(Online-Artikel.de) - Von allen Antiquitäten Sammlern geliebt sind die Schnitzereien an ihren antiken Möbeln.
Dabei ist das Schnitzen eine einfache Methode zur Verzierung von Holz, eine natürliche Fortsetzung der schlichten Bearbeitung von Holzoberflächen mit scharfem Werkzeug, die allerdings großes handwerkliches Geschick sowie die Auffassungsgabe und den Blick eines Künstlers erforderte.
Die Hauptwerkzeuge des Schnitzens waren zu jeder Zeit Meißel und Röhre. Zwar haben im Laufe der Zeit technologische Fortschritte die Schärfe und Widerstandsfähigkeit der Werkzeuge verbessern können, es hat sich jedoch an ihrer Grundform und Anwendungsmethode wenig geändert.
Schnitztechniken lassen sich in drei Hauptkategorien einteilen: Kerbschnitzen, Reliefschnitzen und plastisches Schnitzen. Bei Kerbschnitzereien wurde das Muster in das Holz eingeschnitten, und die einfachen punzierten oder eingekerbten Dekorationen wurden dann eher vom Schreiner oder vom Schmied (der die Werkzeuge anfertigte) ausgeführt als von einem Schnitzer.
Bei Reliefschnitzereien schnitt man den Grund (oder Hintergrund) weg, wobei sich die Schnitzerei von der Fläche abhob. Der Grund wurde manchmal mit Punzen bearbeitet, um einen Kontrast zu den glatten Flächen der geschnitzten Motive herzustellen. Auch verwendete man als Zierleisten „Eierstabmotive", bei denen senkrecht stehende Ovale mit spitzblättrigen, schmalen Ornamenten abwechselten. Plastisches Schnitzen war in Wirklichkeit Bildhauern.
Die geschnitzten Dekorationen an Möbeln folgten natürlich den Epochen bzw. Formen der zeitgenössischen Architektur. Die Spitzbögen und das Maßwerk der Gotik wichen im 16. Jahrhundert den Säulen und runden Bögen der Renaissance. Im Rokokostil hatten Schnitzer ebenfalls ihren Platz: die Schnitzer interpretierten – oder erfanden – die asymmetrischen, gewundenen Formen, die für diesen Stil charakteristisch waren. In der Zeit des Neoklassizismus waren Schnitzereien weniger gefragt, doch wurden Ziermotive geschnitzt, die ihren Ursprung in der griechischen und römischen Architektur hatten. Diese wurden meist getrennt angefertigt und auf das Möbelstück appliziert. Nach dieser Zeit, um 1850, wurden viele geschnitzte Verzierungen nicht mehr mit der hand, sondern maschinell gefertigt.
Corinna Wienert