Hier können in den ersten 4 Jahren maximal 1000 € abgerechnet werden. Möglicherweise braucht man schon innerhalb der ersten 4 Jahre ein Implantat –das ist dann der Zeitpunkt, an dem man die Empfehlung von Stiftung Warentest nicht mehr nachvollziehen kann.
Tests und Vergleiche sind wichtig, gerade im Bereich der Zahnversicherungen, da es für den Laien fast unmöglich ist, die Feinheiten zu vergleichen. Es gibt allerdings einige Portale im Internet, die dies verantwortungsvoller machen, als Finanztest.