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Sachtexte schreiben - Stilgrundlagen und Arbeitsweise

Autor: Christopheydt | Erstellt am: 10.12.2014 | Gelesen: 8942
Kategorie: Medien & Kommunikation | Bewertung: rateArateArateBrateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Vier Schritte zum guten Sachtext

Bildquelle: I-vista  / pixelio.de
Bildquelle: I-vista / pixelio.de

„In unserer heutigen Sitzung haben wir die relevanten Punkte 1, 2 und 3 besprochen. Darüber hinaus wurde was über zukünftige Innovationen gesagt. Alles in allem verlief das Meeting wie immer. Der Vorstand hat sich für weitere Beratungen zurückgezogen. Wir sind alle gespannt, wie es nun weitergehen wird."

Was sagt dieser kurze Text aus? Liest er sich spannend? Kann sich der Leser in die Lage hineinversetzen, die der Autor versucht, zu skizzieren?

Jeder mag den Text anders lesen, doch im Allgemeinen lassen sich bestimmte Merkmale herausarbeiten, anhand derer qualitativ wertvolle Texte erkennbar sind. Und dieser Text erfüllt keines der Merkmale. Er ist langweilig, inhaltslos und unnötig in die Länge gezogen. Er wirkt erzwungen und überhaupt nicht an den Lesern orientiert. Es ist leider keine Seltenheit, dass Sachtexte genauso verfasst werden. Kein Wunder, dass man ihnen Langeweile oder Trockenheit unterstellt. Sachliteratur ist eben kein Krimi oder Thriller – sowas kann doch überhaupt nicht spannend sein. Doch! Es kann! Denn ob ein Text spannend ist oder nicht, hängt nicht zwangsläufig vom Genre oder Thema ab, sondern davon, wie der Autor mit Schrift und Sprache arbeiten kann. So können auch Sachtexte Spannung erzeugen, Neugier wecken und die Leser lenken.

Der Stil eines Textes – die Membran zwischen Innen und Außen

Menschen, die nicht viel schreiben, machen sich in der Regel wenig bis gar keine Gedanken über die Textarbeit. Ihnen fehlen Gefühle, Erfahrungen und routiniertes Arbeiten, um einem Text die angemessene Qualität zu geben. Dies wird am Stil offensichtlich, denn über diesen wird am wenigsten nachgedacht. Wenn ein unerfahrener Autor einen Sachtext schreiben will, fokussiert er sich primär auf den Inhalt und auf die Rechtschreibung und Grammatik. Gliederung und Stil kommen sowohl in der Planung als auch in der Ausführung zu kurz. Und das merkt der Leser – selbst wenn dieser kein Germanist ist. Irgendetwas stimmt mit dem Text nicht. Dieses vage Gefühl bleibt zurück, hat sich der Leser durch den gesamten Text gewagt; und dieses Gefühl ist es auch, welches den Blick auf den Inhalt erschwert. Das Gefühl wird maßgeblich über den Stil des Autors erzeugt. Dieser ist die Brücke zwischen den inneren und äußeren Merkmalen eines Textes. Bei den inneren Merkmalen handelt es sich um den Inhalt und die Botschaft des Autors. Die äußeren Merkmale sind Gliederung, Ausdruck, Rechtschreibung und Grammatik. Der Stil verbindet all jene Elemente zu einem Ganzen. Daran wird ersichtlich, wie umfangreich eine Auseinandersetzung mit der Stilarbeit sein kann. Um den Rahmen nicht zu sprengen, wird im Folgenden darauf verzichtet, Gliederung, Rechtschreibung und Grammatik als Stilmerkmale zu würdigen. Vielmehr soll es um den Ausdruck und die Botschaft des Autors gehen – das sind die wichtigsten Stilgrundlagen für Sachtexte.

Zielgruppe, Thema und Botschaft

Wer einen Sachtext schreiben will, richtet sich an eine bestimmte Zielgruppe. Diese sollte noch vor der Schreibarbeit klar benannt werden können. Wer ist es, der den Text lesen wird? Wer könnte Interesse an dem Thema haben? Wie könnte das Vorwissen der potentiellen Leser aussehen? Welche Erfahrungen könnten sie mit dem Thema bereits haben? Selbst wenn die Zielgruppe scheinbar eindeutig ist, sollte genug Zeit damit verbracht werden, über sie nachzudenken, um Inhalt und Ausdruck entsprechend anpassen zu können. Es wäre beispielsweise verfehlt, einen Projektstatus-Bericht eines großen Unternehmens in Umgangssprache zu verfassen. Genauso wäre es stilistisch falsch, einen Brief an Kleinkünstler und Individualisten im Beamtendeutsch zu schreiben. Die Überlegungen zur Zielgruppe beinhalten Fragen zu Einstellungen, Haltungen, Erwartungen, Motivationen und Wissensgrundlagen der potentiellen Leser.

