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Selbstverantwortung nicht vorhanden oder nicht erwünscht?

Autor: Grit Scholz | Erstellt am: 17.12.2010 | Gelesen: 526
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Abwasseranschlusszwang - Zwangsverschuldung - Zwangsenteignung

Ländliche Idylle - nicht mehr bezahlbar?
Ländliche Idylle - nicht mehr bezahlbar?
Bürger wurden gezwungen, sich Dinge zu leisten, die sie sich nicht leisten konnten und auch oft gar nicht wollten. Es gab fast nichts mehr, wofür der Bürger nicht bezahlen musste. Das Fatale daran war, dass der Mensch nicht mehr wählen durfte, ob er bestimmte Dienstleistungen nutzen mochte, oder nicht.

Wolltest du leben, musstest du zahlen - doch die dafür notwendigen Euros wurden immer knapper, denn das Geld kam nicht automatisch und nicht selbstverständlich in der Höhe, in der es zum Leben gebraucht wurde.

Der Staat war völlig verschuldet, die Länder und Gemeinden waren verschuldet und immer mehr Menschen wurden verschuldet. Das hieß, wir lebten ein Leben, was wir uns gar nicht leisten konnten. Oder es bedeutete, dass Geld gar keine Rolle mehr spielte, sondern sich lediglich in Zahlen ausdrückte, die rot oder schwarz waren, doch auch das spielte keine Rolle. Unser Staat z.B. konnte trotz Schuldenberge Milliarden spenden, oder investieren.

Bei den Privatpersonen sah das schon anders aus - da ging nicht viel, ohne regelmäßige Einkünfte. Hatte man diese, wurde man auch von sämtlichen Verkäufern zum Schulden machen eingeladen, hatte man diese nicht, bekam man gar nichts, nicht mal einen Kühlschrank auf Ratenzahlung von Quelle.

Es gab Zeiten, da war es zumindest auf dem Land noch möglich ein einfaches Leben zu leben, für welches man nicht monatlich große Summen Geld aufbringen musste, weil man unabhängig von den Zentralisierungsmaßnahmen mit eigenem Brunnen und eigener Klärgrube war. Meist waren es nur Stromgebühren, die monatlich entrichtet werden mussten.

Ich selbst hatte mich für solch ein Leben entschieden. In meiner Wahrnehmung war es Wahnsinn in der Stadt zu leben, denn die daraus entstehenden Abhängigkeiten und Zwänge waren nicht kalkulierbar. Es wurde für alles mögliche Gebühren erhoben und die Preise dafür konnten nach belieben erhöht werden, man war diesem System ausgeliefert. Ich wollte nicht gezwungen sein, so viel Geld verdienen zu müssen, um mir mein Leben in der Stadt überhaupt leisten zu können, ich wollte eine Situation schaffen, in der ich unabhängiger von regelmäßigen und nicht kalkulierbaren Ausgaben wurde, da meine Arbeit und das was mir am Herzen lag mich sehr unterschiedlich mit Geld versorgten. Ich wollte naturverbunden und ökologisch leben und lieber auf vermeintlichen Luxus verzichten, war gern bereit einfache Ofenheizung zu nutzen und mich im Winter dafür wärmer anzuziehen. Das Haus musste nicht groß sein, aber der Garten, damit ich mich im Notfall auch selbst versorgen konnte und im Normalfall einfach mein eigenes Gemüse und Obst genoss.

Doch auch das Leben auf dem Land wurde in Deutschland und sicher auch in anderen EU Ländern immer unbezahlbarer. Die Anwohner kleiner Dörfer und Gemeinden wurden gezwungen hohe Kosten für Straßenerneuerung, Straßenbeleuchtung, sowie Wasser- und Abwasseranschlüsse zu zahlen - die zum Teil komplett auf die Anlieger umgelegt wurden - ohne dass sich das jemand leisten konnte und ohne dass die Anwohner diese Maßnahmen explizit wünschten. Diese Auflagen kamen von "oben" wurde dann immer so schön gesagt, die Gemeinde wäre verpflichtet entsprechend den EU Beschlüssen und Beschlüssen des Bundes diese Auflagen bis zum Jahr XXXX erfüllt zu haben.

Für viele Dorfbewohner bedeuteten diese Zwangsmaßnahmen hohe Verschuldungen, denn es konnte schnell passieren, dass da innerhalb von kurzer Zeit 50.000 Euro - nach oben hin waren keine Grenzen gesetzt, anfielen, die - wenn sie nicht bezahlt werden konnten, als Schulden ins Grundbuch eingetragen wurden, mit entsprechendem Zinssatz.

