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Schlafhormon Melatonin - wie die Chronobiologie unsere Gesundheit beeinflusst

Autor: smartnutrition | Erstellt am: 09.11.2016 | Gelesen: 510
Kategorie: Gesundheit - Medizin & Chirurgie | Bewertung: rateArateBrateBrateBrateB
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(Online-Artikel.de) - 10prozent unserer Gene werden durch das Hormon Melatonin und den 24-stündigen Rhythmus gesteuert. Dies hat Implikationen für unsere Gesundheit.

Lichtsmog nachts reduziert die körpereigene Melatonin Ausschüttung.
Lichtsmog nachts reduziert die körpereigene Melatonin Ausschüttung.

Der menschliche Körper ist in einem 24-stündigen Rhythmus getaktet. Die Bedeutung dieses sogenannten Zirkadianen Rhythmus wird vermehrt in der Medizin und pharmakologischen Forschung deutlich. Das Feld der Chronobiologie beschäftigt sich mit dem Faktor Zeit in der rhythmischen Steuerung unserer Gene und damit der Organ- und Zellfunktionen.

Getaktet wird dieser Rhythmus hauptsächlich durch den Tag und Nacht Wechsel. Das vom Auge wahrgenommene Licht hemmt bis zum Einbruch der Dunkelheit den wichtigsten chronobiologischen Taktgeber, das Schlafhormon Melatonin. Zum Abend hin fängt die Zirbeldrüse an das Melatonin zu freizusetzen und somit die Schlafphase vorzubereiten, wobei der höchste Melatonin Ausstoß während des Schlafs nach Mitternacht passiert.

Das Melatonin ist somit nicht nur für einen gesunden Schlaf notwendig, sondern taktet alle Zellen des Körpers im gleichen Rhythmus.

Immense Bedeutung des Melatonins und des Zirkadianen Rhythmus für die Gesundheit

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass ein Zehntel unserer Gene zeitabhängig gesteuert wird, wodurch auch dem Melatonin eine Schlüsselrolle im menschlichen Organismus zukommt. Im Zusammenspiel mit anderen Botenstoffen und Molekülen ergibt sich ein konzertierter Mechanismus, dessen Störung sich auf die Gesundheit auswirken kann.

Epidemiologische Untersuchungen mit Schichtarbeitern deuten auf ein vermehrtes Auftreten von Krebs- und Herzkreislauferkrankungen, die durch die Störung der chronobiologischen Prozesse und eine Minderung der Melatonin Ausschüttung hervorgerufen sein könnte (Schernhammer et al. 2003; Kecklund and Axelsson 2016). Schichtarbeiter neigen zudem vermehrt zu Fettleibigkeit und Diabetes.

Dies verwundert nicht, da Melatonin einerseits als natürliche Antioxidans wirksam ist und andererseits Mechanismen steuert, die zur Zelltötung von entarten Zellen führen. Verringert sich die Melatonin Konzentration könnten diese Mechanismen beeinträchtigt sein und die Entstehung von Tumoren begünstigen. So neigen vollständig blinde Frauen weniger zu Brustkrebs, gleichzeitig weisen sie einen ständig erhöhte Melatonin Pegel auf. Insbesondere die deutliche Zunahme der Brustkrebserkrankungen in den westlichen Ländern soll auf die Schichtarbeit und Lichtsmog (Straßenbeleuchtung und Bildschirme) zurückzuführen sein (Stevens et al. 2014).

Ergebnisse aus der Laborforschung an Tiermodellen zeigen, dass ein Melatonin-Entzug (durch Licht während der Nacht) zur Abschwächung der Wirksamkeit von Krebsmedikamenten führt, während eine gleichzeitige Gabe des Melatonins zu einer Chemotherapie sowohl die Nebenwirkungen gemindert, als auch gleichzeitig die Überlebensrate der Patienten in klinischen Studien verbessert hat (Dauchy et al. 2014; Mills et al. 2005).

Der Zirkadiane Rhythmus beeinflusst auch den Stoffwechsel und die Regulation des Blutzuckers. Die Insulinproduktion wird durch das Melatonin mitgesteuert und nachts gesenkt. Dies soll während der Schlafphase einer Unterzuckerung vorbeugen und die Freisetzung von Fettsäuren erleichtern, da Insulin die Fettfreisetzung unterbindet. Der Körper kann so nachts von seinen Fettreserven zehren (Huang et al. 2011). Sinkt die Melatonin Produktion, gerät auch dieser Mechanismus aus den Fugen, was die Entstehung von Übergewicht fördern und eine Insulinresistenz befeuern kann.

