Rainer Sauer/Autor
Diese Übung fürs
Bewußtwerdungs Programm kann regelmäßige Anwendung und Trainings Möglichkeiten im Alltäglichen finden. Es gibt eigentlich keine Zeit des Tages, in welcher wir nicht genügend Material zum Praktizieren dieser Technik auffinden. Die Übung heißt mit einem Satz gesprochen: Wenn du etwas willst, sage ein klares JA. Und wenn du etwas nicht möchtest, dann sage ein deutliches NEIN. Dies ist eine von den speziellen Übungen, bei denen wir durch ihre Einfachheit und Schlichtheit allzu leicht in Versuchung kommen, ihren praktischen und effektiven Wert zu übersehen. Worauf wir hier deshalb vor allem achten sollen ist, daß diese simple Technik dadurch ihre enorme Wirkungskraft erhält, daß wir ja nicht nur lernen wollen, ein klares Ja oder Nein auszusprechen, was an sich schon ein durchaus akzeptabler Gewinn wäre, sondern daß dies ein ausgedehnter Selbst Bewußtwerdungs Prozeß ist, welcher mit der Ahnung, mit dem
Bewußt Werden über das, was wir wirklich wollen, beginnt. Und uns als Leitfaden auf unserer
Trainings Strecke, unserem Lebens-Weg entlangführt, welcher uns Selbst Einsicht gewährt bis hin zur unmißverständlichen Klarheit des innerlich bekundeten Ausdrucks. Ein Prozeß, welcher schließlich ins End Resultat mündet, bei dem dieser innere Eindruck letztendlich in uns und außerhalb von uns als deutlicher Lebens Ausdruck manifest wird.
Wir versuchen zuerst eine Sensibilität dafür zu entwickeln, unsere Unklarheiten, unsere Unentschiedenheit, unser undeutliches Mitteilen zu erkennen. Also unsere undeutlichen Jas und Neins in uns aufzufinden, sie in ihrer unmittelbaren Aktivität zu enttarnen. Wir schauen uns unsere inneren Entscheidungsvorgänge an und betrachten auch, wie wir deren Resultate nach außen vermitteln. Und bekommen somit Stück für Stück mehr Klarheit über die Unklarheiten, welche in uns bestehen, was faktisch gesehen ein wesentlicher Schritt in Richtung Bewußtwerdung ist. Hier werden die meisten von uns mehr als genügend Arbeits Material vorfinden und eher Schwierigkeiten damit haben, sich für etwas zu entscheiden, um damit in die praktische Anwendung zu gehen. Hier kann ich nur betonen, daß es wirklich völlig egal ist, mit was man anfängt und daß es durchaus legitim ist, sich anfänglich etwas Leichtem zu widmen. Wenn wir uns ein Thema ausgesucht haben, beginnen wir den weiteren Bewußtwerdungs Prozeß damit zu aktivieren, uns möglichst ehrlich, aufrichtig und gewissenhaft zu fragen, was wir wirklich möchten und dies ganz unabhängig davon, was das in nächster Konsequenz für uns bedeuten mag. Und wir versuchen, diese Frage in uns mit der Bereitschaft auszusprechen, wirklich auch die klare und ehrliche Antwort empfangen zu wollen und somit natürlich auch entsprechend Raum und Zeit zum Gedeihen und zur Reifung derselben zur Verfügung stellen. Falls wir bereit sind, dieser Klarheit zu begegnen, werden wir auch ein eindeutiges und unzweifelhaftes Ja oder Nein antreffen, welches auf jeden Fall schon bereits vollkommen in uns existiert. Damit haben wir auch schon einen großen Schritt in Richtung unseres Selbst Bewußtseins getan, sind uns nämlich ein gutes Stück klarer darüber geworden, also uns selbst bewußter geworden, was wir wirklich wollen.
Die nächste wesentliche Handlung, welche dem Prozeß zugrunde liegt, ist das Üben, dieses klare Ja oder Nein so transparent wie nur möglich werden zu lassen, also diesem Ja oder Nein nach außen hin deutlich sichtbar authentischen, erkennbaren Ausdruck zu verleihen. Und auch das findet in einem Prozeß statt, bei dem ein langsames Anwachsen von Deutlichkeit und Klarheit vonstatten geht, indem wir uns zunehmend erlauben, unsere innere schon bestehende selbst bewußte Wahrheit nach außen hin deutlich zu verkünden, welches einem Erwachsen und Mehren von Selbst Bewußtsein entspricht. Wir können nicht erwarten, daß dieses echte Selbst Bewußtsein von vornherein besteht, sondern müssen es uns in der Begegnung mit den inneren und äußeren Hindernissen und Widerständen in langsamer und behutsamer Weise aneignen. Hier können wir auch gut erkennen, daß ein äußerlich aufgesetztes Selbst Bewußtsein, also das Vorspielen einer falschen Tatsache, wie z. B. das Erlernen selbstbewußten Auftretens, ohne daß dies von selbst in uns in Form dieses Selbst Bewußtseins Prozesses erwachsen ist, uns nicht wirklich ein echtes Gefühl von Selbst Sicherheit verschafft. Dies ist nur ein weiterer Automatismus, welchen wir abspielen lassen und während dessen Anwendung wir unglücklicherweise den unmittelbaren Kontakt zur Realität und auch zu uns selbst einbüßen. Praktisch eine Selbst Bewußtseins Maske, welche nur bedingt funktioniert und uns keinesfalls das gewünschte Ergebnis erlangen läßt, da wir nicht wirklich in Berührung gehen und auch nicht wirklich berührbar sind, also nicht selbstbewußt Begegnung eingehen können. Ein echtes Selbst Bewußtsein ist demnach ein authentisches, selbstsicheres und selbstbewußtes Auftreten und kommt immer nur als Resultat aus dem kontinuierlichen Vorgang unserer etablierten Selbsterkenntnis zum „Vorschein", basiert also auf unserer Bewußtwerdung, dem Erkennen unseres Selbst. So bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als uns der Realität zu stellen, unsere Unklarheiten anzunehmen und sie bewußt im Reinigungs Prozeß des Lebens zu Klarheit werden zu lassen.