Im Süden Ägyptens in der Stadt Nag Hammadi etwa 60 Kilometer von der von Touristen beliebten und archäologischen Stadt Luxor entfernt haben islamistische Terroristen nach einer Mitternachtsmesse zum koptisch-orthodoxen Weihnachtsfest am 06.01.2010 auf koptische Christen mit Maschinengewehr aus einem vorbeifahrenden Fahrzeug geschossen. Dabei wurden sieben Christen und ein muslimischer Wachmann getötet und Duzend andere verletzt.
Bischof Kirollos von der oberägyptischen Diözese Nag Hammadi berichtete, dass er selbst vermutlich das eigentliche Ziel der Mörder gewesen sei. Er soll nach der Messe mit seinem Auto von der Kirche weggefahren sein. Als er merkte, dass ihn ein fremder Wagen verfolgte, kehrte er zu der Kirche um. Als er dort eintraf, schossen seine Verfolger auf die dort versammelten Oberschülern.
Nach Angaben der BBC versammelten sich am folgenden Tag mehr als 1.000 Christen vor dem Krankenhaus, um die Leichen abzuholen. Dabei seien Sicherheitskräfte und Krankenwagen mit Steinen beworfen worden. Nach Berichten von Nachrichtenagenturen, sollen diese daraufhin Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt haben. Es ist auch später nach einem Trauermarsch zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen aufgebrachten Christen und die aggressiv und mit großem Aufgebot auftretende ägyptischen Sicherheitskräften gekommen.
In der ägyptischen Provinz Kena kommt es immer wieder zu Übergriffen Christen. Nach der Evangelischen Nachrichtenagentur (idea), sollen Nach dem blutigen Anschlag in Oberägypten Unruhen ausgebrochen haben.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) bat in einer Pressemitteilung Bundeskanzlerin Angela Merkel dringend, sich bei der ägyptischen Regierung für den Schutz der Christen einzusetzen. „
Statt Gerüchte über die Beweggründe der Täter in die Welt zu setzen, die christliche Glaubensgemeinschaft so zu diffamieren und Muslime gegen sie aufzuwiegeln, muss Kairo endlich konkrete Sicherheitsmaßnahmen für die bedrohte Minderheit ergreifen". Der Nahostreferent der Menschenrechtsorganisation, Kamal Sido, bezeichnete die Erklärung eines Sprechers des ägyptischen Innenministeriums, dass der Überfall eine Reaktion auf eine angebliche Vergewaltigung eines muslimischen Mädchens durch einen Kopten gewesen sein könnte, als „
offene Hetze" gegen Christen. Kurios ist, dass ein Regierungssprecher der Art von Aussagen macht, als würde einen Grund für die grausame Ermordung von Christen suchen. Dies deutet darauf hin, wie leichtsinnig die Regierung in Kairo und die ägyptische Polizei mit Anschläge gegen Christen umgeht.
Vertreter der koptisch-orthodoxen Kirche wiesen diese Behauptung zurück. In Oberägypten ist es in der Vergangenheit mehrfach zu Konflikten zwischen Muslimen und Christen gekommen. Seit vielen Jahren sind Christen dort Opfer von Repressalien der Fundamentalisten.
Die Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, die Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach, bezeichnete in einer auf ihrer Website veröffentlichten Erklärung, die Ermordung der koptischen Christen als „
erneuten grausamen Beweis für die Verfolgung der christlichen Minderheit in Ägypten". Sie wies auch auf die Verwüstung und Plünderung der von Christen in der Ortschaft hin. Ferner wies Steinbach in der Pressemitteilung auf die Christenverfolgung in den islamischen Ländern hin und erklärte, dass der Anschlag erneuter grausamer Beweis für die Verfolgung der christlichen Minderheit in Ägypten sei. „
Keinesfalls handelt es sich bei dem durch muslimische Fanatiker angerichteten Blutbad um ein überraschendes Ereignis. (...) Die Diskriminierung der ägyptischen koptischen Christen wird sowohl von der muslimischen Mehrheit als auch von Seiten des Staates vehement betrieben. Unsere Solidarität gilt den Familien der Ermordeten, die bei dem Feuerüberfall ihr Leben verloren. (...) Die Vertreibung irakischer Christen insbesondere in und um Mossul entsetzt uns seit Jahren. Eine Verbesserung ihrer Situation ist nicht in Sicht. Von allen Glaubensgemeinschaften wird das Christentum weltweit am härtesten verfolgt."
Dieser Anschlag und die anhaltende Verfolgung der Christen in Ägypten sind Beweise für die fehlende politische Lösung der Christenverfolgung in Ägypten. Das Setzen auf die Sicherheitslösung in der Bekämpfung von Terrorismus sowie auf die Schari´a als Quelle der Gesetzgebung, geben Anlass zu mehr Ungerechtigkeiten und rechfertigen Gewalt gegen Christen in Ägypten.
Doch leider sprechen auch Laizisten darüber, dass es sich dabei weniger um die Christen geht, sondern eher als Verbrechen. Ferner wird auch verdächtigt, die Kopten wären von externen Kräften gelenkt bzw. sie wären Handlanger dieser Kräfte, was Stoff zu weiterer Hetze bietet. Im Gegenteil rief das Oberhaupt der koptischen Kirche von Ägypten, Papst Shnuda III. zur Geduld auf.
Dieses Phänomen ist allerdings nicht nur eine Besonderheit Ägyptens, sondern häufen sich die Anschläge immer mehr mit dem wachsenden Verbreitung von fundamentalistischem Gedankengut in den islamischen Gesellschaften. Die Regierungen geben dem Druck nach und geben damit Anlass zu mehr Verfolgung, Vertreibung und Repressalien gegen Christen und die Weltöffentlichkeit schweigt. Das Beispiel der indigenen assyrischen Christen im Irak ist unbeschreiblich, dass über Genozidähnliche Verhältnisse berichtet wird. Der Schutz des Staates fehlt und die Welt schweigt weiterhin...
Raif Toma