Somit sind einige der typischen Zivilisationskrankheiten wie Krebs und Diabetes mit dem chronobiologischen Rhythmus eng verzahnt.

Schichtarbeit, blaues Licht und der Alterungsprozess – die Melatonin Killer

Mit dem Alter sinkt die Melatonin Produktion bereits ab Mitte 30 und führt bei älteren Menschen zu den zunehmenden Schlafstörungen, die in einem schlechten Schlaf und vermehrter Müdigkeit tagsüber resultieren. Auch die vermehrte Nutzung von Smartphones und Tablets erzeugt sogenannten Lichtsmog und stört empfindlich die abendliche Melatonin Freisetzung. Einige Apps, die den Blauanteil aus dem Displaylicht herausfiltern, können hier Abhilfe schaffen, da vor allem das blaue Licht wach und munter macht. Dicke Vorhänge im Schlafzimmer verhindern das Einfallen der Straßenbeleuchtung und sorgen für eine bessere Schlafqualität.

Jetlags beim Reisen in weiter entfernte Länder und die dadurch entstehende Zeitumstellung können das Hormonsystem und den Stoffwechsel so durcheinanderbringen, dass es Tage bis hin zu Wochen dauern kann, bis das Gleichgewicht wiederhergestellt wird. Flugzeugcrews beugen dem mit der Einnahme von Melatonin entgegen und setzen sich tagsüber ausreichend dem natürlichen Sonnenlicht aus, denn dieses prägt den Schlafrhythmus deutlich ähnlich wie der Lichtmangel nachts. Die Einnahme von Melatonin nach einem Jetlag hilft dem Körper sich schneller an die neue Umgebung zu gewöhnen (Costello et al. 2014).

Daher wirkt die morgendliche Lichttherapie im Winter gegen Müdigkeit, Depressionen und Schlafprobleme, denn das Licht stoppt die Melatonin Produktion morgens zügig, und taktet sie, so dass das Melatonin abends wieder zur richtigen Zeit ausgeschüttet wird.

Fazit

Bringen Sie den Takt in Ihrem Körper nicht durcheinander und nehmen Sie den Lichtsmog ernst, statt ihn zu unterschätzen, denn dieser scheint nicht weniger schädlich zu sein als giftige Abgase.

Fachliteratur:
Costello, R. B., C. V. Lentino, C. C. Boyd, M. L. O'Connell, C. C. Crawford, M. L. Sprengel, and P. A. Deuster. 2014. 'The effectiveness of melatonin for promoting healthy sleep: a rapid evidence assessment of the literature', Nutr J, 13: 106.

Dauchy, R. T., S. Xiang, L. Mao, S. Brimer, M. A. Wren, L. Yuan, M. Anbalagan, A. Hauch, T. Frasch, B. G. Rowan, D. E. Blask, and S. M. Hill. 2014. 'Circadian and melatonin disruption by exposure to light at night drives intrinsic resistance to tamoxifen therapy in breast cancer', Cancer Res, 74: 4099-110.

Huang, W., K. M. Ramsey, B. Marcheva, and J. Bass. 2011. 'Circadian rhythms, sleep, and metabolism', J Clin Invest, 121: 2133-41.

Kecklund, G., and J. Axelsson. 2016. 'Health consequences of shift work and insufficient sleep', BMJ, 355: i5210.

Mills, E., P. Wu, D. Seely, and G. Guyatt. 2005. 'Melatonin in the treatment of cancer: a systematic review of randomized controlled trials and meta-analysis', J Pineal Res, 39: 360-6.

Schernhammer, E. S., F. Laden, F. E. Speizer, W. C. Willett, D. J. Hunter, I. Kawachi, C. S. Fuchs, and G. A. Colditz. 2003. 'Night-shift work and risk of colorectal cancer in the nurses' health study', J Natl Cancer Inst, 95: 825-8.

Stevens, R. G., G. C. Brainard, D. E. Blask, S. W. Lockley, and M. E. Motta. 2014. 'Breast cancer and circadian disruption from electric lighting in the modern world', CA Cancer J Clin, 64: 207-18.

Autor: Ronald Becker
Bildurheber: Lightpoet Fotolia

 
 
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