Erstes Gymnasium für AD(H)S-Schüler in Deutschland
Die kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit entstand im Rahmen eines mehrwöchigen Praktikums am Privaten Gymnasium Esslingen, dem ersten seiner Art in Deutschland, das eigens von AD(H)S betroffenen Kindern und Jugendlichen ein gymnasiales Bildungsangebot eröffnen möchte.
Die Ergebnisse der Arbeit zeigen, so die Autorin Christin Hesse, dass es möglich sei, eine Schule so zu gestalten, dass sie AD(H)S-Kindern ein angemessenes Lernumfeld bietet und sie ihren individuellen Möglichkeiten entsprechend fördert.
Die Frage nach den Transfermöglichkeiten des Esslinger Konzepts auf die Regelschulen könne noch nicht abschließend beantwortet werden. Die Ergebnisse und Erfahrungen am AD(H)S Gymnasium Esslingen sollten aber genutzt werden, um gerade auch an Regelschulen den speziellen Bedürfnissen der AD(H)S-Kinder bis zu einem gewissen Grad Rechnung zu tragen. Da die erfolgreiche Umsetzung aber von vielen Faktoren abhängt - darunter auch im Wesentlichen von politischen Entscheidungen und der Bereitstellung von Mitteln - scheint das Ziel, Kindern mit AD(H)S an Regelschulen gerecht zu werden, nach Einschätzung der Autorin von einer Realisierung noch weit entfernt. Gerade auch in der Lehrerausbildung sollte dem Themenkomplex AD(H)S mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.
Kinder mit AD(H)S litten oftmals gravierend unter ihrer Störung, so die Autorin. Probleme im sozialen Umfeld, seelische Störungen und schulische Konflikte seien mögliche Folgen. Die Störung gefährde die weitere Entwicklung der betroffenen Kinder erheblich. Die von der Autorin weiter angeführten Zahlen sind erschreckend.
Bis zu 40% der Kinder entwickelten eine depressive Störung, neun von zehn Kindern machten einen Schulabschluss, der unter ihren intellektuellen Fähigkeiten liege und rund ein Drittel müsse sogar auf eine Sonderschule wechseln. Der richtige Umgang mit betroffenen Kindern stelle hohe Anforderungen an die Lehrer und ihren Unterricht. Oftmals fühlten sich die Lehrer dadurch überfordert und hilflos. Somit sei AD(H)S ein dringliches Problem, auf das die Schulen reagieren müssten. Die Tatsache, dass ca. 5% aller Kinder unter dieser Störung litten, also mindestens ein bis zwei Kinder in jeder Klasse, untermauere diese Forderung.
AD(H)S ist die häufigste psychische Störung im Kindes- und Jugendalter. Die drei Kernsymptome sind Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität. Sie können einzeln oder kombiniert auftreten. Dementsprechend lassen sich drei Typen unterscheiden: den vorwiegend impulsiv hyperaktiven Typus, den unaufmerksam impulsiv hyperaktiven Typus und den vorwiegend unaufmerksamen Typus. Häufig tritt AD(H)S in Verbindung mit zusätzlichen Störungen (z.B. emotionale Störungen, LRS) auf. Nach dem heutigen Wissensstand sind genetische Faktoren primäre Bedingung für die Störung. Die Ausprägung und die weitere Entwicklung werden aber überdies von psychosozialen Bedingungen beeinflusst.
Die Regelschule mit ihren Anforderungen stellt ein großes Problem für Kinder mit AD(H)S dar. Aufgrund ihrer Symptomatik scheitern sie oftmals im schulischen Bereich. Soziale Ausgrenzung und schlechte Noten bis hin zum Schulwechsel und Schulabbruch sind häufig die Folge. In der nun vorgelegten wissenschaftlichen Arbeit wird den folgenden Fragestellungen nachgegangen: Ist es möglich, eine Schule so zu gestalten, dass sie Kindern mit AD(H)S eine angemessene Lernumgebung bietet und ihnen eine positive und ihren Potentialen entsprechende Entwicklung ermöglicht? Wie muss eine solche Schule konkret aussehen? Ist es möglich, öffentliche Schulen so zu gestalten, dass sie die oben genannten Anforderungen erfüllen? Welche
Möglichkeiten hat das Regelschulsystem und welche Grenzen sind ihm gesetzt?Der Text der wissenschaftlichen Arbeit kann auf der Homepage des Privaten Gymnasiums Esslingen als PDF-Dokument aufgerufen werden.
ADHS-SCHULE/ADHS-Schule-Esslingen.pdfAm 05.12.2009 findet am Privaten Gymnasium Esslingen ein Tag der offenen Tür statt, an dem sich interessierte Eltern und Fachleute über die Schule und ihren mulitmodalen pädagogischen Ansatz informieren können. Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Gymnasiums
www.privates-gymnasium.de