Patienten hoffen auf die Behandlung mit neuen Medikamenten
Interne Medikamente kommen bereits seit Jahrzehnten bei der Behandlung von Schuppenflechte zum Einsatz. Substanzen, die das Immunsystem modulieren, stellen die dritte Säule der Psoriasis-Therapie neben der Lichttherapie und äußerlichen Anwendungen von Cremes und Salben dar. Dazu zählen Methotrexat, Ciclosporin und die Fumarsäureester. So gut diese Substanzen bei vielen Patienten helfen, so problematisch sind z.T. ihre Nebenwirkungen auf Leber, Nieren und Blutdruck.
Die Behandlung kann - wenn nötig - zumeist jahrelang durchgeführt werden, ohne dass, gravierende Begleiterscheinungen auftreten. Eine Zeit lang kann man dem Patienten auch dadurch helfen, dass die Therapien abwechselnd eingesetzt oder miteinander kombiniert werden. Doch irgendwann sind bei vielen Patienten die Möglichkeiten ausgereizt.
Was tun, wenn die Behandlung ausgereizt ist?
Ein praktisches Beispiel für das therapeutische Dilemma nennt Professor Dr. Ulrich Amon, Ärztlicher Direktor der PsoriSol Fachklinik für Dermatologie und Allergologie in Hersbruck: „Stellen Sie sich vor, ein Patient kommt zu Ihnen, der Gelenkschmerzen hat und nicht mehr arbeiten kann. Methotrexat schlägt nicht an, und Ciclosporin können Sie ihm wegen der Nebenwirkungen nicht geben. Da war bisher Ende der Fahnenstange."
Weil die mögliche Therapiedauer zum Teil begrenzt ist und die Medikamente nicht bei allen Kranken wirken oder bei Patienten mit Begleiterkrankungen oft von vornherein nicht einsetzbar sind, warteten Ärzte und Betroffene lange auf Alternativen.
Hoffen auf „Biologika"
Die gibt es nun: In den vergangenen Jahren kam eine Reihe von neuen, gentechnisch hergestellten Medikamenten auf den Markt, die den zerstörerischen Immunprozess gezielter hemmen als die etablierten Mittel. Diese Eiweißstoffe sind natürlichen körpereigenen Substanzen sehr ähnlich, so dass sie bei verschiedenen Regulationsmechanismen, fördernd oder hemmend je nach Erfordernis, Einfluss nehmen können. Biologics greifen so gezielter in immunologische Prozesse des Krankheitsgeschehens ein, als es mit den herkömmlichen Behandlungsoptionen möglich ist. Spätfolgen vieler immunologischer Erkrankungen (z.B. Gelenkveränderungen und -zerstörungen bei verschiedenen entzündlichen Gelenkerkrankungen) können mithilfe von Biologics vermindert, gestoppt oder zumindest herausgezögert werden.
Ein Teil der neuen Substanzen stammt aus der Rheumatherapie. Sie wurden zunächst bei Psoriasis-Patienten getestet, deren Gelenke befallen waren. Dabei zeigte sich, dass sie auch den Hautausschlag zumeist erheblich verbessern können.
Amon: „
Wir haben jetzt eine wertvolle Alternative. Und vieles spricht dafür, dass die Therapie mit Biologika auf lange Sicht durchführbar ist. Wir haben in den letzten vier Jahren sehr gute Erfahrungen damit gemacht um zum Teil sogenannten hoffnungslosen Fällen zu einer erheblichen Verbesserung ihrer Lebensqualität verhelfen können."
Krankheit in den Griff bekommen
Amons Hoffnung: Künftig sollen Psoriasis-Patienten nicht ständig wegen der Nebenwirkungen die Therapie wechseln müssen oder nur bei starken Schüben wirksam behandelt werden. „Die Leute wollen nicht nur Krisenintervention", erklärt der Hautexperte, „sie wollen die Krankheit dauerhaft im Griff haben."
Anlass zur Hoffnung bietet ein Vorteil der Biologika, der extrem hoch eingeschätzt werden muß: Im Gegensatz zu den bisherigen Arzneien sind keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt, die den Einsatz begrenzen. Allerdings fehlt auch bei den neuen Mitteln noch die Langzeiterfahrung.
Deshalb dürfen alle neuen Biologika bisher erst dann eingesetzt werden, wenn die herkömmliche Therapie ausgereizt ist. Erst wenn diese nicht ausreichend wirkt oder der Patient sie nicht verträgt, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die sehr teuren Biologika. Bei schwerer Herzschwäche und einer Reihe von anderen Krankheiten sind die Mittel ohnehin tabu.
Da Eiweiße im Magen-Darm-Trakt zerstört werden, können Biologics in der Regel nicht in Tablettenform verabreicht werden. Sie werden daher per Infusion direkt ins Blutsystem, oder als Spritze unter die Haut ins Unterhautgewebe gegeben. Hier können sie unzerstört vollständig aufgenommen werden. Die subkutane Injektion ist durch den Patienten selbstständig durchführbar. Die Infusionen werden hingegen in der Arztpraxis unter ärztlicher Aufsicht gegeben.
Petra Scharf, tel:09187/959404,
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