Dr. Holger Dewes
Die Refluxkrankheit gehört mittlerweile zu den häufigsten Krankheiten weltweit. In den letzten 30 Jahren hat sich die Patientenzahl nahezu verzehnfacht. Zwischen 18 und 40 Prozent der Bevölkerung in Mittel- und Nordeuropa leiden an Refluxbeschwerden. Betroffene kennen die typischen Beschwerden wie Sodbrennen und unklare Schmerzen hinter dem Brustbein.
Weniger bekannt sind bisher die Probleme, die der Reflux am Kehlkopf bereiten kann. Diese Krankheit wird unter Fachleuten extraösophagealer Reflux genannt. Eng damit verwandt ist auch eine Form der Kehlkopfentzündung: die Laryngitis gastrica.
Patienten, die darunter leiden berichten oft von eher untypischen Beschwerden: Schluckbeschwerden, Kloß im Hals, Schleimbildung im Rachenbereich, Räusperzwang, wiederkehrenden Halsschmerzen und Heiserkeit. Sollten sie unter einer oder mehreren Symptomen leiden, so ist der Gang zum Hals- Nasen- Ohrenarzt dringend zu empfehlen. Für Betroffene ist meist komplett unverständlich, dass man noch nicht einmal unter Sodbrennen leiden muss, um einen extraösophagealen Reflux zu haben.
Der erfahrene HNO Arzt erkennt die Krankheit anhand der Anamnese und den typischen Anzeichen bei der endoskopischen Untersuchung des Kehlkopfes. Der letztendliche, sichere Beweis liefert jedoch nur eine so genannte 24 Stunden – pH Metrie. Hierbei wird eine Sonde durch die Nase in die Speiseröhre eingeführt und misst über 24 Stunden den Säuregrad im Rachen und der Speiseröhre. Diese Untersuchung wird zwar von den Patienten gut toleriert, wird jedoch nur in wenigen Zentren in Deutschland durchgeführt. Im ambulanten Bereich wird diese Leistung bisher nicht oder kaum angeboten. Ferner handelt es sich um einen invasiven Eingriff, der nur bei unklaren Fällen durchgeführt werden sollte.
Hier hilft nur die hochdosierte, „diagnostische" Therapie mit einem Säureblocker über 4 Wochen. Haben sich die Beschwerden nach 4 Wochen gebessert, so hat man das Vorliegen eines extraösophagealen Refluxes mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bewiesen.
Die Therapie der Wahl besteht dann in der Aufklärung des Patienten und in der Gabe von Medikamenten, welche die Produktion der Magensäure hemmen. Wichtig ist, dass der Patient seine lebensweise ändert, sich besser und sinnvoller ernährt. Rauchen und Alkohol tragen nicht zur Genesung bei.
Neben dem Reflux können auch zahlreiche andere Erkrankungen zu Schluckbeschwerden führen. Der Hals- Nasen- Ohrenarzt in Ihrer Nähe hilft ihnen gerne weiter.
Fazit für den Patienten: Räusperzwang, Heiserkeit, Kloß im Hals, Heiserkeit und Schleim im Rachen können Hinweise für eine extraösophagealen Reflux sein. Sodbrennen muss dabei nicht vorliegen. Auch ein unauffälliger Befund bei der Magenspiegelung schließt diese Krankheit nicht aus!
Kontakt: Dr. med. Holger Dewes, Saarlouis, www.drdewes.de