Die Leute auf dem Land waren meist schon älter und es waren einfache Menschen, da wehrte sich kaum jemand, sondern sie klagten still, sie verfielen in Depression, oder Alkoholsucht, sie dachten, dass man ja nichts dagegen machen konnte, wenn es "von oben" kam. Im stillen dachten sie vielleicht sogar, dass es wohl so sein müsste - sonst würden "die da oben" das ja nicht machen. Außerdem war in sämtlichen Schreiben immer von den "Bevorteilten" die Rede, womit die Anlieger gemeint waren. Manch einer der sich hier in Deutschland gewehrt hatte und allein auf weiter Flur stand, hatte anschließend noch hohe Anwaltskosten zu zahlen, oder seine Barrikade wurde von der Polizei geräumt.

Als Bemessungsgrundlage für die Kosten des Hauswasseranschlusses legten die Gemeinden die Grundstücksgrößen zugrunde, obwohl es ja um Hauswasser, also um Wohnraumfläche ging. Das hieß, jemand mit einem großen Stück Land, egal ob Grünland oder Bauland und einem kleinen Haus zahlte ungeheuerlich viel mehr, als jemand mit wenig Land und einem großen Haus. Wie konnte das sein? Sicherlich, weil auf dem Land die meisten Grundstücke recht groß waren und die Wohnhäuser im Vergleich recht klein - so kam vielleicht mehr Geld rein.

Aber es kam kein Anwalt gegen dieses Berechnungssystem an, weil es von den AZV (Abwasserzweckverbänden) allgemein so gehandhabt wurde. Erstaunlich war auch, dass die meisten erschwinglichen Rechtsschutzversicherungen in ihren Verträgen den Versicherungsschutz gegen Anliegerabgaben und Erschließungskosten ausschlossen.

Die Eigentümer sparten oft jahrelang, um z.B. ihr Dach reparieren zu können oder andere notwendige Maßnahmen zum Erhalt ihres Hauses, ihrer Existenzgrundlage zu tätigen und plötzlich hatten sie 50.000 Euro Schulden in ihrem Grundbuch stehen, bei einem Haus, welches vielleicht 20.000 Euro Marktwert hatte - so dass nicht mal der Verkauf die Menschen vor den Schulden retten konnte. Der Schulden nebst Zinsen war es nicht genug, der Anlieger musste nach den erzwungenen Modernisierungsmaßnahmen laufende Kosten tragen, die er früher nicht hatte und die für viele unbezahlbar waren. Die laufenden Kosten waren auch nicht nur die des Verbrauches, sondern es gab bei allem eine Grundgebühr - die immer zu zahlen war, egal ob man etwas verbrauchte oder nicht. Wie konnte es eine Grundgebühr geben, wenn die Anwohner doch die Zugänge, die Anlagen bereits bezahlt hatten?
Also wurde hier drei mal bezahlt, einmal für den Bau des Kanals und der Anlage, einmal dafür, dass man sie benutzen musste (Grundgebühr) und einmal dafür wieviel Wasser und Abwasser tatsächlich floss.

Am Beispiel der Badewanne wird das gut deutlich, man zahlte das Wasser (zentraler Trinkwasseranschlusszwang), dann Strom, Gas oder Öl zum Wasser anwärmen und am Ende noch einmal für das Abwasser (zentraler Abwasseranschlusszwang). Und nebenbei zahlte man die Schulden ab und die Zinsen, die durch den Bau dieser Wasseranschlüsse entstanden waren. Sprich, zu Hause zu baden musste man sich leisten können - da nützte einem kein schönes Badezimmer, wenn es unbezahlbar war, es zu benutzen, einmal Baden kostete mit Gebühren und Grundgebühren - die Anschaffungskosten und Zinsen auf 10 Jahre gerechnet zwischen 7 und 10 Euro, wenn man es 1 x wöchentlich tat. So rechnete natürlich niemand, weil man das auch gar nicht so genau berechnen konnte. Doch so viel Geld, um das alles zusätzlich zu zahlen, was vorher nicht zu zahlen war, hatten die meisten Leute auf dem Land nicht, zusätzliche Einnahmequellen entstanden nicht so zwangsläufig, im Gegenteil - es wurden die wenigen Möglichkeiten die es gab oft wegrationalisiert.

So kam es, dass Häuser und Höfe zwangsversteigert wurden, wodurch die Schulden aber nicht alle getilgt werden konnten - womit die Leute ihren Heimatplatz verloren hatten und gleichzeitig weiter Schulden hatten und nun gezwungen waren in einer Mietwohnung zu leben, für die sie auch nicht das nötige Geld aufbringen konnten. So wurden sie dann zu Wohngeldempfängern, waren Insolvent oder bekamen Unterstützung vom Amt - obwohl sie vorher auf ihrem Hof in Frieden hatten leben können - aus eigener Kraft heraus.