Diese Fragen ermöglichen die Präzisierung des Schreibstils und erlauben es, das Thema zu konkretisieren. Das Thema eines Sachtextes beinhaltet auf der einen Seite immer die Botschaft des Autors und auf der anderen Seite die relevanten Inhalte für eine Zielgruppe. Die Botschaft des Autors sollte am besten in einem einzigen Satz zusammengefasst werden können. In der Regel beinhaltet ein Sachtext eine These, von der sämtliche Inhalte ausgehen. Bei Berichten oder ähnlichen Textarten steht meist ein Projekt im Vordergrund. Hier gilt es, die jeweils aktuelle Botschaft über das Projekt in einem Satz zusammenzufassen.

Beispiel für eine Zielgruppe – allgemein

Menschen, die sich für Volksheilkunde interessieren

Beispiel für eine Zielgruppe – speziell

Heilpraktiker, die sich für Kräuterheilkunde interessieren und bereits Vorwissen aus der eigenen Praxis haben

Beispiel für ein schlecht formuliertes Thema:

Die Kräuterheilkunde als eine Alternative zur schulmedizinischen Therapie von grippalen Infekten

Beispiel für ein gut formuliertes Thema:

Kräuterheilkunde bei Erkältungen

Beispiel für eine Botschaft:

Ich will zeigen, dass die Kräuterheilkunde bei Erkältungen nicht willkürlich eingesetzt werden kann, sondern dass es stets eine Behandlungsstrategie geben muss – auch in der Volksheilkunde.

Die Stilgrundlagen – Handwerkszeug für Autoren

Die Stilarbeit im engeren Sinne bezieht sich auf die Ausdrucksformen des Autors. Es gibt geschriebene und ungeschriebene Regeln, die für jede Textart gültig sind und bei entsprechender Einhaltung für Spannung sorgen und die Leserführung gewährleisten. Um diese Regeln konsequent umzusetzen, sollte man sich im Schreiben üben und sich angewöhnen, regelmäßig Texte zu verfassen. Dadurch entwickelt sich ein kritischer Blick auf das Selbstgeschriebene und eingeschliffene Ausdrucksmuster können erkannt und verändert werden. Zu den grundlegenden Stilarbeiten gehören vier Schritte:

1. Kürzen
2. Konkretisieren
3. Beleben
4. Konstruieren


Kürzen

Texte zu kürzen, ist für viele Laien oder Anfänger ein besorgniserregendes Verfahren. Wenn Texte gekürzt werden, wird scheinbar Inhalt entfernt. Die Anzahl an Zeichen wird reduziert und der einst angesetzte Umfang kann gefährdet werden. Was dabei jedoch übersehen wird, ist, dass das Kürzen die Leserführung enorm verbessert, weil alle unnötigen oder umständlich formulierten Aussagen gelöscht werden – zuletzt bleibt das Wesentliche erhalten, und nur dieses benötigt der Leser. Für effektives Kürzen ist es wichtig, die Zielgruppe zu analysieren. Ihr Vorwissen und ihre Erwartungen entscheiden darüber, was ein Autor im Text stehen lassen und was entfernt werden kann. Das Kürzen muss sich dabei nicht nur auf das Streichen von unnötigen Wörtern beziehen. Es kann auch bedeuten, längere Wörter durch kürzere zu ersetzen, die ihrem Gehalt nach gleich oder ähnlich sind. Auch zusammengesetzte Substantive sollten, wenn möglich, gekürzt werden.

Der Grundsatz des Kürzens lautet: Alles Überflüssige streichen!

