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Schule Schloss Salem: Keine reichen Problemkinder mehr?

Autor: UlrichLange | Erstellt am: 11.06.2013 | Gelesen: 3269
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: rateArateBrateBrateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Der neue Schulleiter Bernd Westermeyer will das Image der Reichekinderverwahranstalt los werden

Ist das angebliche Eliteinternat, das immer wieder eine "schlechte Presse" hatte, jetzt die richtige Adresse für Musterkinder und Überflieger?

"Eliteschule Salem nimmt keine reichen Problemkinder mehr auf", titelt das Hamburger Abendblatt vom 17.09.2012 . "Qualität statt Quantität" sei das Motto des neuen Leiters Bernd Westermeyer. Er habe "beim Auswahlprozess der neuen Schüler darauf bestanden", so heißt es weiter, "dass man Wert legt auf Qualität, auch wenn nun dadurch ein paar Betten leer bleiben". 130 Bewerber seien für dieses Schuljahr abgelehnt worden, obwohl noch etwa 30 Plätze besetzt werden könnten. "Wir stehen nicht zur Verfügung als Hafen für solche, die problembeladen, aber mit Geld daherkommen."

Salem als Dorado der pflegeleichten Überflieger? Doch da gibt es ja noch das berühmte Hintertürchen der Charakterbildung. "Wir wollen nicht [...] dem Numerus clausus hinterherhecheln", wird Westermeyer weiter zitiert, "sondern setzen auch auf eine solide charakterliche Bildung und runde Persönlichkeiten." Das hieß in Salem immer: Erlebnispädagogik statt Unterricht. Und zuletzt sollen's dann die "Stipendis" richten: "Mehr als bisher wolle er Kinder aus weniger finanzstarken Familien an das Eliteinternat holen".

Originell ist das nicht. Bereits Westermeyers Vor-Vor-Vorgänger Dr. Bernhard Bueb, der sich dank seiner besonderen Wendigkeit von allen Leitern der Schule Schloss Salem am längsten (1974 bis 2005) im Amt halten konnte, wird in Focus Schule (3/2005) folgendermaßen zitiert:

"'Wohlstandsverwahrloste Kinder, die nicht anstrengungsbereit sind', nehme er grundsätzlich nicht auf [...]. Im Gegenzug verfolgt Bueb eine offensive Stipendienpolitik: Ein Drittel der Salemer sind Teil- oder Vollstipendiaten. 'Weil Jugendliche durch Ansteckung seitens Gleichaltriger erzogen werden, wirkt sich das positiv auf die Schulgemeinschaft aus.'"

Die "offensive Stipendienpolitik" scheint über Jahrzehnte wenig zu einer besseren Schülerauswahl in Salem beigetragen zu haben. Warum sollte das jetzt plötzlich anders sein?

1972 las man im ZEITmagazin (Nr. 35/ 1972, S. 2 ff.) „Anstalten wie Schondorf, Salem oder Birklehof" seien „Orte, an denen oft mäßige Pädagogen schlechte Schüler unterrichteten: Mülleimer der Pädagogik."

Bueb klagt in einer internen Veröffentlichung der Deutschen Landerziehungsheime („Konzepte und Erfahrungen" 1986, S. 45 f.):

„Gegenwärtig verstärken viele Landerziehungsheime durch ihre Aufnahmepraxis das Image der Internate, vor allem schwierige, konsumorientierte, verwahrloste, abgeschobene Kinder aufzunehmen. Dieses Image und die entsprechende Wirklichkeit schrecken potentielle Eltern und Jugendliche ab, ein Internat zu besuchen – Jugendliche, für die ein Internat ein Segen wäre und die für Internate ein Segen wären."

Und heute? 130 Bewerber seien - trotz freier Plätze - abgewiesen worden, heißt es. Was nichts anderes bedeutet, als dass sich nach wie vor überwiegend ungeeignete Schüler bewerben. Was geschieht, wenn künftig mehr als 30 Betten leer bleiben?

Schon Kurt Hahn, von dessen Gedankengut Salem seine "Gründungslogik" ableitet, wird äußerste Flexibilität bei der Handhabung strenger Aufnahmekriterien nachgesagt. "Wie hältst du es mit der Wahrheit?", sei etwa Golo Mann im Aufnahmegespräch inquisitorisch gefragt worden. Als der geantwortet habe: „Ich halte es damit wie Napoleon. Ich lüge, wenn es mir nützt", sei Hahns Reaktion gewesen: „So viel Ehrlichkeit genügt." Der Knabe blieb in Salem.

Interessierte Eltern sollten wissen: Entscheidend für die Salemer Aufnahmepolitik war stets die "Kassenlage". Und alle Leiter hielten es diesbezüglich mit der Wahrheit wie Napoleon. "Der Ball ist rund", orakelte einst ein berühmter Bundestrainer. Die "runde Persönlichkeit" ist ein ähnlich flexibler Maßstab.

 
 
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