In absoluter Schwerelosigkeit herumzufliegen ist etwas faszinierendes. Videos und Bilder von der Internationalen Weltraumstation ISS oder von älteren Weltraumstationen wie die sowjetische Mir und Salyut oder der amerikanischen Weltraumstation Skylab rufen den Wunsch hervor, selber einmal in totaler Schwerelosigkeit herumzufliegen. Das ist möglich, und zwar nicht nur für Superreiche Weltraumtouristen wie Dennis Tito die sich einen Ausflug in die ISS für über 25 Mio USD leisten.
Menschen wollten schon immer fliegen. Leider ist dies aber ohne technische Hilfe nicht möglich. Und schon manch einer hat einen Flugversuch mit dem Leben bezahlt. Ausnahmen wie James Bond oder der "Swiss Rocket Man" Yves Rossy benötigen immer noch technische Hilfe um abzuheben. James Bond benützte einen Bell Racketengurt zur Flucht nachdem er den Oberst Bouvar im Intro des Films "Thunderball" erschossen hat. Yves Rossy kann sogar Loopings fliegen in seinem selber konstruierten Wingsuit. Der Schweizer Rossy kommt vermutlich dem Flug eines Vogels heute am nächsten. Fallschirmspringer im freien Fall fliegen nicht, sie fallen.
Doch fliegen ist möglich - wenigstens für einen kurzen Zeitraum. Es ist heute möglich in einem speziellen Parabelflugzeug Schwerelosigkeit erleben. Diese speziell verstärkt konstruierten Parabel Flugzeuge mit dem unschönen Übernamen "Kotzbomber" wurden konstruiert um Laborversuche unter Schwerelosigkeit zu simulieren, sowie für Astronautentraining in den USA beziehungsweise Kosmonautentraining in Russland. In Russland finden die Schwerelosigkeitsflüge in einer speziell verstärkten Il-76 MDK statt, welche die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos sowie seit der Zusammenarbeit mit ESA und NASA für Trainings verwendet. Die Flüge finden im russischen Sternenstädtchen nahe Moskau statt, der Ort in dem der berühmte Kosmonaut Juri Gagarin wohnte.
Nicht ganz so gross wie die Il-76 MDK ist die Boeing 727 in den USA. Es hat also weniger Platz zum in der Schwerelosigkeit herumzufliegen. In den USA wird beim Flug auch noch Mondanziehung und Marsanziehung simuliert.
Wie funktionieren Schwerelosigkeitsflüge?
Schwerelosigkeitsflugzeuge fliegen riesige, langgezogene Parabeln. Durch ein G-Messgerät stellt der Pilot sicher dass genau 0g, also Erdanziehungskraft null, sprich Schwerelosigkeit im Flugzeug herrscht.
Zunächst gewinnt das Flugzeug Geschwindigkeit indem es steil nach unten fliegt. Nun zieht der Pilot die Nase hoch, es herrscht ungefähr doppelte Erdanziehung an Board, also 2g. Das Zero G Schwerelosigkeitsflugzeug geht in einen steilen Steigflug über. Nun fliegt der Pilot eine lange Parabel, nachdem der Scheitelpunkt überflogen ist geht das Flugzeug in den Sinkflug über, am Schluss sinkt das Flugzeug wieder steil ab. Zum Schluss fängt der Pilot das Flugzeug ab und beginnt wieder Höhe zu gewinnen um später eine weitere Parabel fliegen zu können.
25-30 Sekunden totale Schwerelosigkeit wird pro Parabel erreicht - Das ist natürlich im Vergleich zu dem was Astronauten erleben nur ein Augenblick. Aber das ist die einzige Möglichkeit um Schwerelosigkeit oder Mikrogravität zu erreichen. Sobald Virgin Galactic oder andere Unternehmen Suborbitalflüge anbieten dürfte die Dauer der Schwerelosigkeit nochmals zunehmen - Allerdings auch zu einem Preis von USD 200'000.