Am Abend des 19. August gegen 20.30 Uhr wurde Lawrence Makili, Stadtratsmitglied von Honiara auf den Salomon-Inseln und Mitarbeiter der amerikanischen Umweltorganisation Earth Island Institute (EII), von acht Männern aus seinem Haus verschleppt. Mit zwei Autos brachten sie ihn ein paar Kilometer stadtauswärts und schlugen ihn brutal zusammen. Mark Berman vom EII befürchtet, dass die Täter ihn umbringen wollten: „Man versuchte, Lawrence Makili umzubringen, weil er sich für sein Land und die dort lebenden Delfine einsetzt." Makili hatte Glück im Unglück. Er kam mit einem gebrochenen rechten Arm, einigen Rippenbrüchen, Gesichtsfrakturen und Prellungen davon.
In seiner Heimat kämpft Makili nicht nur für den Erhalt der Wälder, sondern auch gegen den Fang und Handel mit wild lebenden Delfinen. Nach Aussage von Richard O'Barry, ehemaliger „Flipper"-Trainer und bekehrter Delfinschützer sowie Vorstand der Organisation „Save Japan Dolphins Coalition", sind auf den Salomon-Inseln fünf verschiedene Delfinfangteams unterwegs. „Jedes von ihnen könnte dafür verantwortlich sein", erklärt er.
Der weltweite Handel mit Delfinen für Ozeanarien und Einrichtungen zum „Schwimmen mit Delfinen" ist ein lukratives Geschäft, das gerade in Ländern ohne strenge Artenschutzgesetze floriert. Die Entnahmen gefährden nicht nur örtliche Populationen, sondern lassen die Meeressäuger auch unnötig leiden: Viele Delfine sterben beim Fang oder während des Transports, in Gefangenschaft lebende Tiere haben nur eine geringe Lebenserwartung.
Lawrence Makili befürchtet durch die Delfinfänge auch Einbußen im Tourismus. Die charismatischen Meeressäuger spielen auf den Salomonen eine wichtige Rolle, wie David Phillips, Projektkoordinator in Sachen Walschutz beim EII, bestätigt: "Die Delfine sind in ihrem natürlichen Lebensraum als Bestandteil von sanftem Ökotourismus für die Inselbewohner weit mehr wert als mögliche Einnahmen durch Fang und Export der Meeressäuger, wovon ohnehin nur ein paar Händler – auf Kosten des salomonischen Naturerbes – profitieren."
Makili ist auch als Repräsentant des amerikanischen Earth Island Institute (EII) im Rahmen des Internationalen Kontrollprogramms für delfinsicheren Thunfisch tätig. Unter dem Kontrollprogramm des EII, für dessen Umsetzung in Deutschland die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) zuständig ist, sind weltweit über 380 Thunfischfirmen anerkannt, die Thun mit „delfinsicheren" Methoden fangen, darunter auch drei Firmen auf den Salomonen.
Das EII will sich nun vor Ort dafür einsetzen, dass die Täter möglichst rasch gefunden werden. Über die Identität der Täter sowie ihr Motiv ist man noch im Unklaren. Verhaftungen gab es bislang nicht.
Ó GRD; Ulrike Kirsch