"Du darfst so sein wie du bist" von Ira Kröker. Verlag Driediger.
Sich selbst zu verstehen, den eigenen Antrieb, Emotionen, die Art wie man "tickt", ist eine Grundvoraussetzung, um erfolgreiche Beziehungen zu führen und Sinn im Leben zu finden. Ohne sich selbst zu erkennen, ohne die Bereitschaft, mehr über sich selbst zu erfahren, ähneln Beziehungen eher einem Krieg zwischen unabhängigen Egos. Das Leben findet nur noch als Hetze nach Mehr statt.
Sich selbst zu finden hat dabei nichts mit fernen Reisen zu erleuchteten Gurus zu tun oder dem Eintritt in ein Kloster. Vielmehr hat es damit zu tun durch Innenschau zu entdecken, wer man wirklich ist, sodass man anfängt, sich zu akzeptieren, wie man ist, ja sich selbst zu lieben.
Dabei ist es ein merkwürdiges Phänomen, dass Menschen Schwierigkeiten haben, sich selbst zu lieben. Vordergründig betrachtet sollte es doch das einfachste der Welt sein, da wir ständig damit beschäftigt sind, für uns selbst das beste und meiste aus Allem herauszuholen, es uns möglichst angenehm und schön zu machen. Nicht umsonst ist der Überlebungsinstinkt der Stärkste den wir haben. Doch warum fällt es den Meisten so schwer, sich selbst zu lieben, sich zu akzeptieren, wie man ist?
Liebe ist in erster Linie eine Einstellung gegenüber sich selbst, die sich dann nach außen widerspiegelt. Eine Einstellung, die vielen Menschen Schwierigkeiten bereitet, da sie tag täglich Reaktionen, Einstellungen, Haltungen, Abneigungen, Körperteile etc. an sich entdecken, die sie nicht mögen oder vielleicht sogar hassen. So bildet man sich ein negatives Urteil über sich selbst und lehnt Menschen mit ähnlichen Merkmalen ab, während man andere "positive" Eigenschaften, die man nicht hat, bewundert. Dadurch unterdrückt man Teile seiner ureigensten Persönlichkeit, sodass man sich schließlich als Ganzes nicht mehr akzeptiert. Jedoch ist man nun mal diese Person und jedes mal, wenn der ungeliebte Teil der Persönlichkeit zu Tage tritt, versinkt man immer mehr in Selbstbeschuldigung und Selbstmitleid. Das führt oft zu Angst und Aggression, sich selbst und anderen gegenüber.
Um nun mit sich selbst ins Reine zu kommen und zu einer ausgeglichenen, sich selbst liebenden Person zu werden, ist es wenig hilfreich, sich einzureden, der ungewollte Teil in mir würde gar nicht existieren. Selbstverleugnung führt uns weg von der Realität und treibt einen Keil ins Innere unserer Persönlichkeit. Auch wenn man dann äußerlich Gesund wirkt, erscheint man anderen oft abgehoben, der Realität entrückt, manchmal "zu gut um wahr zu sein". Oft ein Ergebnis von Selbstverleugnung und Verdrängung und ein Versuch, eine andere, "bessere" Person zu sein. Eine, so denkt man, die man besser lieben kann. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Man "verkommt" zu einer Karikatur und entwickelt eine in sich zerrissene Persönlichkeit.
Im Prozess, sich selbst zu akzeptieren und zu lieben geht es vor allem darum, sich zu erlauben, so zu sein, wie man wirklich ist, authentisch zu sein. Und das bedeutet vor allem, das man herausfinden muss, wer man wirklich ist. Was sind meine innersten Wünsche? Was ist mein Antrieb? Wo will ich hin und was ist mir wichtig im Leben? Was sind meine Werte? Viele Menschen leben nicht ihre eigenen Werte, sondern die ihrer Eltern, Pfarrer, Freunde, Chefs. Hat man erst mal erkannt, wer man wirklich ist, so wird man feststellen, das es gar nicht so schwer ist sich selbst zu lieben, da man sich plötzlich aus einer ganz neuen Perspektive sieht und beginnt zu verstehen, wer man wirklich ist.
Zur weiteren Vertiefung ein Buchtipp: "Du darfst so sein wie du bist" von Ira Kröker. Verlag Driediger.