Überflüssiges gibt es nicht nur auf der Ebene der Wörter, sondern auch auf der Ebene des Inhalts. Zum Beispiel neigen viele Autoren zu inhaltlichen Wiederholungen. Wenn eine Aussage einmal getätigt wurde, ist das in der Regel ausreichend. Sie sollte nicht unnötigerweise wiederholt werden. Es können bereits erwähnte Inhalte aufgegriffen und erweitert werden, aber strikte Wiederholungen von ein- und derselben Aussage wirken irritierend. Auf der Ebene der Wörter kann eine einfache Faustregel angewendet werden: Wichtige Wörter dürfen wiederholt werden, unwichtige Wörter dürfen nicht wiederholt werden.

Wer radikal vorgehen möchte, kann sich an George Orwells Äußerung halten: „Wenn es möglich ist, ein Wort zu streichen – streiche es!" Soll heißen: Der Autor hat die Aufgabe, den Weg zu seiner Botschaft den Lesern frei zu räumen. Der Text sollte auf allen Ebenen auf Unnötiges überprüft werden. Hat man etwas entdeckt – sofort löschen! Jedes eingesparte Wort erleichtert den Lesern, den Inhalt zu begreifen. Die Leser haben meist wenig Lust, sich durch übervolle Texte zu quälen. Sie wollen alle relevanten Inhalte so schnell wie möglich erfassen. Daher muss der Autor genau dafür Sorge tragen!

Typische „Opfer" der Kürzungen sind:

- hohle Phrasen, also Sätze, die keinen bedeutsamen Inhalt vermitteln und Allgemeinplätze beinhalten; z. B.: „Es ist nicht erforderlich, darauf zu verweisen, dass der Beratungstermin am kommenden Montag wie geplant stattfinden wird."

- sinnfreie Wörter, also Wörter, die keinen inhaltlichen Beitrag leisten; z. B.: also, gar, in der Tat, voll, wiederum, wirklich, halt, dann, über, etwas.

- Adjektive und Adverbien, also Eigenschaftswörter; z. B. „Er ging durch die finstere Nacht" – dass die Nacht finster ist, bedarf keiner weiteren Beschreibung, daher ist das Adjektiv „finster" überflüssig.

- Vorsilben, also Worterweiterungen vor dem Wortstamm; z. B. „an-mieten", das Wort „mieten" transportiert den Inhalt und reicht daher aus, ebenso das Wort „ab-ändern", mit „ändern" ist alles gesagt, was gesagt werden kann.

Ein Hinweis zum Schluss: Je länger ein Text ist und desto umschweifender die Sätze sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Autor nicht weiß, worum es in seinem Text überhaupt geht. Allerdings ist die Länge des Textes wiederum vom Thema und dem Vorwissen der Leser abhängig.

Konkretisieren

Mit dem Vorgang des Konkretisierens kann das Kürzen unterstützt bzw. ganz vermieden werden. Je konkreter eine Aussage ist, desto weniger unnötigen Ballast hat sie um sich. Kürzen und Konkretisieren gehen Hand in Hand. Je konkreter ein Autor seine Wörter bestimmt, desto konkreter ist die Botschaft und desto besser kann die Zielgruppe die Inhalte verarbeiten. Um einem Sachtext Spannung zu verleihen, muss der Text dem Thema treu bleiben und darf nicht ausschweifend werden. Dies beginnt bei der Planung der einzelnen Inhalte und setzt sich mit der Wahl der richtigen Wörter fort. Wenn alles gekürzt wurde und nur noch das Wesentliche im Text steht, sollte dieses noch weiter konkretisiert werden, indem alle komplizierten Wörter durch einfachere ersetzt und alle noch unpräzisen Wörter durch treffendere ersetzt werden. Sämtliche pseudo-wissenschaftlichen Begriffe oder Wörter, die nur dem Imponieren dienen, sollten durch entsprechend genauere ersetzt werden. Je einfacher der Schreibstil ist, desto einfacherer können die Leser den Inhalt und die Botschaft verstehen. Hier liegt oftmals die Ursache für trockene und langweilige Sachtexte – durch eine Überschüttung mit hochgestochenen Formulierungen werden die Leser verschreckt … und zurück bleibt ein unverstandener Autor in Erklärungsnot.

Der Grundsatz des Konkretisierens lautet: Komplexe Sachverhalte einfach darstellen!

