Neues Verkehrsprobleme programmiert: Am östlichen Ende der Viehbachtalstraße (Foto: Frankfurter Dam
Die nun endlich vorliegende Verkehrsuntersuchung zum Neubau der B 229 - OU Langenfeld und der L 405 BA III, Neubau von der L 141 bis B 229 Landwehr weist eine Reihe gravierender Mängel auf, die zur Zeit in der öffentlichen Diskussion leider keine Rolle spielen. Entweder wurde das Gutachten gar nicht, oder nur oberflächlich gelesen. Anders ist die kritiklose Übernahme der im Gutachten favorisierten Neubau-Lösung nicht zu erklären.
Die Liste der Mängel im Einzelnen: Bei der Prog-nose der Verkehrsentwicklung geht der Gutachter von moderat (!) steigenden Kraftstoffkosten bis 2025 aus. Er schätzt, dass die Kostenentwicklungen im IV und ÖV annähernd parallel verlaufen und damit keine Verschiebungen in der Verkehrsmittelwahl zu erwarten sind. (S. 19/20 der Langfassung). Wir wissen nicht, woher der Gutachter seinen Optimismus zur Entwicklung der Kraftstoffkosten nimmt. Die Wirklichkeitsferne ist aber offensichtlichDie vom Gutachter behauptete Zunahme des gesamten Güterstraßenverkehrs um 58% erschließt sich nicht aus der im Gutachten angegebenen Quelle („Prognose der deutschlandweiten Verkehrsverflechtungen 2025"). Nach dieser Untersuchung wächst im entsprechenden Umfang nur der Straßengüterfernverkehr, der Straßengüter-nahverkehr dagegen steigt bis 2025 nur um 3%.
Der Gutachter prognostiziert bis 2025 ein moderat steigendes Verkehrsaufkommen und vergisst dabei offensichtlich seine eigenen Verkehrszählungen im Untersuchungsgebiet. Bei denen stellt er selbst bereits für den Zeitraum 2005 bis 2009 sinkende Verkehrs-teilnehmerzahlen fest (Seite 9, Langfassung des Gutachtens). Man kann davon ausgehen, dass sich diese Tendenz angesichts stark fallender Einwohnerzahlen für die Zeit bis 2025 eher noch verstärken wird und zu einem langfristig kräftig schrumpfenden und nicht zu einem moderat steigenden Verkehrsaufkommen führt.
Den Ausbau des Straßenzugs L141/L405n/B229n bezeichnet der Gutachter als „durchgängig planfrei" (Langfassung, S. 46). Am Knoten Landwehr soll also keine ebenerdige Kreuzung entstehen. Über die Zahl der Fahrstreifen trifft das Gutachten gar keine Aussage. Angesichts der prognostizierten Belastungen der B229n (im favorisierten Netzfall 2 24.000 Fz/Tag) nehmen wir aber an, dass man von einem 4-streifigen Ausbau ausgeht!
Das Gutachten erfasst und beurteilt Be- und Entlastungen im nachgeordneten Straßen-netz für ausgewählte Streckenabschnitte. Unverständlicherweise fehlt aber zum Beispiel der bereits heute bis an seine Grenze belastete Abschnitt der B229 im Bereich des Busbahnhofs Aufderhöhe. Für diesen Bereich wird in vielen Netzfällen mit erheblichen Mehrbelastungen zu rechnen sein. Diese bleiben bei der Bewertung der Netzfälle im Gutachten völlig unberücksichtigt.
Bei der Bewertung der Varianten werden lediglich vier problematische Knotenpunkte behandelt: Heutiger Autobahnanschluss, Knoten Landwehr, Knoten Schneiderstr./Hardt in Langenfeld, Knoten Bonnerstraße / Langhansstraße (Langfassung S. 44). Hierbei handelt es sich um eine höchst leichtfertige Vorgehensweise, denn die Auswirkungen der Netzveränderungen sind wesentlich weiter zu fassen. Sie führen zu Problemen an Knotenpunkten, die im Gutachten aus nicht nachvollziehbaren Gründen überhaupt nicht behandelt werden: z.B. Aufderhöher Straße / Löhdorfer Straße oder östliches Ende der Viehbachtalstraße / Frankfurter Damm).
Das Gutachten betrachtet den Durchgangsverkehr im Untersuchungsgebiet als weitgehend auf die Autobahnen beschränkt (Langfassung, S.21). Bei der favorisierten Variante (B229n + L405) ergibt sich jedoch angesichts häufig auftretender Überlastungen am Hildener Kreuz und auf der A46 eine neue alternative Strecke für den Verkehr von der A3 in Richtung Wuppertal. Dieser Faktor bleibt der Berechnung und Bewertung vollkommen unberücksichtigt.
Generell gilt für den Stadtteil Aufderhöhe, dass sich alle Varianten, die die B229n mit Ende an der Kreuzung Landwehr beinhalten, äußerst negativ auswirken. Lediglich die Verlängerung zur Viehbachtalstraße (L405) könnte dieses Problem beheben, verlagert es jedoch prompt an das östliche Ende der Viehbachtalstraße. Dort sind am Frankfurter Damm bzw. an der Mangenberger Straße im favorisierten Netzfall 2 zusätzlich 7.000 Fz/Tag zu erwarten. Diese Anschlüsse sind damit hoffnungslos überfordert. Das Gutachten berücksichtigt diese offensichtlichen und für den Solinger Verkehr höchst relevanten Auswirkungen überhaupt nicht.
Alle mit der B229n verbundenen Netzfälle führen entweder in Solingen-Aufderhöhe oder im favorisierter Netzfall 2 am östlichen Ende der Viehbachtalstraße zu deutlichen Überlastungen im Straßennetz und müssen deshalb folgerichtig ausgeschlossen werden.
Abschließend und zusätzlich bleibt festzustellen: Das Gutachten weist schwerwiegende fachliche Mängel auf. Darüber hinaus berücksichtigt es nicht die erheblichen Kostenunterschiede der einzelnen Varianten (Netzfälle). Eine kurzfristig realisierbare
Ertüchtigung der heutigen A3-Anschlusstelle als weitere mögliche Alternative wurde nicht als Vergleichsvariante einbezogen.
Aus den genannten Gründen ist die Untersuchung aus unserer Sicht als Basis für eine fundierte inhaltliche Diskussion und Entscheidungsgrundlage nicht ernst zu nehmen. Hierzu müssen korrekte Fakten, resp. plausible Annahmen zugrunde liegen.
Bürgerinitative L405/B229nein
Sprecher: Werner Koch - Joachim Pütz - Jens Bederke
www.l405-b229nein.de