Sicherlich machte es den Verantwortlichen viel Mühe, den EU Vorschriften und Gesetzen des Bundes Rechnung zu tragen. Die meisten kleinen Gemeinden waren damit völlig überfordert und gaben dankbar die Verantwortung an Abwasserzweckverbände ab, bei denen sie Mitglied wurden, um Maßnahmen in diesen Größenordnungen überhaupt realisieren zu können. Sie wanden sich nicht an ihre Gemeindemitglieder - weil auch diese von solch großen unüberschaubaren Projekten überfordert gewesen wären. So entstand eine Zentralisierung die sich am Ende gegen die Menschen und gegen das Leben auf dem Land richtete, statt z.B. die Abwasserthematik wirklich sinnvoll, menschlich und nachhaltig zu klären.

Dahin hatten uns nun die Modernisierungen gebracht - früher wurde der Badeofen geheizt, mit Holz, was auf dem Grundstück immer anfiel, das Wasser kam aus dem eigenen Brunnen und das Abwasser floss in die eigene Klärgrube oder Sickergrube - ein Bad zu nehmen war also auch ohne Geld möglich.

Doch nun war es so, wenn ich Besuch von vier Freunden bekam, die 2 Wochen blieben und gewohnt waren, jeden Tag zu duschen, dann wurde das für mich eine so teure Angelegenheit, dass ich mir diesen Besuch nicht mehr leisten konnte, oder Geld für Badbenutzung von meinem Besuch verlangen musste.

Es schien günstiger, sich eine Jahreskarte für das Schwimmbad zu kaufen, falls man das Glück hatte, in der Nähe solch einer Einrichtung zu leben (was die Leute auf dem Land meist nicht hatten), weil das am Ende günstiger und kalkulierbarer war, als das eigene Bad zu benutzen. Vielleicht wurde aus diesem Grund die Grundgebühr für Strom, Wasser und Abwasser erfunden, denn auch wenn der Anwohner oder Mieter so gut wie nichts mehr verbrauchte - weil er sich anderweitig günstiger versorgen konnte, floss weiter Geld zu den Anschlussbetreibern.

Würde unsere Industrie und Wirtschaft nicht so viele giftige Putzmittel und Lebensmittel hergestellt haben, die unserer Umwelt schadeten und natürlich auch Mensch und Tier und würden nicht die meisten Ärzte bei jedem Schnupfen Antibiotika verschrieben haben und die Menschen mit Hormonpräparaten versorgt haben, wäre die Wasser- und Abwassersituation auch unbedenklicher gewesen und es hätte gar keinen Grund für diese Zwänge gegeben.

Dazu mussten aber mehr und mehr Menschen bereit sein, auf den Kauf solcher Produkte zu verzichten. Oder wir brauchten eine Politik, die bei der Industrie ansetzte und nicht bei den Verbrauchern. Würde der Zentralisierungswahn aufgehört haben, dann wäre individuelles Leben, je nach Einkommensmöglichkeiten wieder realisierbar.

Dazu müssten aber mehr und mehr Menschen bereit gewesen sein Verantwortung für sich und allgemein für Mensch und Tier sowie die Umwelt (Mutter Erde) zu übernehmen, dann wären solche Zwangsmaßnahmen nicht mehr durchführbar gewesen, weil es die "armen Opfer" nicht mehr gegeben hätte, sondern bewusste Menschen, die es sich nicht bieten ließen - dass "von oben" (EU und Bund) über sie verfügt wurde.

Es war wie es war und wir konnten die Situation nur verändern, wenn wir uns selbst veränderten. Denn wenn wir ganz ehrlich waren, gab es eine riesen große Zahl von Menschen, die einfach alle Verantwortung abgeschoben hatte, an Eltern, Arbeitgeber, das Land... Sie forderten und verlangten, sie wollten versorgt und versichert sein, waren aber nicht bereit ihren Teil dazu beizutragen. Da war es egal, ob die Menschen durch die staatliche Führung verblödet wurden und abhängig gemacht wurden, oder ob die staatliche Führung sich nicht zu helfen wusste, wie sie so ein unverantwortliches und sich nach Führung und Vorschriften sehnendes Volk lenken und leiten sollte. Keiner konnte mehr sagen, was zuerst da war, das Huhn oder das Ei.
Solange die Masse von dieser Tendenz durchdrungen war, konnte sich nicht wirklich etwas verändern. Ausser dass das System sich selbst zerstörte und dadurch die Menschen gezwungen wurden aufzuwachen...

Anmerkung:
Dieser Artikel wurde in der Vergangenheitsform geschrieben, weil ich nicht durch die Ausdrucksweise, diese Umstände festklopfen wollte, sondern überzeugt bin, dass es gestern noch so war, aber morgen nicht mehr so sein muss.

Links zum Thema:
abwasser-marsch.de/brb.html
www.klaeranlagen-vergleich.de/wordpress/2007/05/04/demonstration-gegen-abwasser-anschlusszwang/
vdgn.de/menue/problem/wasser/chimaere.html
www.rebmann.net/ig-abwasser/grundlagen/einsicht.pdf

Grit Scholz

 
 
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