Das Konkretisieren geschieht sowohl auf der Gefühlsebene als auch auf der kognitiven. Je mehr ein Autor schreibt, desto besser wird sein Gefühl für treffende Wörter. Für Anfänger oder Laien gibt es Faustregeln, die auch Fortgeschrittene beachten sollten. Dazu gehört das Primat kurzer Wörter. Wenn im Text ein langes Wort auftaucht, ist es besser, nach einem sinnverwandten kürzeren Wort zu suchen. Je weniger Silben ein Wort hat, desto besser kann es von den Lesern aufgenommen und verarbeitet werden. Je länger ein Wort ist, desto abstrakter wird die Vorstellung, die mit ihm assoziiert wird.

Beispiele für Wortkürzungen:

„Erwartung" statt „Erwartungshaltung"

„Rat" statt „Ratschlag"

„Antwort" statt „Rückantwort"

Zum Konkretisieren gehört es auch, Fremdwörter zu vermeiden. Darunter zählen nicht nur Wörter aus anderen Sprachen, sondern auch Fachbegriffe. Der Autor sollte sich auf Wörter konzentrieren, die allgemein bekannt sind. Auch hier sind wieder die Fragen zur Zielgruppe entscheidend: Welche Begriffe und Wörter können als bekannt vorausgesetzt werden? Ein Biologieprofessor wird ein anderes Vokabular verwenden als ein Biologieschüler in der neunten Klasse. Auch wenn Synonyme verwendet werden, um Wiederholungen in Texten zu vermeiden, ist darauf zu achten, dass sinnverwandte Wörter nicht dasselbe bedeuten. „Haus" und „Hütte" sind zum Beispiel sinnverwandt, aber in der Regel stellen sich Menschen unter einem Haus etwas anderes vor als unter einer Hütte. Ebenso ist es ein Unterschied, ob von einem Pakt oder von einem Bündnis gesprochen wird. Um dennoch mit der Begriffsvielfalt arbeiten zu können, sollte sich der Autor für jenes Wort entscheiden, das seiner Botschaft am nächsten kommt.

Beleben

Durch das Kürzen und Konkretisieren ist ein Text schon mal auf das Wesentlichste reduziert, so dass die Spannung dadurch erzeugt wird, dass der Leser nicht durch Missverständnisse oder Ausschweifungen abgelenkt wird. Nun gilt es, dem Text Leben einzuhauchen, um Akzente zu setzen und Spannungsbögen einzubauen. Während Spannungsbögen auf der inhaltlichen Ebene geplant werden, wird ein Text auf der Ebene der Wörter durch sinnzentriertes Schreiben spannend gemacht. „Sinnzentriert" meint hierbei nicht nur den inhaltlichen Sinn, sondern das Ansprechen der Sinnesorgane der Leser. Jeder Leser verfügt über ein eigenes Gedächtnis, welches neben visuellen und auditiven Erinnerungen auch Erinnerungen des Tastsinns, Geschmacksinns und Geruchsinns enthält. Diese Sinneskanäle sollten angeregt werden, indem passende Wörter ausgewählt werden.

Beispiel für sinnzentriertes Schreiben:

In der Werkstatt riecht es nach Benzin und dem Leder alter Sitzbezüge. Der Mechaniker baut gerade einen Beifahrersitz aus und greift zu den Bezügen.

In diesem Beispielsatz kommt eine zweite Stilgrundlage des Belebens zum Vorschein: Es wird eine aktive Situation beschrieben. Je mehr Verben ein Autor verwendet, desto lebendiger wird sein Stil. Verben sind Tätigkeitswörter. Und Tätigkeiten beleben Texte. Sie ermöglichen es den Lesern, Bilder vor deren geistigen Augen entstehen zu lassen. Das obige Beispiel hat z. B. die Leser direkt in die Werkstatt geführt. Das wäre nicht möglich gewesen, würde man mit Verben sparsam umgehen.

Negativ-Beispiel:

Der Mechaniker repariert einen Beifahrersitz.

Dieser Beispielsatz ist zwar kurz, aber ihm fehlt die nötige Spannung, um lebendig zu werden. Er ist zu abstrakt. Abstrakte Verben sollten genauso vermieden werden wie hochgestochen formulierte Tätigkeitswörter. Beispiele für schlechte Verben sind u. a. „reflektieren", „kanalisieren", „durchführen", „erfolgen" oder „sensibilisieren". Diesen Verben ist gemein, dass es den Lesern schwer fällt, konkrete Tätigkeiten mit ihnen zu verbinden. Anders sieht dies bei konkreten Verben aus: „reparieren", „gehen", „sitzen", „fahren", „heben" oder „schreiben".

Der Grundsatz des Belebens lautet: Zeigen statt erzählen!

Wer erzählt, gibt nur etwas wieder, vernachlässigt aber, bei den Lesern Bilder zu wecken. Lebendige Texte lassen sich jedoch nur über Bilder erzeugen. Ein Autor sollte also seine Botschaft nicht nur erzählen, sondern sie zeigen können. Der Verzicht auf abstrakte Beschreibungen zwingt ihn dazu, szenisch zu denken. Eine Szene wird zwar auch beschrieben, aber eben aufgrund ihrer Szenenhaftigkeit lebendiger. Sachliteratur kann so im stilistischen Anspruch gesteigert werden, ohne dass die Seriosität des Inhalts gefährdet werden würde.

Beispiel für eine szenische Beschreibung:

Der Mechaniker hebt den zerstörten Autositz auf den Werktisch. Seine Hände sind schwarzgefärbt und auf seiner Stirn bilden sich die ersten Schweißperlen. Er geht zum Werkzeugkasten und sucht nach einer Zange.

Beispiel für eine abstrakte Beschreibung:

Der Werkstattangestellte befördert den Autositz auf den dafür vorgesehenen Platz auf dem Tisch. Seine Hände sind dreckig und er transpiriert. Im Werkzeugkasten wird nach Werkzeug gesucht.

Im letzten Beispielsatz verbirgt sich ein weiterer Hinweis auf den Umgang mit lebendiger Sprache: „Im Werkzeugkasten wird nach Werkzeug gesucht." In diesem Satz wird zwar etwas über eine Tätigkeit ausgesagt, es fehlen aber sämtliche Informationen über den Täter. Es handelt sich um eine Passiv-Konstruktion. Eine Tätigkeit wird an einem Objekt vollzogen. Doch über den Ausführenden der Handlung erfährt der Leser nichts – dabei ist dieser als Subjekt das wichtigste Element des Textes. Ein Passiv-Satz ist nicht konkret genug, um einen lebendigen Inhalt zu vermitteln. Dadurch wird Spannung aus dem Text genommen. Verben haben die Aufgabe, Handlungen zu vermitteln. Werden die Verben aber ins Passiv gesetzt, signalisieren sie keine klare Handlung mehr, sondern Trägheit. Daher ist es immer ratsam, ein Subjektiv für Handlungen einzusetzen. Und wenn sich kein eindeutiges Subjekt finden lässt, können auch allgemeine Hinweise ausreichend sein.

Beispiel für einen Passiv-Satz:

Die Verbindung zu anderen Unternehmen wird über unterschiedliche Kanäle gewährleistet.

Beispiel für einen Aktiv-Satz:

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewährleisten die Verbindung zu anderen Unternehmen über unterschiedliche Kanäle.

Konstruieren

Texte werden als Gesamtes durch die Gliederung konstruiert. Aber auch Sätze und Absätze müssen einer inneren Logik entsprechen, mit der die Leserführung gewährleistet werden kann. Nur so kann Spannung erzeugt werden. Das Konstruktionsverfahren dient dazu, einzelne Teile in einem Text-System so anzuordnen, dass sie den Lesern schnell den Sinn des Inhalts offenbaren. Ein Satz kann beispielsweise grammatikalisch korrekt sein, jedes Wort kann präzise und konkret sein, und doch kann es für Leser schwer sein, den Inhalt zu begreifen.

Beispiel für einen schlecht konstruierten Satz:

Diejenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die Versendungsaufgaben, die das neue Projektteam betreffen und speziell das Projektstatus-Reporting berücksichtigen, welches aktuell neu konzipiert wird, also nicht mehr in den Bereich der alten Systeme fällt, sollen unverzüglich die Auswahl ihrer Spezialaufgaben, die noch zu vergeben sind und nicht in den Entwicklungsbereich A fallen, vornehmen und sich in den zuständigen Abteilungen melden.

Einfache und treffende Wörter sowie die grammatikalische Korrektheit reichen nicht, um stilistisch gut zu arbeiten. Zur lebendigen Sprache gehört es auch, Wörter und Wortgruppen so anzuordnen, dass sie für die Leser schnell und mühelos Sinn ergeben. Der obige Schachtelsatz ist unverständlich, weil zu viele Informationen willkürlich präsentiert werden. Der Autor hat, sofern ihn das Erleben seiner Leser interessiert und er es steuern möchte, die Aufgabe, seine Gedanken zu ordnen und nicht konzeptlos niederzuschreiben. Meistens hören Leser auf, einen Text zu lesen, wenn die Sätze unverständlich sind. Sie wollen sich – zu Recht – nicht die Mühe machen, Aufgaben zu lösen, die der Autor hätte im Vorfeld lösen müssen. Das Konstruieren von Sätzen und Absätzen muss darum folgende Aspekte beinhalten:

  1. die Suche nach unverständlichen Wörtern
  2. die Reduzierung der inhaltlichen Gedanken auf ein Mindestmaß
  3. die Festlegung einer logischen Reihenfolge der Inhalte und Wörter
  4. die Anordnung wichtiger Inhalte in Hauptsätzen statt in Nebensätzen
  5. das Zusammensetzen von Satzteilen statt einer Trennung
  6. das weitgehende Ausschließen von mehreren Deutungsmöglichkeiten

Der Grundsatz des Konstruierens lautet: Kurz und der Reihenfolge nach schreiben!

Als Faustregel kann gelten, pro Satz einen Gedanken aufzugreifen bzw. einen Gedanken in nur einen einzigen Satz zu bringen. So werden Schachtelsätze von Vornherein ausgeschlossen und die relevanten Inhalte bleiben auf ein Mindestmaß reduziert, wodurch eine Kürzung und zugleich eine Konkretisierung vorgenommen werden. Wenn man sich selbst das Ziel setzt, nur kurze Sätze zu schreiben, zwingt man sich zu einfachen und logisch aufeinander aufbauenden Gedanken. Ein Satz oder Absatz kann allein dadurch sinnvoll konstruiert werden. Die optimale Länge eines Satzes liegt zwischen 10 und 15 Wörtern. Alles, was darüber hinausgeht, sollte in einen neuen Satz verarbeitet werden. Weiterhin sind Hauptsätze den Nebensätzen vorzuziehen. Sie sind in ihrer Tonalität kraftvoll und sind, wenn der Autor sie korrekt verfasst, die Träger der Botschaft. Nebensätze sollten nur gezielt eingesetzt werden, nämlich dann, wenn es darum geht, den Lesefluss zu stärken oder eine monotone Ansammlung von Hauptsätzen zu unterbrechen. Die wichtigen Inhalte sollten alle in die Hauptsätze eingearbeitet werden und keinesfalls in Nebensätzen zur Geltung kommen.

Sachtexte stilistisch bearbeitet – ein Krimi in sachlicher Form

Sachtexte sind ihrem Wesen nach keine Thriller oder Krimis. Das sollen sie auch nicht sein. Ihr Aufgabenfeld ist ein anderes. Sie sollen Wissen vermitteln, Vorstellungen konstruieren, Erfahrungen transportieren oder Abstraktes leicht veranschaulichen. Sachtexte sind das Arbeitsgebiet von Experten und Menschen, die sich eingehend mit einer Thematik befasst haben. Die Autoren von Sachtexten haben eine klare Botschaft und eine konkret definierte Zielgruppe. Ihre Botschaft konzentriert sich auf einen Sachverhalt und soll zum Nachdenken oder Handeln anregen. Dadurch sind Sachtexte, ganz gleich ob Fachbuch oder Ratgeberbroschüre, unverzichtbar für das menschliche Zusammenleben. Und entsprechend spannend sollten sie geschrieben werden! Diese Spannung wird aber nicht über Figurenarbeit oder rätselhafte Mordfälle aufgebaut, sondern über Präzession und Lebendigkeit. Auch wenn viele in Sachtexten verarbeitete Themen theoretischer Natur sind, müssen sie nicht automatisch langweilig sein. Im Gegenteil! Der Autor bestimmt die Spannung. Sein Stil ist es, der über Spannung oder Langeweile entscheidet. Ein Thema, das auf die Zielgruppe abgestimmt ist und die Botschaft des Autors beinhaltet, kann spannend präsentiert werden, wenn der Leser an die Hand genommen wird und Schritt für Schritt durch die Gedankenwelt des Autors geführt wird. Dazu gehören eine Planung der möglichen Inhalte, die Strukturierung der Einzelteile des Textes und die oben beschriebenen Arbeitsschritte.

Autor: Christoph Eydt
www.phantomschreiber.de
www.autor-christoph-eydt.de
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